Düsseldorf: Oberbilker entstauben das Schützenimage

Schützenbruderschaft in Düsseldorf : Oberbilker erklären ihr Brauchtum auf Youtube

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft war mit ihrem „neuen“ Schützenfest rundum zufrieden.

Der kleine Umzug des St. Sebastianus Schützenvereins Oberbilk vom Hochamt in der St. Josefs-Kirche zum „Großen Zapfenstreich“ auf dem Oberbilker Markt war eine völlig entspannte Angelegenheit. Nachdem die Polizei den kurzen Zugweg abgesperrt hatte, ruhte der Straßenverkehr für wenige Minuten. Das war wohl auch einer der Gründe für das rundum positive Urteil des neuen Schützenchefs Torsten Petersen.

„Wir wollen uns vermehrt zeigen. Zeigen, dass wir offen sind, niemanden ausschließen. Da kam uns die Idee, den Zapfenstreich erstmals auf dem großen Oberbilker Markt abzuhalten“, erläutert Petersen. „Wir waren alle aufgeregt, ob es auch klappt, ob überhaupt jemand kommt, ob Autoverkehr oder Straßenbahn stören. In meiner Wahrnehmung war der Platz gut gefüllt, es hat alles sehr gut funktioniert und ist gut angekommen.“ Peter­sen und sein Stellvertreter Ulli Köppen sind seit ein paar Monaten das Führungsduo der Oberbilker Schützen. Seitdem ist eine kleine „Zeitenwende“ initiiert worden. „Das Image von Schützen ist ja nicht immer das beste. Ich verstehe, dass viele vor braunen Uniformen zurückschrecken. Deshalb ist die große Frage: Wie kriegen wir es hin, klarzumachen, wofür wir stehen? Und das hat ja mit Militarismus oder Nationalismus nichts zu tun“, sagt Petersen. Er setzt auf Modernisierung. „Wir stellen uns zeitgemäß auf, ohne die alten Strukturen komplett zu verlieren“, verrät Petersen. So haben die Oberbilker bereits Erklärvideos auf Youtube gepostet, sind auf Facebook sehr aktiv, bedienen also die sozialen Medien, wo es nur geht und sind das ganze Jahr über sozial aktiv. „In den sozialen Medien aktiv zu sein, reicht nicht. Der Inhalt muss auch stimmen und das bezieht sich auch auf den Verein“, konstatiert Peter­sen. „Wir entstauben das Schützen­image, fegen und wischen auch noch durch.“

So gab es nach 170 Jahren zuletzt auch einen Wechsel in den herkömmlichen Geschlechterrollen. Mit Yvonne Kaffke holte erstmals eine Frau den Schützenkönig(innen)-Titel. „Vor sechs Jahren war mein Mann König, jetzt haben wir die Rollen getauscht“, sagt Kaffke. „Es war ja auch an der Zeit, dass eine Frau den Vogel abschießt.“ Sie weiß, dass sie damit in Oberbilk Historisches geleistet hat und auf ewig in den Geschichtsbüchern stehen wird.

Die Öffnung des Schützenwesens im ehemaligen Arbeiterstadtteil ist in vollem Gange. Seit zwei Jahren können auch Frauen Vollmitglieder sein und „König“ werden, seit dem 1. August ist das Amazonencorps mittendrin und war auch beim Zapfenstreich auf dem Oberbilker Markt dabei. Und die Schützen, die ja einen christlichen Hintergrund haben, sind für alle Konfessionen offen. „Sehr gerne sogar. Von unserer Seite war auch nie einer dagegen, Menschen aus anderen Konfessionen aufzunehmen“, bestätigt Schützenchef Torsten Petersen im Gespräch mit unserer Redaktion

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