Oberbilk: Eine Chefin für die Zukunft

Oberbilk: Eine Chefin für die Zukunft

Katja Goldberg-Hammon ist in der fast 125-jährigen Vereinsgeschichte die erste Frau an der Spitze des Oberbilker Bürgervereins.

Viele Einträge gibt es noch nicht auf der Facebook-Seite des Vereins, fünf Personen haben bisher auf den Gefällt-mir-Knopf gedrückt. Eine Einladung zum Stammtisch wurde gepostet, ein kleiner Artikel der Rheinischen Post verlinkt. Ein Wunder ist das nicht: Erst ein paar Tage ist die Seite alt, eine Homepage wird gerade noch erstellt. Dabei blickt der Oberbilker Bürgerverein auf eine lange Geschichte zurück, vor 124 Jahren wurde er gegründet, von Handwerkern und Gewerbetreibenden, die die soziale Not in der Zeit der Industrialisierung erkannt hatten und die Menschen im Stadtteil unterstützen wollten.

Dass sich jetzt etwas ändert im Bürgerverein, liegt vor allem an der neuen Vorsitzenden Katja Goldberg-Hammon. Die 39-Jährige wurde am 18. Januar gewählt, ein bisschen moderner will sie den Verein gestalten . "Ehrlicherweise haben wir nicht so viele junge Mitglieder", sagt Goldberg-Hammon, die in der fast 125-jährigen Vereinsgeschichte die erste Frau an der Spitze ist. Bekannter will sie die Arbeit und den Bürgerverein selbst machen, zum Beispiel über die sozialen Medien. Aktionen wie Infoveranstaltungen zum RRX oder zu Bauprojekten im Stadtteil sollen in den Abend gelegt werden, damit auch Berufstätige teilnehmen können. Zu gut weiß Katja Goldberg-Hammon, wie knapp bemessen die Zeit doch sein kann, wenn man arbeitet.

Sie selbst ist 30 Stunden in der Woche im Büro beim SPD-Landesverband NRW, sitzt als Sozialdemokratin für Oberbilk im Stadtrat. Ihre große Tochter ist vergangenes Jahr aufs Gymnasium gekommen. "Sie ist schon sehr selbstständig", sagt Goldberg-Hammon. Die kleine Schwester (2) hat nicht so viel von der Mama, "manchmal verdreht mein Mann die Augen, wenn ich abends wieder am PC sitze", erzählt die 39-Jährige, die ein bisschen Bedenkzeit brauchte, bevor sie zur Wahl antrat. Denn Familie, Beruf, Partei und den Vorsitz eines Vereins unter einen Hut zu bringen, das ist schon eine Herausforderung. Schließlich hat sie sich aber für das Amt entschieden, "das Team ist toll, die Chemie stimmt und alle helfen sich gegenseitig".

Wenn Katja Goldberg-Hammon erzählt - von ihrem Ehrenamt, ihrer Familie und ihrem Leben - klingt alles so leicht. Manchmal ist das so, manchmal nicht. Aber sie macht es gern, und sie hat ein gutes Netzwerk, in dem Mutter und Schwiegermutter aushelfen, ihr Ehemann sie unterstützt. Kinder, Haushalt, Einkäufe - "wir gehen gerne zusammen einkaufen", sagt Goldberg-Hammon, "schaffen es aber nicht immer." Oft springt einer in den Supermarkt rein und bringt die fehlenden Sachen mit.

  • Name und nachricht : Katja Goldberg-Hammon
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Zur Ruhe kommt die gebürtige Derendorferin, die in Wersten aufgewachsen ist und seit fast 20 Jahren in Oberbilk lebt, selten. Sie ist ein Tausendsassa. Sie findet sogar noch Zeit für einen Kleingarten im Volksgarten, den sie bei gutem Wetter mit Mann und Kindern bepflanzt. Ein bisschen ist das aber auch Entspannung, raus in die Natur, ins Grüne. Telefon oder Computer gibt es nicht. "Und die Smartphone-Nutzung wird beschränkt", erzählt die 39-Jährige, die der Liebe wegen nach Oberbilk gezogen und mit der Liebe geblieben ist. "Auch wenn der Begriff abgedroschen ist, ich mag dieses Multikulti hier", sagt Katja Goldberg-Hammon, "das Zusammenleben ist spannend."

Diese verschiedenen Menschen will sie zusammenbringen, zum Beispiel beim Stammtisch des Bürgervereins - Alteingesessene und Neuzugezogene, "vielleicht können wir mal wieder ein Sommerfest organisieren oder zum Poetry Slam einladen", sagt die Vorsitzende des Bürgervereins, die viele neue Ideen hat, aber auch auf Traditionen setzt. Tolle Arbeit hat der Ehrenvorsitzende Raimund Klingner gemacht, "er hat den Verein immer zusammengehalten", sagt Goldberg-Hammon.

Natürlich wird auch unter der neuen Chefin wieder ein Weihnachtsbaum aufgestellt, der Martinszug organisiert, zum Neujahrsempfang eingeladen. Und Katja Goldberg-Hammon will sich weiter einsetzen, für die Menschen, für den Stadtteil, sich einmischen, ganz gleich, ob es um die Gaslaternen geht oder die gestiegenen Mietpreise - strikt getrennt von der Parteiarbeit, wie die 39-Jährige betont. "Der Bürgerverein ist für alle Oberbilker da."

(RP)