Studierende ehren Oberbilk mit einer Fotoreihe

Oberbilk : Studenten ehren Oberbilk mit einer Fotoreihe

Im Altenzentrum St. Josef der Caritas wurden Bewohner zu Hauptdarstellern einiger Fotoserien.

In früheren Zeiten war der Stadtteil Oberbilk ein von Eisen- und Stahlindustrie geprägtes Arbeiterviertel. Inzwischen leben Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Schichten in den Straßen zwischen Hauptbahnhof und Mitsubishi Electric Halle. Textildiscounter, Ramschläden und Schnellimbisse stehen im direkten Dialog mit Gentrifizierungstendenzen hipper Stadtbewohner oder zum Heimatgefühl der alteingesessenen Bewohner des Stadtteils. Dieses Lebensgefühl, die Stärken und auch Schwächen des aktuellen Oberbilks und der hier lebenden Menschen einzufangen, hatten sich elf Studierende des Fachbereichs Fotografie der Peter Behrens School of Arts (HSD – Hochschule Düsseldorf) in Kooperation mit dem Caritasverband Düsseldorf zur Aufgabe gemacht und in einer Ausstellung an acht verschiedenen Orten der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Studierenden sind über ein ganzes Semester regelmäßig nach Oberbilk gefahren, haben sich auf den Ort und die Menschen eingelassen“, erläutert HSD-Dozentin Nina Ditscheid. „Aber so ein Projekt ist nur möglich, wenn sich alle aufeinander einlassen und unterstützen.“

So ließen sich beispielsweise einige der Bewohner des Caritas-Altenzentrums St. Josef auf die jungen Menschen ein und wurden so zu Hauptdarstellern einiger Fotoserien. „Das Thema Reportagefotografie und die Arbeit mit älteren Menschen interessierte mich. Ich bin offen und herzlich aufgenommen worden“, erklärt Fenja Schulz. „Meine Vorstellung über die Zusammenarbeit hat sich bewahrheitet. Es war eine schöne Erfahrung.“

Die Ausstellung zeigte Motive von und über Menschen, Momente und Lebensarten aus Oberbilk. Schützenvereine gehören ebenso dazu wie die ungewöhnliche Architektur des Stadtteils. Zudem wurden Themen wie Demenz und Vergessen, Schönheit im Alter oder alltägliche Begegnungen fotografisch festgehalten.

Und auch die Ausstellungsorte spiegelten das tradierte, moderne, weltoffene, heimelige, vielfältige Oberbilk wider. „Es waren authentische Orte, die man gut in einem Rundgang nacheinander absolvieren konnte“, sagt Ditscheid. Dazu gehörten das Altenzentrum St. Josef, auf dessen Gelände früher eine große Kohlehandlung beheimatet war, Das Büdchen mit dem Kunstbegeisterten Inhaber Ökkes Yilderim, das Restaurant „Wellnetz“ am Gangelsplatz, an dem sich früher die Stahlarbeiter trafen, ein arabischer Kulturverein, die Musikschule Dreiklang, die beide die neue Vielfalt Oberbilks repräsentieren oder die BrauArt auf dem Hofgelände der Emmastraße. Schulzes Bilder hingen in der „Forelle“. Also dort, wo viele Schützen ein Heim außerhalb der eigenen vier Wände finden und die HSD-Reportagefotografen das Besondere im Alltäglichen.

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