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Oberbilk: Forum fordert Straßenbenennung nach Cilly Helten

Lesbische Widerstandskämpferin aus Düsseldorf : Forum kämpft für eine Cilly-Helten-Straße in Oberbilk

Eine LGBT-Arbeitsgruppe will, dass eine Straße in Düsseldorfs neuem Wohnviertel nach Cilly Helten benannt wird - Lesbe und Widerstandskämpferin in der Nazizeit. Doch die Verwaltung hat andere Pläne: Sie will die Straßen nach Partnerstädten benennen.

Sie war die Freundin der österreichischen Widerstandskämpferin und Politikerin Rosa Jochmann, die einmal sagte: „Ich weiß, was für ein Mensch Cilly gewesen ist. Sie war stets heiter und zu Späßen aufgelegt, aber zugleich hilfsbereit und aufopferungsvoll, was gerade ich mit großer Dankbarkeit genoss.“

Cäcilia Helten ist gemeint, die die meisten Cilly nannten, die in Düsseldorf geboren wurde, eine frauenliebende Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus war und die das KZ Ravensbrück überlebte.

Ihr Name ist es auch gewesen, der vor mehr als fünf Jahren in einem Straßennamenpool aufgenommen wurde, so wie es sich das Forum Lesben-, Schwulen- und Trans*-Gruppen gewünscht hatte. Erst vor kurzem sollen Politiker noch mal Rücksprache gehalten haben mit den Sprechern des Forums, Gabriele Bischoff und Christian Naumann. Weil Namen für zwei Straßen im Grand Central noch vergeben werden sollen.

Umso verwunderter waren Bischoff und Naumann über die Beschlussvorlage, die in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung 3 am Donnerstag, 5. Juli, abgestimmt werden soll. Man hatte ihnen andere Signale gegeben, „zumal mehr Straßen in der Stadt nach Frauen benannt werden sollen“, sagt Naumann.

Stattdessen sollen die beiden Planstraßen mit den Nummern 3349 und 3350 im Grand Central Palermo- und Readingstraße heißen, wenn es nach der Verwaltung geht. Um Düsseldorfs Charakter als „weltoffene und dynamische Metropole“ hervorzuheben. „Dabei besteht die Städtepartnerschaft mit Palermo erst seit einem Jahr“, meint Naumann, der grundsätzlich nichts gegen die Idee hat, Straßen nach den Partnerstädten zu benennen, der aber fürchtet, dass es lange dauern wird, bis in Oberbilk wieder Namen für Straßen vergeben werden.

Grüne haben eine Idee für einen Kompromiss

Deswegen haben Bischoff und Naumann einen Brief geschrieben, an die Politiker des zuständigen Gremiums. Einer, der sofort reagiert hat, war Dietmar Wolf von den Grünen, der einen Änderungsantrag in die Sitzung einbringen will. Der Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Norbert Czerwinski, hatte eine Idee, die sowohl die Widerstandskämpferin, als auch die Städtepartnerschaft – zumindest mit Reading – vereint. „Wir beantragen, die beiden Planstraßen nach Cilly Helten und Phoebe Cusden zu benennen“, sagt Wolf.

Cusden war nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeisterin von Reading. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, „die damals ungeliebte Idee einer britisch-deutschen Städtepartnerschaft durchzusetzen. Hier gilt es den Mut dieser Frau zu ehren, die dafür nicht nur Beifall erhielt“, sagt Czerwinski.

„Die Vorlage widerstrebt allem, was vorbesprochen war“, meint Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD), der entspannt auf die Sitzung am Donnerstag schaut, „wir müssen nichts überstürzen“, sagt er. Die Bagger rollen gerade, bis es aber wirklich zur Adressvergabe kommt, dauert es noch eine ganze Weile.

„Es gibt einen berechtigten Wunsch, mehr Straßen nach Frauen zu benennen“, sagt Siegesmund, der sich vorstellen kann, die Straßen im Grand Central einem bestimmten Thema zu unterstellen – zum Beispiel „Starke Düsseldorferinnen der Vergangenheit“. Ob Cilly Helten dann dabei sein wird, da will sich der Bezirksbürgermeister nicht festlegen.