Niederkassel: Herzogencafé schließt nach 650 Betriebstagen

Herzogencafé : Herzogencafé schließt schon wieder

Das Café an der Niederkasseler Straße hat nach zwei Jahren den Betrieb eingestellt.

Es war nur ein Gastspiel, denn nach 650 Tagen hat Geschäftsführerin ­Denise van Hauten die Tür des „Herzogencafés“ endgültig hinter sich zugemacht. Sie bedauere es tief, ihr Geschäft wegen eines Eigentümerwechsels verlassen zu müssen, heißt es in einer Nachricht an ihre Kundschaft, die hinter der Schaufensterscheibe klebte. „Es war eine tolle Zeit mit vielen Gesprächen und sehr viel Lachen.“ Die Zeit werde unvergessen bleiben. Inzwischen wurde der Hinweis entfernt.

Zu lachen haben die Kunden jetzt aber nichts mehr. Denn vor allem die älteren Niederkasseler müssen nun längere Wege in Kauf nehmen, um an frische Brötchen zu kommen. Auch müssen sie auf den beliebten Mittagstisch in Wohnungsnähe verzichten. So stehen manche kopfschüttelnd vor der verschlossenen Ladentür. „Erst nehmen sie uns den Metzger weg (Metzgerei Geertz, heute ist dort ein Versicherungsbüro) und nun auch noch den Bäcker“, heißt es allerorten im Viertel. „Und das alles nur, um möglichst viel Profit zu machen“, sagte eine Frau, die anonym bleiben will. Hoffnung, dass sich ein Nachfolger für den Cafébetrieb finden wird, hat kaum jemand.

Was geschieht nun mit den Geschäftsräumen an der Niederkasseler Straße 83? Gerüchte gehen im „Dorf“ herum, wonach dort ein Bistro mit kalten vegetarischen Speisen einziehen soll. Genaues ist nicht zu erfahren, auch nicht über die Hintergründe der Schließung – trotz ausgiebiger Recherchen. Niemand weiß etwas, alle Verantwortlichen, wie auch Elke Neujahr, die als Inhaberin genannt wird, reagieren auf Anfragen mit den Worten: „Wir wissen nicht, wer das Ladenlokal erworben hat, beziehungsweise, was daraus werden wird.“

Denn nicht das historische Gebäude soll den Besitzer gewechselt haben, sondern nur das Ladenlokal. Der Neusser Bäcker Wilhelm Herzogenrath hatte es 1998 nach längerem Leerstand (zuvor gab es dort ein Fotogeschäft) erworben und eine Bäckerei mit Stehcafé daraus gemacht. Als er schwer erkrankte, gab er das Geschäft auf und suchte einen Käufer. Die neue Eigentümerin, Sabrina Petrasek, machte daraus nach umfangreichem Umbau gemeinsam mit Cateringfachfrau Denise van Hauten das beliebte „Herzogencafé“ mit Brot, Backwaren und Mittagstisch. Hatte zuvor Bäcker Schüren die Produkte geliefert, so hatten die neuen Besitzerinnen auf Vollwert- und Klassik-Backwaren von Bäcker Hinkel gesetzt.

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