Oberbilk: Ein Raum für Begegnungen

Oberbilk: Ein Raum für Begegnungen

Ungezwungen sollen die Treffen des Vereins "Königinnen und Helden" sein. Ob Nähen, Kochen oder Kunst - die Frauen entscheiden, was sie an den Freitagen zusammen unternehmen wollen.

Seit einigen Jahren organisiert der Oberbilker Verein "Königinnen und Helden" Kunst- und Kulturprojekte für Kinder des Stadtteils. Mit einem Weltfrauentreff startet heute erstmals ein Angebot, das sich an Frauen richtet. Ziel ist es, Berührungsängste zwischen den verschiedenen Kulturkreisen Oberbilks abzubauen.

Während Kinder durch Schule und Kindergarten automatisch in Kontakt mit anderen Kulturen kommen, sieht das bei den Müttern meist anders aus. Dort bleibt man häufig im eigenen Kulturkreis stecken, unabhängig vom etwaigen Migrationshintergrund. Das möchte Andrea Abbing, Gründerin des Oberbilker Vereins "Königinnen und Helden", gerne ändern und hat deshalb einen Weltfrauentreff unter dem Namen "Frieda" ins Leben gerufen. Dort soll an jedem Freitag außerhalb der Schulferien an der Siemensstraße ein geschützter Raum für kulturübergreifende Begegnungen geboten werden.

"Berührungsängste gibt es auf beiden Seiten, sowohl bei deutschen Frauen als auch bei Frauen mit Migrationshintergrund", sagt sie. Gründe seien häufig sprachliche Barrieren aber auch fehlende Kontakte miteinander. Aus Gesprächen mit vielen Frauen wisse sie aber, dass durchaus Bedarf besteht, einander kennenzulernen. "Deshalb wollen wir Begegnungen in einer geschützten und ungezwungenen Atmosphäre ermöglichen", so Abbing.

Ungezwungenheit gilt dabei auch für das Programm der jeweiligen Treffen. Anstelle eines festen Tagesplans sollen die Frauen im Miteinander entscheiden, was sie jeweils zusammen machen wollen. Egal, ob es sich dabei um gemeinsames Kochen oder Nähen oder etwas ganz anderes wie Kunst handelt. Wichtig sei die freie Entfaltung der Teilnehmerinnen: "Es geht auch darum, die eigenen Interessen besser wahrzunehmen" sagt Andrea Abbing. Einzig ein Programmpunkt ist obligatorisch: ein gemeinsames Frühstück zu Beginn, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Damit keine Sprachbarrieren im Weg stehen, wird Abbing von einer Ehrenamtlerin mit Arabischkenntnissen unterstützt, die bei Verständigungsproblemen übersetzen kann.

Auf eine Anmeldung verzichtet der Verein, regelmäßig teilnehmen muss niemand. Wer mag, kann vorbeikommen. Treffpunkt ist ab acht Uhr morgens, wenn Kita und Schule begonnen haben. Neben der Vernetzung mit anderen Frauen lernen die Mütter so auch den Verein kennen, was für die Projekte des Vereins mit Kindern von großem Nutzen ist. "Wer die Kinder erreichen will, muss die Eltern mit ins Boot holen", sagt Abbing.

Finanziell wird der Weltfrauentreff "Frieda" vom Erzbistum Köln unterstützt. Einfluss nimmt die Kirche aber keinen auf das Projekt, da Abbing die Neutralität der Veranstaltung wichtig ist. Zudem begleitet das städtische Integrationsamt den Treff in beratender Funktion. Vorerst ist das Projekt bis Jahresende angesetzt. Je nach Zuspruch und finanziellen Mitteln kann es aber fortgesetzt werden. Für Andrea Abbing wäre der größte Erfolg, die Begegnungen auch außerhalb der Vereinsräume fortzusetzen. "Es wäre schön, wenn unsere Teilnehmerinnen auch auf der Straße miteinander ins Gespräch kämen."

(RP)