Düsseldorf-Oberbilk: Rundgang durch das Maghreb-Viertel

Oberbilk : Zwischen Baklava und Bolzplatz

Das Maghreb-Viertel genießt nicht das beste Ansehen. Zu Unrecht, findet der Polizist Dirk Sauerborn. Er hat zu einem Rundgang durch das Maghreb-Viertel eingeladen.

Dort, wo heute Pappeln die Mitte der Eisenstraße flankieren, lagen früher Eisenbahnschienen. Noch vor dem ersten Anwerbeabkommen wohnten Stahlarbeiter aus ganz Deutschland in dem bahnhofsnahen Stadtteil. „Oberbilk kann Integration“, sagt Dirk Sauerborn, der im Schatten unter den großen Pappeln seinen Spaziergang durch ein Viertel beginnt, das er als Kontaktbeamter für muslimische Institutionen kennt wie kein zweiter. Nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Geschichte. „Mit Integration hat der Stadtteil jahrzehntelange Erfahrung.“

Die erste Station des fast zweistündigen Spaziergangs liegt an der Ellerstraße, wo sich das Islamische Bestattungsinstitut NRW befindet. Der Bestatter El Founti ist tagtäglich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert: Die islamischen Rituale sehen vor, dass ein Leichnam nach dem Tod binnen 24 Stunden beigesetzt wird. „Auf deutschen Friedhöfen sind Beisetzungen oft nur bis 14 Uhr möglich, sonntags überhaupt nicht“, sagt El Founti. „Der muslimische Friedhof, der in Wuppertal geplant ist, würde uns die Arbeit erleichtern.“ Einige Meter weiter, auf der Linienstraße, befindet sich der Nador-Markt. In seinen Regalen stapeln sich nordafrikanische Produkte, die Fleischtheke ist zu 100 Prozent halal und die eigene Bäckerei lockt mit frischen Baklava. Unangefochtener Verkaufsschlager: die frische Pfefferminze. „20 Flugzeugladungen werden hier jeden Morgen frisch angeliefert“, scherzt Sauerborn.

Nach einem erfrischenden Stück Wassermelone geht es vom Nador-Markt weiter zum Lessingplatz. Dort arbeitet der Streetworker Franco Clemens. „Anfangs dominierten Drogen und Gewalt den Platz“, erzählt Clemens, der Tanktop, Jogginghose und Bauchtasche trägt. Um ihn herum tummeln sich Jugendliche, die am Bolzplatz ihren Nachmittag verbringen. „Wir betreiben hier keine Vertreibungspolitik, sondern begegnen den Problemen mit konfrontativer Pädagogik“, berichtet Clemens. Doch er ist sich auch der Grenzen seiner Arbeit bewusst. „Streetwork ist kein Allheilmittel. Deshalb arbeiten wir eng mit der Polizei und dem Ordnungsamt zusammen.“ An der Stirnseite des Lessingplatzes, in einer Altbauwohnung auf der Siemensstraße, sitzt der Kunst- und Kulturverein „Königinnen und Helden“. Dort basteln Kinder gerade Requisiten für das anstehende Zirkusfest. „Wir unterstützen durch Kunstprojekte die Kinder im Stadtteil“, sagt die Vereinsvorsitzende Andrea Abbing.

Die nächste Station des Spaziergangs befindet sich streng genommen in Friedrichstadt, ist aber untrennbarer Bestandteil der Oberbilker Kultur: die Marokkanisch-Islamische Moschee in einem Hinterhof an der Mintropstraße. Auf dem blauen Teppichboden des Männerraums sind Männer wie Frauen willkommen, auch mit offenen Haaren und nackten Schultern, dafür aber ohne Schuhe. Die Gemeinde ist in den letzten Jahren so stark gewachsen, dass das Freitagsgebet zwei Mal hintereinander abgehalten werden muss – mit jeweils 400 Teilnehmern. „In unseren Bildungsräumen finden auch Deutsch- und Arabisch-Kurse statt“, erzählt Jawad El Boujddaini aus dem Vorstand der Gemeinde. „Außerdem bieten wir Koranunterricht für alle Altersgruppen an.“ Wenige Meter entfernt liegt der letzte Stopp der Tour, das Hamam Sahara Wellness. Der Duft von ätherischen Ölen strömt in den Vorraum des Bades, arabische Ornamente zieren die Wände. Mittwochs und samstags können Männer im traditionellen orientalischen Dampfbad entspannen, die restlichen Tage sind für Frauen reserviert. Am Ende des Spaziergangs ist klar: Im Maghreb-Viertel gibt es noch viel mehr zu entdecken. „Man muss genau hinsehen und sich auf die fremden Welten einlassen“, sagt Sauerborn. „Dabei gilt, anfängliches Unwohlsein und Ängste zu überwinden. Dahinter wartet eine Wohlfühlatmosphäre.“

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