Düsseldorf-Oberkassel: Tiersitter suchen ein neues Zuhause

Wohnen in Düsseldorf : Tiersitter suchen ein Zuhause

Sebastian Neu hat eine Hundepension. Weil das Haus, in dem er wohnt und arbeitet, abgerissen wird, ist seine Existenz gefährdet.

Als Sebastian Neu das erste Mal mit acht Hunden an der Leine runter zum Rhein ging, hatte er Bammel. Hören alle auf ihn? Hat er die Vierbeiner im Griff? Verstehen sich die Hunde untereinander? Und was, wenn einer wegläuft? Der erste Spaziergang ging gut, der zweite auch, und die vielen hundert danach sowieso. Inzwischen ist Sebastian Neu ein echter Profi, vor drei Jahren eröffnete er die Hundetagesstätte „Hundewanderer“ in Oberkassel und brauchte nicht lang, bis er einen treuen Kundenstamm hatte.

„Weil Sebastian ein totaler Glücksfall ist“, sagt Gerlinde Brenneke-Schmitter, die 2018 notfallmäßig eine verhaltensauffällige, spanische Straßenhündin bei sich aufnahm und fürchtete, dass keine Tierpension der Welt auf ihre Pina aufpasst, wenn sie mal nicht kann. Als Brenneke-Schmitter jetzt erfuhr, dass die HuTa zum Jahresende aus den Räumen am Greifweg ausziehen muss, war sie entsetzt. Und traurig, und auch ein bisschen verzweifelt. Denn ihre Pina, die eigentlich so große Angst vor Menschen hat, hat sich in Nullkommanichts in Sebastian und Klaudia Neus Rudel wohlgefühlt.

Dass die Neus irgendwann aus der Wohnung im Souterrain des Mehrfamilienhauses ausziehen müssen, das weiß das Paar schon eine Weile. Der Eigentümer hat das Haus verkauft, das abgerissen werden soll. „Deshalb suchen wir auch schon seit eineinhalb Jahren“, sagt die 52-jährige Klaudia Neu. Bisher ohne Erfolg. Und die Neus haben wenig Hoffnung, dass sich das in den nächsten elf Monaten ändern wird. Denn das Paar sucht eine Wohnung, in der sie – natürlich – wohnen, in der sie aber gleichzeitig die HuTa wieder eröffnen kann. Das ist das Konzept der Oberkasseler, die Hunde sollen sich fühlen wie bei Frauchen und Herrchen zu Hause. Sogar das Sofa und das Bett sind für die Hunde erlaubt. „Aber welcher Vermieter nimmt schon ein Paar, das bis zu acht Hunde am Tag betreut“, sagt Sebastian Neu. „Ohne Pension können wir aber keine Wohnung mieten“, ergänzt seine Frau Klaudia.

Denn mit der HuTa „Hundewanderer“ verdient der 45-Jährige sein Geld. Eigentlich ist er ausgebildeter Dekorateur, war 20 Jahre lang selbstständig. Als im Abstand von einem Jahr zwei Tumore in seiner Brust entdeckt wurden, er nach den OPs nicht mehr auf Böden rumkriechen konnte, suchte sich Neu etwas anderes. „Ich habe mit einem kleinen Gassi-Dienst angefangen“, sagt der Mann mit den langen Dreadlocks. Ein bisschen frische Luft, ein bisschen Bewegung. Irgendwann beschloss der 45-Jährige, sich beim Veterinäramt ausbilden zu lassen und bekam die Zulassung.

Ziemlich streng ist Neus Auwahlverfahren, das weiß auch Gerlinde Brenneke-Schmitter, die mit Pina erstmal einen Spaziergang machen musste im Rudel. „In der zweiten Lektion blieb Pina mal einen Nachmittag allein bei den Hundesittern“, erzählt das Frauchen, die Pina schließlich auch mal für eine Übernachtung auf Probe am Greifweg ließ. „Erst dann bekamen wir den Vertrag“, sagt Brenneke-Schmitter. Bis zu acht Hunde betreut Sebastian Neu am Tag, viele Kunden arbeiten in der Gegend, bringen morgens Lotta, Filou und Lucky vorbei, und holen sie am Abend wieder ab.

Zwei Mal am Tag gehen Sebastian und Klaudia Neu mit den Hunden zum Rhein, mindestens anderthalb Stunden pro Runde. Dort dürfen sie frei laufen, dort können sie toben und sind danach hundemüde. Deshalb wünschen sich die Neus eine Wohnung, die nicht weit weg ist vom Rhein, die irgendwo im Linksrheinischen liegt, weil dort ihre Kunden sind. Denn irgendwie haben sie an jeden Hund, auf den sie aufpassen, ein bisschen ihr Herz verloren.

Wie groß das ist, beweist ihr Einsatz für Poncho – ein inzwischen 14 Jahre alter Mischling, „in dem auf jeden Fall ein Wolf steckt“, sagt Sebastian Neu. Die Vorbesitzerin gab ihn in der Hundepension ab, fuhr für drei Wochen in den Urlaub und war plötzlich unbekannt verzogen. „Die Frau hatte ihn aus dem Tierheim, und wer will schon einen Hund, der über zehn Jahre alt und nicht ganz einfach ist und der zwischendurch mal bellt?“, fragt der 45-Jährige, ohne wirklich eine Antwort darauf haben zu wollen. Deshalb behielten er und seine Frau Poncho selbst, „er war mein Geburtstagsgeschenk vor drei Jahren“, sagt Klaudia Neu.

Kontakt Wer Sebastian und Klaudia Neu weiterhelfen will, der kann eine Mail schreiben an duesseldorf@rheinische-post.de mit dem Betreff „HuTa“.