Niederkassel: Protest gegen Neubaupläne für St, Anna

Neues Wohnquartier : Anwohner protestieren gegen Baupläne

2016 wurde die St. Annakirche stillgelegt. Auf dem Kirchengrundstück ist nach Abriss des Altbaus ein neues Wohnquartier geplant. Die Niederkasseler fürchten, dass es nicht ins Dorf passt.

Auch nach langem Tauziehen um die Neubebauung des Grundstücks der stillgelegten St. Annakirche nimmt der Protest gegen das neue Wohnviertel zwischen Alt-Niederkassel und Niederkasseler Straße noch einmal Anlauf. Die Anwohner sind nicht gewillt, kleinbeizugeben und die Pläne für den Bau von insgesamt sechs drei- bis viergeschossigen Baukörpern, plus Dach, zu akzeptieren – auch wenn sie wissen, dass der Abbruch ihrer Kirche nicht mehr aufzuhalten ist.

Es geht dann auch nicht mehr um deren Erhalt, sondern um eine Neubebauung zu erreichen, die sich in das dörflich geprägte Niederkassel einfügt. Dafür setzen die Anwohner im Umfeld und darüber hinaus alle Hebel in Bewegung und haben sich schon mit Oberbürgermeister Thomas Geisel auseinandergesetzt. Ebenso haben sie an den Kölner Generalvikar Markus Hofmann in einem Brief appelliert, „den Charme Niederkassels nicht durch die bisherige Planung zu zerstören und den angrenzenden Nachbarn nicht das Licht zu nehmen“.

In dem Schreiben heißt es weiter, „dass uns viel versprochen wurde, zum Beispiel eine Kapelle als Ersatz für die St. Annakirche und auch Ersatz für den Pfarrsaal“. Ein Gebetsraum von 20 Quadratmetern und ein Mehrzweckraum in der Kita als Ausgleich für Verlorenes sei unzureichend. Außerdem sollten ursprünglich die Bäume erhalten und die Bebauung insgesamt dem Umfeld angepasst werden.

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„Wir sind total verärgert und fühlen uns verschaukelt“, sagt Susanne Borho, Sprecherin der Anwohner-Initiative. Denn zu allem Übel sollen nun den eingeschossigen Häusern Alt-Niederkassels massive dreigeschossige Gebäude gegenübergesetzt werden. „Insgesamt werden die neuen Gebäude nicht nur die Häuser der angrenzenden Straßen überragen, sondern teilweise sogar die Höhe des Kirchturms erreichen“, so die Sprecherin, die auch die Freifläche für die viergruppige Kita, Ecke Niederkasseler Straße, Pastor Zentis Weg, für 80 Kinder als viel zu knapp bemessen hält.

Die Initiative bereitet nun eine Unterschriften-Aktion gegen die aktuellen Baupläne für das Kirchengrundstück vor. Dabei geht es auch insgesamt um Niederkassel, zum Beispiel um das Lotharviertel. Denn auch dort wird kräftig gebaut, alte Häuser werden abgerissen und durch größere ersetzt.

Die linksrheinischen Bezirksvertreter reagierten zurückhaltend auf den Bebauungsplan-Vorentwurf, den ihnen Stadtplaner Stefan Hutmacher während ihrer jüngsten Sitzung vorstellte. „Wir begleiten das Konzept kritisch“, sagt Sven Holly (CDU) mit Blick auf die Gebäudehöhen. Es sollte eine Begrenzung geben, um Alt-Niederkassel zu bewahren. Damit liegt er auf gleicher Welle mit seinem Fraktionskollegen, Ratsherrn Giuseppe Saitta. „Richtung Alt-Niederkassel sollten die Gebäude niedriger sein.“ Auch das Thema Verkehr kam zur Sprache. Holly: „Er wird mehr werden, nicht alle sind mit dem Fahrrad unterwegs.“

Bezweifelt wurde, ob die Kanalstraße den zusätzlichen Verkehr verkraften kann. Denn dort sind Zu- und Ausfahrt der Tiefgarage geplant – die genaue Zahl der Plätze nannte Hutmacher nicht. Ulrich Peters (FDP) will sich nicht grundsätzlich der Bebauung widersetzen, „aber sie muss zu Niederkassel passen“. Tobias Kühbacher (SPD) ist zufrieden, dass von den 86 geplanten Wohnungen 40 Prozent gefördert und preisgedämpft sind. Astrid Wiesendorf (Grüne) wünscht sich ein Modell, um die Größenverhältnisse der Gebäude besser beurteilen zu können. Am Ende der Diskussion stimmten die Bezirksvertreter geschlossen für die Öffentlichkeitsbeteiligung, die im Zuge eines B-Plan-Verfahrens üblich ist. Hutmacher versicherte, dass es eine Abendveranstaltung geben wird bei der die Pläne und auch ein Modell das künftige Wohnviertel veranschaulichen werden.

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