Düsseldorf: Zwischen Feierlaune und Feierwahn

Die Stadtteile in Düsseldorf : Zwischen Feierlaune und Feierwahn

Zwischen dem letzten Sommerferientag und den herbstferien ist so viel los, dass sich manche Veranstaltungen Besucher wegnehmen.

OBERBILK Dass viel los ist an den Wochenenden zwischen dem letzten Sommerferientag und dem Start der Herbstferien, das wusste Martina Pophal, als sie einen Termin für ihr internationales Sommer-Familien-Fest am Oberbilker Markt suchte. Dass gleich drei Veranstaltungen an dem Wochenende im September allein in Oberbilk stattfinden, das hatte Pophal nicht auf dem Schirm. „Von der Markenstraße wussten wir bis zum Schluss nichts“, sagt Pophal, die überzeugt ist, dass man sich besser abstimmen könnte mit Vereinen und Organisatoren aus der Nachbarschaft, „das Demokratiefest war für uns schon Konkurrenz, auch wenn es gut lief bei uns“. Absprachen aber seien nicht immer so leicht, weil sie zeitaufwendig sind. Ein anderer Termin wäre die Alternative gewesen, doch vor den Sommerferien sind die Kalender in den Stadtteilen mindestens genauso voll.

Gerade in einer Großstadt wie Düsseldorf kann es doch nie genug Auswahl geben, kann es nie langweilig werden, darf es nie langweilig werden. Oder? Muss man die Feste wirklich feiern, wie sie fallen? Vor allem die, die auch an einem anderen Tag gefeiert werden könnten? In den Sommerferien zum Beispiel? Dann aber will kaum jemand eine Veranstaltung anmelden, aus Angst, zu viele sind verreist. Stattdessen fallen Benderstraßenfest, Gumbertstraßenfest und Schwerinstraßenfest (7. und 8. September) auf dasselbe Wochenende. Feste, die ein ähnliches Publikum ansprechen, weil sie ähnlich sind, organisiert von den Händlergemeinschaften der Straßen, die ein Programm auf die Beine gestellt haben mit Musik und Kultur, ein Programm, bei dem Kinder ihren Spaß haben und Senioren auch, die ganze Familie eben. So wie es auch die Schützen geplant haben in Volmerswerth und Angermund für das Wochenende 7. und 8. September, der Heimatverein Derendorfer Jonges beim Familienfest an der Buscher Mühle, das Tanzhaus für das Nachbarschaftsfest und das Zakk für sein Straßenfest.

Und wer immer noch nicht genug hatte, für den ging es eine Woche später zum Weltkindertag und Wildparkfest, zur Nacht der Wissenschaft, Tag der Bildung, zum Hundeschwimmen in Lörick. Im Kalender standen auch noch das Unterrather Schützenfest, der Lese-Spaziergang durch den Hofgarten und der Rhine Clean-up. Viel Auswahl, die schön sein kann, aber die es nicht sein muss, wenn man bei dem ganzen Angebot schlicht nicht weiß, wo man hin soll. „Vielleicht sollten wir es wagen, in die Sommerferien zu gehen“, sagt Martina Pophal, die an die Afrika-Tage im Freizeitpark Ulenberg denkt, das Fest war gut besucht, „vielleicht auch, weil Ferien waren“.

Jürgen Hagendorn, Vorsitzender der Werbegemeinschaft in Eller, sieht kein Problem in den Überschneidungen. Dass das Gumbertstraßenfest und das Fest auf der Benderstraße auf dasselbe Wochenende fielen, sei eine Ausnahme gewesen. „Wir sind immer am zweiten Sonntag im September dran, Gerresheim am ersten Samstag im Monat“, sagt Hagendorn, der überzeugt ist, dass sich die Organisatoren nichts kaputtmachen. Im Gegenteil: „In Eller war auch noch das Herbstfestival auf Schloss Eller“, sagt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft. „Da haben wir uns einfach gegenseitig beworben.“

Auch auf dem Gertrudisplatz wurde gefeiert, beim Gumbertstraßenfest. . Foto: Endermann, Andreas (end)
Außerdem fand am ersten September-Wochenende in Flingern das Musik- und Kinderspielfest statt. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Parallel zum Fest auf dem Oberbilker Markt gab es zwei weitere Events im Stadtteil. . Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Die Händler von der Schwerinstraße luden für das zweite September-Wochenende ein. Foto: Endermann, Andreas (end)
Das Benderstraßenfest wurde am Wochenende vom 7. und 8. September gefeiert. Foto: Endermann, Andreas (end)

Wer in den Kalender schaut, der merkt, dass so langsam weniger los ist in den Stadtteilen. Die Schützen sind durch, die Karnevalisten brauchen noch nicht ran, draußen passiert nicht mehr viel, dafür ist das Wetter wohl zu schlecht. Dass der Herbst aber auch schöne Tage haben kann – auch wenn es im Moment nicht danach aussieht –, das bedenken viele nicht. Stattdessen setzen sie darauf, dass schon genug Leute kommen zu ihren Festen. Und die Besucher schwanken irgendwo zwischen Feierlaune und Feierwahn. Dass sowas auch nach hinten losgehen kann, hat die Werbegemeinschaft Eller vor zwei Jahren mit ihrem Weihnachtsmarkt erlebt, den sie ganz kurzfristig absagen musste. In der Adventszeit geht es nämlich wieder los, dann knubbeln sich die Events in den Stadtteilen. Vor allem die Weihnachtsmärkte, die in den Außenbezirken meist auf das gleiche Wochenende fallen – weil viele Händler damit den verkaufsoffenen Sonntag verbinden. Ein Grund für die Absage damals in Eller war die große Konkurrenz, weil unter anderem auch in Benrath und Gerresheim Weihnachtsmärkte aufgebaut wurden.

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