Düsseldorf: Oberbilker zeigen Nachbarn das Gärtnern

Düsseldorf : Oberbilker zeigen Nachbarn das Gärtnern

Beim Stadtteilgarten "Düsselgrün" an der Eintrachtstraße können alle Interessierten mitmachen. Die Gruppe möchte Stadtmenschen den Gartenbau wieder nahebringen. In diesem Jahr nimmt der Garten an der Quadriennale teil.

Mitten in Oberbilk kann man eine Kunst (neu) lernen, die vielen Zeitgenossen abhandengekommen ist, nämlich den Anbau von Obst und Gemüse. Auf einer unscheinbaren Brachfläche an der Eintrachtstraße hat eine Gruppe von rund 15 Personen unter dem Stichwort "Düsselgrün" einen unkonventionellen Garten angelegt. Vor zweieinhalb Jahren begannen die Stadtgärtner mit dem Anbau von Kartoffeln, Tomaten, Fenchel, Pastinaken. Es gibt aber auch Erd- und Himbeeren. "Im vergangenen Jahr konnten wir erstmals eine gute Ernte einfahren", berichtet Rupert Ronge, Mitglied von "Düsselgrün".

Die Gärtnerei betreibt die Gruppe aber nicht zum Selbstzweck, hinter dem Stadtteilgarten steht ein spezielles Konzept: "Die Fähigkeit des Lebensmittelanbaus ist in der letzten Generation bei den Menschen in der Stadt ja komplett verlorengegangen", meint Ronge. Diese Fähigkeit möchten die Oberbilker Stadtgärtner an möglichst viele Nachbarn wieder weitervermitteln. Die Gruppe ist daher auch offen für alle Interessierten — ganz gleich ob mit oder ohne Gartenerfahrung. "Dazustoßen" können Neulinge jeweils sonntagsnachmittags, dann trifft sich die Gruppe regelmäßig in ihrem Oberbilker Garten. Wobei dieser eigentlich nicht ihrer ist, das Brachgelände gehört der Stadt. "Das wussten wir aber nicht, als wir 2012 das Gelände übernommen haben", berichtet der Ingenieur Ronge. "Wir haben einfach angefangen." Die Gruppe, die bewusst keine bestimmte Rechtsform gewählt hat, will ihre Gartennutzung an der Eintrachtstraße aber keineswegs als Besetzung verstanden wissen. "Sollte die Stadt das Gelände anderweitig nutzen wollen, gehen wir woanders hin." Gemeinsam hat man sogar bereits mit dem Gartenamt nach Alternativgrundstücken gesucht, bislang aber ohne Ergebnis. Ronge: "Die Stadt hat ja auch etwas von unserem Einsatz. Immerhin sammeln wir jede Woche zwei bis drei Säcke Müll ein."

Die Stadtgärtner von "Düsselgrün" werden in diesem Sommer an der Quadriennale teilnehmen. Die Stiftung Schloss und Park Benrath und das dortige Gartenmuseum haben die Gruppe eingeladen, sich am Projekt "Urban Gardening" der Stiftung innerhalb der Quadriennale zu beteiligen. Die Stiftung wird dazu in den nächsten Wochen mehrere Pflanzboxen anliefern, die die Gärtner dann bestellen.

Zur Zeit sieht der Garten etwas karg aus, aber Ronge versichert, dass sich das alsbald ändern wird. Neben Obst und Gemüse soll auch wieder ein Kräuterbereich entstehen. Außerdem ist ein großes Blumenfeld geplant. Alle Neuanpflanzungen stehen dabei unter dem Grundsatz "regional und nachhaltig". Wenn auch die Ernte-Erträge noch nicht so üppig sind, ist doch das Fernziel eine regionale Selbstversorgung, auch in der Stadt. Diese könnte nach Ansicht der Gruppe einmal an Bedeutung gewinnen, wenn in Zukunft die Erdölvorräte global zur Neige gehen. "Denn darauf basiert ja unsere derzeitige Nahrungsmittelversorgung". Der Stadtteilgarten ist übrigens eng vernetzt mit ähnlich agierenden und denkenden Gruppen in der ganzen Stadt.

(RP)
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