Oberbilk: Mit einer Denkfabrik in die Zukunft

Oberbilk: Mit einer Denkfabrik in die Zukunft

Der Sankt-Sebastianus-Schützenverein Oberbilk möchte sich verändern. Dafür wurden bereits 400 Gespräche mit Mitgliedern geführt.

Viele Düsseldorfer Schützenvereine kämpfen seit Jahren mit rückläufigen Mitgliederzahlen. Durch seine großstädtische Lage in Oberbilk ist der Sankt-Sebastianus-Schützenverein davon besonders betroffen. "Es musste etwas passieren", sagt Stefan Schmitz, zweiter Geschäftsführer des Vereins. So wurde im vergangenen Sommer eine Denkfabrik ins Leben gerufen, um das Schützenwesen in Oberbilk zu modernisieren.

Zunächst sollen sich die Veränderungen auf das Schützenfest beschränken, da der Schützenverein dort am sichtbarsten sei. "Wir können nicht alles auf einmal ändern", berichtet Torsten Petersen, Pressesprecher der Oberbilker Schützen. Denn der Weg in die Moderne ist mitunter ein schwieriger Drahtseilakt zwischen Bewahrung alter Traditionen und Veränderung. Aus diesem Grund war es dem Vorstand wichtig, alle Mitglieder in den Veränderungsprozess zu integrieren. "Wir wollten nicht von oben herab diktieren", sagt Sascha Schmitz. In Folge dessen hat der Vorstand in den vergangenen Monaten rund 400 Gespräche den Mitgliedern der einzelnen Kompanien in den vergangenen Monaten geführt, um Optimierungsbedarf auszumachen. Dabei ging es jedoch nicht um die Frage, was falsch laufe, sondern um einzelne Wünsche für die Zukunft des Festes. "Wir haben unsere Mitglieder zunächst gefragt, was ihr schönstes Erlebnis als Schütze war", sagt Torsten Petersen.

Das Ergebnis der Befragungen sind vier Felder, in denen der Verein an den Stellschrauben des Schützenfestes drehen möchte: Schützenplatz und Schützenzelt, Programm und Ablauf, Jugend und Nachwuchs sowie Kameradschaft und Tradition. Auch dabei setzt der Verein auf eine Beteiligung seiner Basis: Für jeden der genannten Aspekte wurde ein eigener Arbeitskreis gegründet, in denen jeweils Vereinsmitglieder sowie ein Stellvertreter aus dem Vorstand in den kommenden Wochen konkrete Ideen zur Veränderung erarbeiten. Aus Sicht des Vereins zahlt sich der basisdemokratische Prozess aus. "Wir sehen, dass sich unsere Mitglieder hochmotiviert an dem Prozess beteiligen", sagt Schmitz.

Das ist auch notwendig, denn der Weg in die Moderne ist nicht leicht. Insbesondere das Rekrutieren von Nachwuchs ist eine große Herausforderung. Die meisten jungen Mitglieder sind durch die Tradition ihrer Familien in den Verein gekommen. Kinder und Jugendliche abseits dieser Familien kommen nur selten mit dem Schützentum in Berührung. So soll die entsprechende Arbeitsgruppe Ideen ausarbeiten, wie das Schützenfest durch Angebote für Kinder und Familien auch für Jüngere ansprechender wird. Doch unabhängig von den Resultaten: Es werden sich nicht alle Änderungen schon im kommenden Jahr umsetzen lassen. "Die Planungen für nächstes Jahr sind schon im Gange, da wir zum Beispiel mit der Buchung von Künstlern nicht zu lange warten können", erklärt Torsten Petersen. Das liegt nicht zuletzt an dem Umstand, dass der Verein im kommenden Jahr sein 170-jähriges Bestehen und somit ein besonderes Fest feiern wird.

Doch auch wenn die Modernisierung des Oberbilker Schützenwesens nicht von heute auf morgen vonstattengeht, nimmt der Verein in Düsseldorf eine Vorreiterrolle ein. "Wir werden von vielen lokalen Schützenvereinen nach unserer Denkfabrik gefragt und aufmerksam beobachtet", berichtet Sascha Schmitz. Im kommenden Frühjahr bei der Generalversammlung sollen konkrete Ergebnisse präsentiert werden. Dann wird sich zeigen, wie sich die Oberbilker Schützen ihre Zukunft vorstellen und wie sich diese mit der 170-jährigen Tradition des Vereins vereinbaren lässt.

(RP)