Interview in Düsseldorf : „Verkehrstechnisch fehlt der Flow“

Der Bezirksbürgermeister spricht über Hochbahnsteige und „The Flow“ und erzählt, was 2020 wichtig wird im Linksrheinischen.

Herr Tups, was hat die Menschen im Linksrheinischen im vergangenen Jahr bewegt? Welche Themen waren wichtig?

Rolf Tups Wir haben den ersehnten Hochbahnsteig am Luegplatz bekommen, die Rheinbahn hat sich sehr bemüht, um pünktlich zur Kirmes fertig zu werden. Und wir sind froh, dass sich dieser Bahnsteig so geschmeidig in das bestehende System einfügt.

Die Hochbahnsteige im Linksrheinischen werden Sie aber auch noch im nächsten Jahr beschäftigen.

Tups Es hat viel Protest aus der Bürgerschaft gegeben, einen Hochbahnsteig auf der Luegallee direkt vor dem Belsenplatz zu bauen. Damit würde die Struktur der Luegallee sehr negativ verändert, die riesigen Bahnsteige würden die Straße mit ihren vielen denkmalgeschützten Häusern stark beeinträchtigen. Auf dem Belsenplatz gibt es allerdings auch nicht ausreichende Flächen für Hochbahnsteige, die jeweils in ihrer Länge 90 Meter überschreiten.

Gibt es denn eine andere Möglichkeit, in der Nähe einen barrierefreien Bahnsteig zu bauen?

Tups Die Station Drususstraße wird kaum frequentiert, direkt vor dem neuen Schwimmbad in Oberkassel (etwa 200 Meter von der Drususstrasse entfernt) gibt es allerdings keine Haltestelle. Hier müssen neue Überlegungen greifen: Mit einer Verlegung Richtung Schwimmbad und von dort die U75 unter den Überführungen des Heerdter Dreiecks, vorbei am Vodafone Campus bis zur Hansaallee ist eine konsequente Richtung einzuschlagen. Wir könnten Vodafone mit einer eigenen Station versehen und auf der Hansaallee vor dem Belsenplatz einen Hochbahnsteig bauen, der von den Linien aus Neuss und Krefeld beziehungsweise aus der Stadt kommend angefahren wird.

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Würde sich Ihre Idee auch positiv auf den Belsenplatz auswirken?

Tups Mit der neuen Planung hätten wir zudem die Möglichkeit, dem Belsenplatz einen neuen Charakter zu geben und als Verkehrsknotenpunkt zu entlasten.

Eine Verkehrsplanung auf der Luegallee ist gar nicht so einfach, oder?

Tups Wir sprechen schon seit Jahrzehnten darüber, wie wir auf nur 34 Metern Breite den Straßenraum gerecht verteilen. Wir haben den Einzelhandel samt Auslagen, die Gastronomie, den motorisierten Verkehr, Fußgänger, Radfahrer, die Rheinbahn und nicht zuletzt die Platanen. Da können wir nicht mit pauschalen Eingriffen arbeiten, sondern müssen einfach Hochbahnsteige strategisch platzieren.

Wird sich die Rheinbahn denn auf Ihren Vorschlag einlassen?

Tups Die Rheinbahn hat zugesagt, die Ideen zu prüfen und das macht sie auch. Ob es technisch und auch finanziell abbildbar ist, wird sich dann zeigen.

Sie hatten auch schon das neue Schwimmbad angesprochen in Oberkassel/Heerdt, das im Herbst mit seinem Namen für Aufsehen gesorgt hat.

Tups Als der Oberbürgermeister beim Richtfest im September den Namen sagte, dachte ich, „The Flow" wäre ein Projekt-Arbeitstitel. Schon der Applaus beim Richtfest war allenfalls als höflich zurückhaltend zu beschreiben. Zum Glück wurde die Namensgebung nach erheblichen Protesten aus der Bürgerschaft und der Politik namentlich „entflowt."

Wie sollte das Schwimmbad Ihrer Meinung nach heißen?

Tups Ein Name mit Bezug zum Linksrheinischen wäre schön, aber eigentlich will ich mich in die Diskussion nicht einmischen. Die Bürger haben viele sehr gute Vorschläge gemacht, die Bädergesellschaft wird den neuen Namen zur gegebenen Zeit präsentieren.

Wie lange wird es denn noch dauern, bis das Schwimmbad eröffnet?

Tups 2020/21 wird es hoffentlich soweit sein – wir freuen uns alle schon darauf.

Weil es auch Platz gibt für die Bezirksvertretung?

