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Düsseldorf-Oberbilk: Jecke feiern bei die Lachende in Mitsubishi Electric Halle

Karneval in Düsseldorf : Zwischen Alt, Kölsch und Käsewürfeln

Brings, Bläck Fööss und Kasalla rockten „Die Lachende“, und Tausende Jecke feierten eine große Karnevals-Picknick-Sause.

Zwischen Zebras, Glühwürmchen und Retrosportlern stehen Kühltaschen, Rollkoffer, Fässchen mit Alt und Kölsch. Schüsseln sind gefüllt mit Chips, Erdnüssen, Käsewürfeln, Frikadellen und Fleischwurst. Eiswürfel landen im Prosecco der Zebras aus Düsseldorf. Die haben sie gut präpariert mitgebracht. „Wir lieben kühle Getränke, das haben wir immer dabei“, erzählt Sandra. Luftschlangen im Zebra-Look, ein weißer und ein schwarzer Schuh, das Outfit ist perfekt. Der Proviant gehört zum Event „Die Lachende“ dazu wie die rheinischen Karnevalsstars Brings, Bläck Fööss, Kasalla und die Paveier – das sind die bekannten Kölner Bands, die die Karnevalsparty rocken. Dass die Musiker aus Köln kommen, stört hier niemand. „Die haben halt die beste Musik“, finden Christina (30) und Hannah (30). Sie freuen sich auf die jungen Bands wie Cat Ballou, Querbeat oder Kuhl un de Gäng. „Wir haben schön Frikos gemacht und Bier dabei.“ Sie lieben das altersgemischte Publikum in der ausverkauften Halle. Kölsch oder Alt ist an diesem Abend nicht die Frage, bei der Party ist alles erlaubt. Ein Paar kommt im Skianzug, auch das ist kein Einlass-Hindernis, vielleicht nur etwas zu warm.

Die Bands rufen „Düsseldorf Helau“, aber in den Songs heißt es dann natürlich „Kölle Alaaf“. Mitsingen, schunkeln, springen, Besucher in 80er-Jahre-Outfits tanzen neben den distinguierten Damen und Herren im Look der Goldenen 20er. Ein Stammtisch aus dem Münsterland ist mit den Ehefrauen angereist. „Wir übernachten im Hotel“, sagen sie. Die Koffer haben sie für ihren Proviant genutzt, alle sind als Mickey oder Minnie Mouse verkleidet. Einen ganzen Bus mieten die Kornblumen aus Korschenbroich. Jedes Jahr wächst die Truppe weiter, das gleiche Kostüm ist Pflicht und wird selbst angefertigt. Moni Hintzen organisiert den Karnevalsspaß: „Wir machen das schon seit 20 Jahren. Im ersten Jahr kamen wir als Kühe.“ Diesmal tragen 40 Personen das gleiche liebevoll gebastelte Kostüm. In ihren Outfits gehen sie dann auch in einem Karnevalsumzug mit. Die Glühwürmchen aus Mülheim an der Ruhr sind schon zum sechsten Mal in Folge da. Dank LEDs strahlen sie um die Wette und leuchten im Saal. „Die Kostüme entstehen in Teamwork“, sagt Jenny. Das ist auch bei der Regenbogen-bunten Truppe um Michaela Bose aus Langenfeld der Fall.

Vor der Halle treffen sich die meisten Gruppen, Einlass ist um 18.30 Uhr, danach ist ab halb acht Stimmung bis ein Uhr morgens. Die Prinzengarde Blau-Weiss, Leibgarde der Prinzessin Venetia, eröffnet den Abend mit Gardetanz und Lied, dann starten die Bands. Schunkeln, springen, mitsingen und Picknick auf den Plätzen. Kurze Verschnaufpause beim Redner „Et Rumpelstilzche“, der über Schwedens junge Klima-Ikone reimt und einige Trump-Witze bietet. Doch es ist die Musik, die dann alle von den Plätzen reißt. Getanzt wird im Gang, vor der Bühne oder einfach gleich auf den Stühlen. „Wenn et Trömmelche jeht ...“, stimmen die Räuber an und alle grölen mit. Kurz geht die Band auf die Kritik ein, die sie sich in den letzten Tagen einheimste. Für ihr Video sollen sie sich bereits vorher bei Let’s-Dance-Jurorin Motsi Mabuse entschuldigt haben. „Karneval ist Vielfalt“, darauf weisen an diesem Abend fast alle Bands hin.

Kasalla schmeißt die Konfetti-Kanone an, bittet das Publikum, sich auf den Boden zu setzen und dann in die Luft zu springen. „Ich komm aus der Stadt mit K“, heißt es und alle machen mit. Je weiter der Abend fortschreitet, desto klebriger wird der Fußboden, Drinks schwappen manchmal aus dem Glas, Chips-Reste knirschen unter den Sohlen. Gestärkt mit einer weiteren Frikadelle liegen sich die Jecken in den Armen und schunkeln zum Bläck-Fööss-Klassiker „En unserem Veedel“. Und dann geht’s per Polonaise noch einmal durch die Halle, vorbei an Kühltaschen mit den letzten Happen für den Heimweg.