Oberbilk: Das Königreich am Lessingplatz

Oberbilk: Das Königreich am Lessingplatz

Der Kulturverein "Königinnen & Helden" ist in seinen Räumen an der Siemensstraße angekommen. Als Stadtteiltreff für Kinder, Eltern, Jugendliche und ehrenamtliche Künstler soll er eine bessere Vernetzung der Oberbilker bewirken.

Der Kulturverein "Königinnen & Helden" ist in seinen Räumen an der Siemensstraße angekommen. Als Stadtteiltreff für Kinder, Eltern, Jugendliche und ehrenamtliche Künstler soll er eine bessere Vernetzung der Oberbilker bewirken.

Fragt man Andrea Abbing, was sie und ihre Kollegen von "Königinnen & Helden" am Lessingplatz für den Stadtteil bieten möchten, macht sie es sich mit der Antwort nicht leicht. Sie wollen keine "soziale Einrichtung" sein. Auch "Betreuung" sei eine unpassende Bezeichnung - obwohl die Projekte des Vereins fast immer auch ein Pädagoge betreut und die Kinder und Jugendlichen im Haus an der Siemensstraße auch ein Mittagessen bekommen, bevor es an Theaterproben und Kunstworkshops geht. Schließlich fällt ein Begriff, der deutlich macht, dass Abbing mehr für ihren Stadtteil sein will.

"Der Verein soll nicht nur für uns selbst, sondern auch für Migranten im Stadtteil eine Heimat werden", sagt Abbing. Mit seinen Projekten soll er sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen richten. Dazu bedient Abbing sich eines besonderen Konzeptes: Die Kinder kommen zu offenen Kunstnachmittagen, während sich deren Eltern beim gemeinsamen Kochen kennen lernen. Der Clou dabei ist, dass sie dabei eine Ehrenamtlerin begleitet, die beim Deutschlernen hilft. "Wir wollten hier keinen trockenen Sprachkurs", sagt Abbing. Die Integration unterschiedlicher Kulturen und sozialer Hintergründe im Stadtteil sei eines ihrer Hauptziele: "Hier ist alles kostenlos, wir wollen ein niederschwelliges Angebot, das alle Menschen gleichberechtigt nutzen können."

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Derzeit kommen jeden Mittwoch etwa zehn Kinder und Jugendliche zum Kunstworkshop von Keramikdesignerin Marlis Conen. Dort arbeiten sie zur Zeit an einer Skulptur, die den Titel des Workshops symbolisieren soll: "Blaue Kirsche". Dafür schöpfen die jungen Künstler selbst das Papier, aus der eine große Pappmaché-Kirsche wird, die Abbing in den Düsseldorf Arcaden ausstellen will. "Kunst hilft Kindern sehr bei ihrer Entwicklung", sagt Conen, die das Projekt ehrenamtlich leitet und hauptberuflich Kurse an der Volkshochschule gibt.

Wesentlich jüngere Schüler hat sie an der Siemensstraße: Die jüngste Teilnehmerin ist die dreijährige Anell, die mit ihrem fünfjährigen Bruder Enis auch schon beim Theaterworkshop mitmachte. "Die Kinder lieben es hier, sie malen, kneten und basteln auch zu Hause gerne", sagt Mutter Ludmilla Rusidovski, die in Russland Kunst studierte. Sie nahm auch an den Kochtreffs teil - mit einem sehr positiven Nebeneffekt. "Sie spricht jetzt schon viel besser Deutsch als zu Anfang", bemerkt Abbing. Für die "Beziehungsarbeit", der sich der Verein verschrieben hat, sei es wichtig, "geschützte Räume" zu haben, in denen die Menschen miteinander in Kontakt kämen. Für die Kinder und Jugendlichen haben die Kunstnachmittage und Theaterworkshops einen hohen Erinnerungswert: Zu jedem Projekt dreht ein kleines Team einen Film, den die Teilnehmer am Ende mit nach Hause nehmen. Zudem ist laut Abbing die Zeit, die sie bei "Königinnen & Helden" verbringen, ein Ausgleich zur digitalisierten und hektischen Außenwelt. Da neben ihr auch viele der ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der Jugendhilfe arbeiten, bringen sie viel Verständnis für Kinder und Jugendliche, aber auch Mütter und Familien auf, die durch Sprach- oder finanzielle Barrieren keinen Zugang zu Kultur haben. "Ihnen wollen wir hier ein offenes Angebot an Kunst und Kultur bieten", sagt Abbing.

(bur)
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