Tups Wenn Sie im Sommer schon mal bei uns in einer Sitzung waren, bei 30 Grad, das ist in dem kleinen Raum direkt unter einem Flachdach kaum auszuhalten. Auch für Besucher gab es kaum Platz. Der neue Saal ist aber auch ein toller Veranstaltungsort für unsere Vereine im Stadtbezirk.

Waren Sie sich im Gremium damals alle einig, dass das Schwimmbad an der Pariser Straße gebaut werden soll?

Tups Wir sind in der Bezirksvertretung oft unterschiedlicher Meinung, aber wenn es um die Sache geht, ist der Zusammenhalt sehr eng. Als die Bädergesellschaft und die Verwaltung uns vorschlug, auf diesem Areal zu bauen, haben wir im Vorfeld parteiübergreifend Gespräche geführt und das Projekt vor zwei Jahren dann sofort einstimmig befürwortet. So eine Chance bekommt man nur einmal.

Apropos Bauen. Wie sieht es denn im Linksrheinischen aus? Wo gibt es noch Platz für den so dringend benötigten Wohnraum?

Tups Zum Beispiel an der Oberlöricker Straße ist noch eine größere Fläche, da wäre einiges möglich. Wir wollen aber eine sozialverträglich gute Durchmischung.

Also auch Reihenhäuser, die der Oberbürgermeister nicht mehr will?

Tups Ja natürlich, auch Reihenhäuser oder Einfamilienhäuser. Auch das gehört zu einer guten städtebaulichen Durchmischung. Viele Familien verlassen unsere Stadt und ziehen ins Umland, weil diese Flächen in der Stadt nicht mehr ausgewiesen werden.

Wird die Oberlöricker Straße denn 2020 ein Thema werden?

Tups Es ist zumindest vorgesehen.

Was wird denn 2020 noch wichtig?

Tups Das, was uns am meisten belastet, ist der Verkehr.

Aber der Stadtbezirk wird doch gerade jetzt entlastet durch den Anschluss des Heerdter Lohwegs an die B7.

Tups Das wird natürlich Entlastung bringen, vor allem für den Nikolaus-Knopp-Platz. Was mir Sorgen bereitet, sind die Brücken.

Die Theodor-Heuss-Brücke, die im November für Lkw über 30 Tonnen gesperrt wurde?

Tups Im Moment wird sogar geprüft, ob auch Lkw mit weniger als 30 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht die Brücke nicht mehr befahren dürfen. Wir merken jetzt schon die Zunahme des Schwerlastverkehrs in den Wohngebieten. Insgesamt stellt die Belastbarkeit der Straßenbrücken zwischen Köln und Düsseldorf ein besonderes Problem dar. Die Leverkusener Brücke (A1) ist schon längere Zeit für Lkw gesperrt, die Fleher Brücke wird saniert und die Flughafenbrücke der A44 läuft weiter zu und auch die Uerdinger Brücke ist für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt.

Da bleiben ja nur noch die Rheinkniebrücke und die Oberkasseler Brücke.

Tups Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Alternativrouten zur Theodor-Heuss-Brücke – über Oberkasseler oder Kniebrücke auszuweichen – erscheinen mir sehr abenteuerlich. Mit Lkw über 30 Tonnen über die Luegallee zum Ratinger Tor? Alleine durch die Expansion des Neusser und des Uerdinger Hafens haben wir am Handweiser eine stark zunehmende Lkw-Konzentration. Wenn wir das Problem lösen wollen, müssen wir über eine weitere Abfahrt zum Neusser Hafen auf der A52 nachdenken. Die Idee ist nicht neu, aber bisher scheiterte die Umsetzung an an der Bürokratie.

Immerhin haben Sie keine Umweltspuren im Stadtbezirk 4.

Tups Die Auswirkungen merken wir dennoch. Die Menschen werden erfinderisch: So viele Kölner, Neusser und Krefelder Kennzeichen habe ich im Linksrheinischen selten gesehen. Wir sind zu einem Transitgebiet geworden, alles rauscht hier behelfsmäßig durch.

Was ist die Lösung?

Tups Ein weiterer überregionaler Ausbau des ÖPNV. Ich favorisiere immer noch die alte Überlegung, die U81 zu erweitern, die entlang der A52 verlaufen könnte bis zum Kaarster Kreuz. Dort gibt es Flächen, auf denen Park-and-Ride-Parkplatze gebaut werden könnten mit einer entsprechenden Infrastruktur. Umweltspuren sowie Park-and-Ride-Parkplätze in den Stadtrandbereichen werden Pendlerströme nicht reduzieren, sondern nur anders verteilen. Dass verkehrstechnisch noch Luft nach oben ist, spüren alle Bürger tagein tagaus schmerzlich. Hier fehlt nun wirklich der „Flow".