Düsseldorf: 24 Momente in einer Oberbilker Hofeinfahrt

Advent in Düsseldorf : 24 Momente in einer Oberbilker Hofeinfahrt

24 Tage, 24 Aktionen – fast wie ein Adventskalender. Aber eben nur fast. Denn die Aktionen, die Alexandra Wehrmann plant, haben so gar nichts mit Weihnachten zu tun.

Glühwein wird es keinen geben. Spekulatius auch nicht. Und Nikoläuse mit Polyester-Bärten und verwaschenen roten Mänteln hat Alexandra Wehrmann auch nicht eingeladen. Auch wenn sich das, was die Oberbilkerin plant, fast so anhört wie ein lebendiger Adventskalender – Weihnachten, so ihr Versprechen, „wird bei ,Für einen Moment’ komplett ausgespart“, sagt Wehrmann. Spielort ihrer Aktionen ist eine Einfahrt in Oberbilk, nicht ihre eigene, „leider hat das Haus, in dem ich wohne, keine“. Sie startete einen Aufruf bei Facebook, dort bot ein Nachbar seine Einfahrt an. Er legte ein gutes Wort beim Vermieter ein, so dass es das Haus an der Industriestraße mit der Nummer 33 geworden ist, dessen Einfahrt sich zwischen dem 1. und 24. Dezember täglich öffnet, immer um 18.30, nur an Heiligabend nicht. „Da würden wir vermutlich unter uns bleiben“, sagt Alexandra Wehrmann, die das letzte Türchen um 13 Uhr aufmachen wird. Was brauchen Menschen an Heiligabend, hat sich Wehrmann gefragt und kam zum Schluss: „Entspannung.“ Zu Gast wird der Tai-Chi-Trainer Michael Wenzel sein, der ein Programm mitbringt, das die Besucher „völlig entspannt in die familiären Verpflichtungen entlässt. Nicht mal eine betrunkene Tante kann dann noch schocken“, sagt Wehrmann.

In der Einfahrt wird es mal ein Konzert geben, mal eine Performance, mal zeigt die Jorunalistin und Bloggerin einen Kurzfilm, mal kommt eine Pole-Dancerin. Das Programm soll jeden Abend aufs Neue überraschen, „mal amüsant, mal traurig, mal poetisch“, sagt Alexandra Wehrmann, die sich auch nicht scheut, ernste Themen zu behandeln – Wohnungsnot, Klimawandel oder Obdachlosigkeit. Zehn bis 15 Minuten dauert der Moment in der Einfahrt, „im Dezember hat schließlich niemand Zeit“, so die Organisatorin. Die Menschen haben anderes vor, sie müssen zum Weihnachtsmarkt, zur Weihnachtsfeier, zum Weihnachtssingen. Wer ein paar Minuten raus will aus dem Trubel, ein paar Minuten staunen will, zuhören will, plaudern will – der ist genau richtig in der Hofeinfahrt an der Industriestraße. Vielleicht auf dem Weg von der Arbeit nach Hause oder zum nächsten Glühweinstand oder ganz zufällig, weil man einfach an dem Tor vorbeikommt.

„Die Idee des lebendigen Adventskalenders ist ja nicht neu“, sagt Alexandra Wehrmann, meistens wechseln die Locations. „Aber die Hausbesitzer sind für derart abwegige Ideen eben nicht leicht zu erwärmen.“ Und selbst wenn sie 24 unterschiedliche Einfahrten gefunden hätte – „das hätte ich nicht stemmen können. Ich bin mehr oder weniger eine One Woman Show“, sagt die Oberbilkerin, die für ihre Werbung ihren Freund eingespannt hat, der in ein Eulen-Kostüm geschlüpft ist und vor der Einfahrt posiert hat. Als Platzhalter sozusagen, „ich wollte nicht einen der Künstler, Vorträger, Quatschmacher auf dem Plakat abbilden, brauchte aber ein Motiv mit Wiedererkennungswert“, erzählt Wehrmann. Inzwischen ist die Eule aber schon fast sowas wie ein Maskottchen für das Projekt geworden. „Deshalb überlege ich, sie zumindest an manchen Abenden tatsächlich einzuladen“, sagt Alexandra Wehrmann. „Ich stelle mir das sehr schön vor: Ein eiskalter Dezember-Abend. Das spärliche Licht der Oberbilker Gaslaternen. Und irgendwo zwischen Bahndamm-Bordell, Kiosk und Waffenlager steht eine riesige Eule.“