Bürgerstammtisch Oberbilk : Am Stammtisch Brücken bauen

Der Bürgerverein Oberbilk lädt zu regelmäßigen Treffen ein. Die Anwohner gehen gerne hin, denn es geht um Themen, die viele Oberbilker bewegen: Abfall, fehlende Parkplätze und natürlich der RRX.

Einmal im Monat lädt der Oberbilker Bürgerverein zum Stammtisch ins Uerige am Markt ein. Dort tauschen sich Mitglieder und Anwohner über Sorgen und Ideen im Hinblick auf ihren Stadtteil aus. Denn Gesprächsstoff gibt es im internationalen Oberbilk genug.

125-jähriges Jubiläum feiert der Oberbilker Bürgerverein im kommenden Jahr. Deshalb gibt es für die Anfang des Jahres neu gewählte Vorsitzende Katja Goldberg-Hammon viel zu tun. Einerseits wegen der geplanten Jubiläumsveranstaltungen. Andererseits aber auch in Hinblick auf das städtische Leben in Oberbilk, wo es traditionsreiche Institutionen wie der Bürgerverein zunehmend schwer haben.

Das lässt sich auch am Stammtisch des Bürgervereins erkennen. Denn während Oberbilk als äußerst internationaler Ort gilt, zeigt sich dieses Miteinander im Bürgerverein weniger. Ein Umstand, den die Mitglieder gerne ändern würden. „Jeder, der an Oberbilk interessiert ist, ist bei uns herzlich eingeladen“, sagt Katja Goldberg-Hammon. Doch solche Einladungen allein reichen für ein Zusammenkommen meist nicht aus, das weiß Goldberg-Hammon. Deshalb hat sich die Vorsitzende für ihre Arbeit „Brücken bauen“ als leitendes Motto auf die Fahnen geschrieben, um eben jene Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die sonst keine Berührungspunkte mit dem Bürgerverein haben.

Infolgedessen haben die Mitglieder des Vereins vor einigen Wochen die Moschee an der Oberbilker Allee beim Fastenbrechen während des Ramadan besucht. Mit Erfolg, wie Vorstandsmitglied Sibylle Fuchs berichtet: „Wir wurden dort sehr offen und herzlich von den Menschen empfangen.“ Ein Ausflug, den die Mitglieder gerne wiederholen würden, wofür jedoch in den anderen Institutionen laut Katja Goldberg-Hammon nicht immer auch die Bereitschaft bestehe: „Leider sind nicht alle so offen“, sagt sie, sodass ihr Projekt „Brücken bauen“ in interkultureller Hinsicht noch viele Herausforderungen beinhaltet. Ziel sei es, die Internationalität von Oberbilk langfristig auch am Stammtisch abzubilden.

Brücken sollen aber auch auf institutioneller Ebene entstehen. So lädt der Bürgerverein regelmäßig Gäste zum Stammtisch ein, die dort über sich und ihre Arbeit informieren. Zuletzt war dort beispielsweise Antonietta Zeoli, Schulleiterin des neuen Gymnasiums an der Schmiedestraße, zu Gast, die über die weitere Entwicklung an der noch jungen Schule informierte. Abseits dieser Vorträge geht es jedoch meist um das jüngste Geschehen im Stadtteil, wo es immer genug Gesprächsthemen gibt.

Rund zwei Drittel der Stammtischgäste sind Mitglieder, vereinzelt kommen aber auch andere Anwohner zu den Treffen. Unter ihnen ist Barbara Herrmann, die das Engagement des Vereins schätzt. Häufig hört sie von Problemen von Anwohnern, doch fehle vielen die Bereitschaft, etwas zu ändern. „Wenn keiner aufsteht und etwas sagt, ändert sich nichts“, sagt sie. So wird beim Stammtisch über Abfall oder Parkplatzmangel gesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Das können konkrete Ideen zur Verbesserung sein, aber auch das Weiterleiten an einen passenden Ansprechpartner für die Situation. Auch der RRX ist oft Thema.

Aber es geht nicht nur um Probleme, sondern auch um Ideen zur Entwicklung des Stadtteils. Viele stören sich am negativen Image von Oberbilk als Problemviertel. „Multi-Kulti ist eine Stärke“, sagt Katja Goldberg-Hammon. Durch seine Internationalität ergebe sich eine positive Dynamik, die man gerne auch im Image wiederfinden würde: „Hier ist immer etwas los“, sagt Goldberg-Hammon. Einzig das Miteinander der Akteure sei noch ausbaufähig, doch genau dieser Herausforderung will sich der Bürgerverein verstärkt annehmen.