Oberbilk: Alternative Wohnform für Menschen mit Demenz

Oberbilk: Alternative Wohnform für Menschen mit Demenz

Die Diakonie realisiert an der Flügelstraße ein Mehrgenerationenhaus für gesunde und dementiell erkrankte Mieter.

Noch sind die Zimmer im mehrstöckigen Haus an der Flügelstraße leer. An den Wänden fehlen Fotos und Bilder, der Geruch eines Neubaus liegt in der Luft. Elektrische Kabel an den Decken lassen erahnen, wo Lampen ein wohnliches Licht spenden sollen. "So wird es hier in Kürze nicht mehr aussehen", versichert Dirk Krüger, Abteilungsleiter der Diakonie, denn bald sollen Menschen in das Mehrgenerationenhaus einziehen. Neben den Mietern in den obersten barrierefreien Wohnungen werden dementiell kranke Menschen das zweite, rund 400 quadratmetergroße Obergeschoss gemeinschaftlich bewohnen. Bis Ende Januar soll alles fertig sein. In elf hellen Privatzimmern mit jeweils einem eigenen großen Badezimmer werden dort elf Menschen mit Demenz ein gemeinsames Zuhause finden. "Unsere Mieter entscheiden selbst oder mit Hilfe ihrer Angehörigen, wie sie wohnen oder ihren Alltag gestalten wollen", erklärt Koordinatorin Petra Schütz das Konzept dieser alternativen Wohnform. So ist dann auch die Mitwirkungspflicht, zu der sich die Angehörigen vor dem Einzug der erkrankten Mieter bereiterklären, zu verstehen. "Die Zimmer werden selbst eingerichtet, wenn möglich mit vertrauten Dingen der kranken Menschen", erklärt Krüger. "Sogar das eigene Geschirr kann zum Wohlbefinden beitragen."

Im Zentrum der Wohngemeinschaften steht die Gemeinsamkeit im Mittelpunkt. In einer offenen Küche soll gemeinsam gekocht werden. An einem langen Tisch ist für alle Mieter und auch für deren Angehörige Platz. In einer "gemütlichen Ecke" unmittelbar daneben können Menschen mit Demenz gesellig sein, familiäre Geborgenheit erfahren und ihre Sorgen mit anderen teilen. "Die Gemeinschaftsräume gestalten unsere Mieter nach ihren Vorstellungen", betont Krüger. Aus diesem Wohn-und Esszimmer geht es unmittelbar auf eine große Dachterrasse, die im Frühjahr begrünt werden soll. Der Blick fällt von dort auf einen Innenhof, der von den Kindern der in der Parterre und im ersten Obergeschoss angesiedelten Kita zum Spielen benutzt wird. "Auf den Kontakt zwischen unseren Mietern in der dementiellen Wohngemeinschaft und den Kindern legen wir großen Wert. Kinder fördern Demente, alltägliche Dinge wieder neu zu erleben und Vergessenes hervorzuholen", sagt Krüger. Wer von den Mietern der Wohngemeinschaften weder allein noch mit Hilfe der Mitbewohner oder Angehörigen zurecht kommt, weiß im Haus an der Flügelstraße 21a rund um die Uhr Pflegekräfte der Diakonie an seiner Seite. Bei einem vergleichbaren Modell der Diakonie in Heerdt seien alle Wohnungen ganz schnell vermietet gewesen, so Krüger.

(mjo)