Düsseldorf-Oberbilk: Fußball-Projekt für Flüchtlinge steht vor dem Aus

Sport in Düsseldorf : Fußball-Projekt für Flüchtlinge steht vor dem Aus

Die Outback Stiftung, die zwei Jahre lang die Trägerschaft übernommen hatte, wird sich wohl zurückziehen.

Wieder einmal kann Slavko Stanojevic bei seinem Fußball-Projekt in der Sporthalle des Lessing-Gymnasiums ein halbes Dutzend Neuzugänge begrüßen – je zur Hälfte Iraner und Iraker, die in der Flüchtlingsunterkunft an der Lützenkircher Straße untergebracht sind. Dass alle gut miteinander auskommen, ist hier Normalität, unabhängig davon, ob die Spieler aus Afghanistan, Syrien, Somalia oder eben jenen beiden Ländern stammen, die sich eigentlich spinnefeind sind. Immer dienstags und freitags wird gekickt, mindestens 20 Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten sind eigentlich immer da, der Stamm an Interessierten liegt bei rund 50. Bunt durchmischt bildet Stanojevic dann vier Mannschaften, und ein kleines Turnier wird ausgetragen.

Im Sommer haben die Spieler erstmals nicht gegen-, sondern bei einem Freundschaftsspiel gegen die A-Jugend der Sportfreunde Gerresheim miteinander gespielt. „Wir haben knapp mit 4:5 verloren, aber das war egal. Nachher wurde noch gegrillt, das war ein tolles Erlebnis für die Jungs“, erzählt Stanojevic. Die SG Unterrath hatte zuvor einen Trikotsatz für das Team gestiftet, das sich aus Flüchtlingen, aber auch aus Jugendlichen zusammensetzt, die in zweiter Generation hier in Deutschland geboren wurden. Trikots gab es auch vom TV Kalkum-Wittlaer.

Ob das Fußball-Projekt in Oberbilk jedoch eine Zukunft hat, ist fraglich. Die Outback Stiftung, die zwei Jahre lang die Trägerschaft übernommen hatte, wird sich wohl zurückziehen, „ohne einen Träger werde ich das hier aber kaum aufrechterhalten können“, sagt Stanojevic. Ursprünglich wurde das Projekt im Herbst 2017 im Auftrag der Integrationsbeauftragten Miriam Koch in der Flüchtlingsunterkunft an der Bergischen Kaserne ins Leben gerufen, allerdings nur auf wenige Monate befristet. „Wenn jetzt kein Wunder geschieht, war‘s das wohl“, so der Kroate, der in seiner Heimat ursprünglich mal Kunsterzieher war, vor dem Jugoslawien-Krieg 1991 aber nach Deutschland flüchtete.

Slavko Stanojevic ist mittlerweile seit 20 Jahren in der Integrationsarbeit in Düsseldorf beschäftigt, in der Regel steht dabei der Sport im Vordergrund. Für eine Fachtagung der Landesarbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in NRW dozierte er 1999 zum Thema „Sport als Mittel zur Integration“ über Migrantenvereine. Ein Jahr später wirkte er bei der Düsseldorfer Begegnungswoche zwischen Polizei und Migranten mit („Mit dem Blick der anderen...“). Auch bei der Fortbildung zur Steigerung interkultureller Kompetenz war er 2002 mit von der Partie. Inzwischen kümmert Stanojevic sich um das vom Land organisierte Projekt Nacht-Basketball in Garath (immer freitags) und arbeitet als pä­dagogische Ergänzungskraft an einer Grundschule in Heerdt. Zeit für sein Fußball-Projekt am Lessing-Gymnasium hat er jedoch stets gefunden. „Schade, dass es wohl zu Ende geht“, sagt der 58-Jährige.