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Oberkassel/Bilk: Bilder vereinen zwei Lebenswelten

Oberkassel/Bilk : Bilder vereinen zwei Lebenswelten

Die in Düsseldorf und auf Tobago lebende Künstlerin Andrea C. Hoffer zeigt ihre Arbeiten zurzeit bei Kiki Maier-Hahn. In diesen verwebt sie die Üppigkeit der tropischen Natur mit Elementen europäischer Interieurs.

Ein leichtes Schwindelgefühl, eine kleine Irritation, gefolgt von großer Angezogenheit: So lässt sich der erste Eindruck von Andrea Corinna Hoffers Bildern beschreiben. "Komponenten der Wirklichkeit" hat die Künstlerin ihre aktuelle Schau bei Kiki Maier-Hahn genannt. Und in der Tat vereint Andrea Hoffer auf ihren mit Ei-Tempera auf Leinwand gemalten, zumeist extrem großformatigen Arbeiten Elemente der Realität.

Diese bildet sie jedoch nicht ab, sondern verwebt vom Menschen Gefertigtes wie Tische, Stühle, kleine Marienstatuen und Lampen oder gar einen ganzen Wohnungsflur mit von der Natur Geschaffenem. Dabei spielt sie mit Vorder- und Hintergrund, mit Horizontalen und Vertikalen, mit Ein- und Durchblicken, lässt Außen und Innen ineinander übergehen und sich wechselseitig durchdringen. So entsteht eine enorme Bewegung, die dazu einlädt, in ihren Bildern umherzuwandern, auf eine Reise zu gehen.

Nicht umsonst resultiert das, was die Meisterschülerin von A. R. Penck auf ihren Arbeiten zusammenbringt, aus ihren beiden Lebenswirklichkeiten: aus der üppigen Vegetation von Trinidad und Tobago genauso wie aus der vergleichsweise nüchternen Strenge Europas. Seit sie vor 16 Jahren ihre erste Einzelausstellung in Port of Spain, der Hauptstadt des aus den beiden Eilanden bestehenden karibischen Inselstaates hatte, ist sie den tropischen Inseln treu geblieben, auch wenn ihr Lebensmittelpunkt eindeutig in Deutschland liegt. "Meine Arbeiten entstehen alle auf Tobago. Die Farbigkeit dort, das Licht, die Bewegung und mit dieser auch ein zeitlicher Aspekt fließen in meine Bilder ein", sagt die Künstlerin. "Und in meinem hiesigen, 7000 Kilometer von dort entfernten Atelier an der Aachener Straße überarbeite ich sie."

Mehrmals im Jahr reist Andrea Hoffer nach Tobago, um intensiv in einem Atelier zu malen, das so ganz anders ist, als man es hierzulande kennt. "Es hat nur zwei Wände, und durch große Durchbrüche habe ich einen freien Blick auf die Landschaft und das Meer", sagt sie. "Allerdings kann es so auch schon mal geschehen, dass mich die Natur besuchen kommt, etwa in Gestalt einer Kuh oder von ein paar Ziegen."

Zudem nutzt Andrea Hoffer die Kräfte der Natur auch unmittelbar: "Ich stelle meine Bilder oft zum Trocknen nach draußen. Wenn dann ein starker Regen kommt, lasse ich sie einfach dort." So interagiert in ihren Arbeiten die Natur mit einer zugleich konkreten und abstrakten Kunst. "Ich möchte ein Gefühl der tropischen Natur vermitteln", sagt die Künstlerin, die von der Landschaftsmalerei kommt.

Die zurzeit bei Kiki Maier-Hahn ausgestellten Interieurs gehören zu ihren neueren Arbeiten und haben oft die Anmutung von Bühnenbildern. Das kommt nicht von Ungefähr. Schließlich hat Andrea Hoffer einige Zeit als Kostüm- und Bühnenbildnerin an Theatern gearbeitet, bevor sie an die Kunstakademie ging. Dort studierte sie zunächst Kostüm- und Bühnenbild bei Karl Kneidl, bis schließlich der Drang zur Malerei so groß wurde, dass sie in Pencks Klasse wechselte.

Die Freude an der Inszenierung merkt man ihren Bildern noch immer an. "Ich nutze die Dramaturgie der Natur ebenso wie die des Interieurs", sagt Andrea Hoffer. Und nimmt sich der Betrachter die Zeit, so entdeckt er je nach Standort, den er zu einer ihrer Arbeiten wählt, einen anderen Einblick, eine geradezu magische Tiefe, die ihn das Bild immer wieder von Neuem erkunden lässt.

(dkd)