Düsseldorf: Nachts trödeln und etwas Gutes tun

Düsseldorf : Nachts trödeln und etwas Gutes tun

Mit dem Nachttrödelmarkt in Oberbilk setzt sich der konsumkritische Verein Niemandsland für Nachhaltigkeit ein. Es gab sogar Kleidung und Spielzeug, das gratis mitgenommen werden konnte.

Es war kein normaler Trödel. Keine Menschenmassen, keine überfüllten Stände, kein zum Trödelmarkt umfunktionierter Parkplatz. Vielmehr war es eine Mischung aus gemütlicher Zeltplatz-Atmosphäre und Nachbarschaftstreffen.

Der Nachttrödelmarkt auf dem Gelände des Niemandsland an der Heerstraße zog am Samstag viele Neugierige an, die vom stressigen Weihnachtsmarkt-Trubel genug hatten. Im Innenhof brannte ein Lagerfeuer, an dem sich eine Handvoll Leute versammelten und plauderten. Rund herum die Gebäude, Scheunen und Hallen des Vereins, in denen die Trödler ihre Stände aufgebaut hatten.

Im Erdgeschoss des größten Gebäudes wurden Getränke und Speisen ausgeteilt. "Alles bio", wie Florian Ophey, einer der Initiatoren des Nachttrödels versichert. Über eine schmale Holztreppe, wie man sie in alten Bauernhäusern findet, gelangte man auf den ausgebauten Dachboden. "Der Dachstuhl wurde vom Eigentümer aufwendig saniert", sagt Aike Ulrich, Mitglied im Vorstand von Niemandsland.

Verkauft wurde dort viel handverarbeitetes Holz und andere handgemachten Dinge. Kein Zufall, denn genau darauf legt der Verein Wert. "Wir wollen möglichst viel recyceln und wieder in einen Kreislauf überführen", meint Ulrich. Tatsächlich findet man auf dem Gelände bei genauerer Betrachtung viel Altes, welches nun eine neue Funktion bekommen hat. Baumstämme wurden Teil des Fußbodens oder von Tischen. Aus alten Obstkisten wurde ein ansehnlicher Flyerstand.

An anderer Stelle, in einem Nebengebäude, befindet sich der Umsonstladen. "Dort können Second-Hand-Sachen wie Kleidung, Spielzeug und vieles mehr, umsonst mitgenommen werden", sagt Aike Ulrich, der damit auf einen weiteren Schwerpunkt des Vereins hinweist. Auch dies trage dazu bei, dass möglichst viel im Kreislauf bleibe und nichts verschwendet werde. "Die Sachen sind alle noch zu gebrauchen. Anderswo würden sie vermutlich einfach weggeworfen", ergänzt er.

Die Idee hinter einem Trödelmarkt passe in dieses Konzept genau herein. "Alte Dinge finden hier einen neuen Abnehmer, deshalb passt der Nachttrödel genau zu dem, was wir als Verein vertreten." Aber nicht nur Altes fand dort noch einen neuen Besitzer. Auch vieles an Selbstgemachtem wurde angeboten. In einer Halle neben dem Umsonstladen boten Trödler selbstgemachte Konfitüren oder selbstgenähte Kleidung an.

Dass der erste vom Verein veranstaltete Nachttrödel ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit stattfand, war laut Florian Ophey kein Zufall. "Wir verstehen uns als konsumkritischer Verein und lehnen den um Weihnachten angeheizten Konsumzwang ab." Vielmehr sollten die Dinge nachhaltig verwendet werden, anstatt sie neu anzuschaffen. "Das Meiste, was Weihnachten unter dem Baum liegt, landet am Ende entweder auf dem Müll oder im Keller", ergänzt er.

Es fände ferner eine immer größere Verrückung von Gemeinschaft zu Habschaft statt. Zumindest auf dem Vereinsgelände war am Samstag etwas anderes zu beobachten. Die Besucher und Trödler saßen beisammen und unterhielten sich. Im Eingangsbereich lud ein Haus zum Verweilen ein. Dort fanden sich viele Dinge, denen die Mitglieder des Vereins in Handarbeit eine neue Funktion gaben.

Auch der erst kürzlich an den Verein verliehenen Umweltpreis der Stadt findet sich dort. Oberbürgermeister Thomas Geisel persönlich überreichte in der vergangenen Woche den mit 2500 Euro dotierten Preis, der besondere Leistungen zur Vermeidung von Abfällen auszeichnete. Die Erlöse des Marktes kamen dann dem Verein zu Gute. "Wir rechnen aber eher mit einem Plus-Minus-Null", meint Ophey abschließend.

(RP)
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