Schützen Niederkassel : Heinz Herrmanns hat ein Herz für Pferde

Vom 11. bis 14. August feiern die Niederkasseler Schützen ihr großes Fest im Schatten der Theodor-Heuss-Brücke.

Das kleine Ereignis am Rande des großen Düsseldorfer Schützenfestes fiel erst auf, als es auf Facebook erschien. Was für den großen Verein eher eine Fußnote ist, ist für den Ehrenoberst der Niederkasseler Schützen, Heinz Herrmanns, eine große Freude. Denn die Frauen-Gesellschaft „Jakobe von Baden“ ernannte ihn zum Ehrenmitglied. „Ich war völlig überrascht“, so Herrmanns, der sich zunächst nicht erklären konnte, warum er auf diese Weise geadelt wurde. „Ich denke, Dieter Nagel, Königsbegleiter des Düsseldorfer Schützenvereins 1316, steckt dahinter“, mutmaßt er. „Wir kennen uns lange, haben immer Kontakt gehabt und uns gegenseitig zum Bier eingeladen.“ Und: „Seine Frau Monika hat die 1928 ins Leben gerufene Gesellschaft Jakobe von Baden nach langer Pause neu belebt.“

Was Herrmanns nur zögerlich zugibt, ist, dass er angesichts klammer Schützenkassen stets bereit war, finanziell zu helfen. Darüber hinaus hatte er als Mitglied der „Historischen Reitergruppe Jan Wellem“ der Frauengesellschaft einen Platz im Hofgarten nach der großen Parade eingeräumt. Das alles war für „Jakobe von Baden“ ausschlaggebend, Herrmanns in Ehren aufzunehmen. „Eine schöne Geste, aber eigentlich hätte das Heinz Nagel eher verdient“, winkt der 68-jährige Geehrte bescheiden ab.

Heinz Herrmanns, Chef eines Installateur-Betriebs am Ökotop, stammt aus dem Niederkasseler „Adel“. Er kennt sie noch alle - die eigenwillige Urbevölkerung „em Dörp“. Der Vater, Heinrich Herrmanns (Hubertus-Kompanie), lebte ihm das Brauchtum vor. „Mein Vorbild“, stellt der Sohn fest. „1956 ritt ich auf einem Pony im Schützenzug mit.“ Die Kommentare der Alt-Schützen: „Wer so reiten kann, will auch Oberst werden.“ Mit 14 Jahren „vorher ging‘s nicht“ sei er in den Niederkasseler Reiterverein eingetreten, der Wunsch nach einem eigenen Pferd folgte auf dem Fuße. „Ich habe es mir zusammen gespart mit Brötchen austragen, damals für die Bäckerei Meuser in Alt-Niederkassel wie auch mit der Verteilung von Zeitungen und Erdbeerenpflücken auf Niederkassels Feldern am Rhein. Pro Körbchen habe es zehn Pfennig gegeben. Als er das Geld beisammen hatte, stand sein erstes eigenes Pferd „Orest“ im damaligen Stall gegenüber der Dorfschänke.

Auf diese Weise gerüstet ging‘s mit der Brauchtums-Karriere steil nach oben. 1976 wurde Herrmanns Regimentskönig, danach Oberst als Nachfolger von Gemüsebauer Heinz Pütz und 2010 Ehrenoberst. Da hatte er den „Stab“ als Oberst an seinen Neffen Ralf Herrmanns schon weitergegeben. „Dem Nachwuchs eine Chance geben“, nennt Hermanns seinen Rückzug vom hohen Amt.

Trotzdem lässt es sich das Niederkasseler Schützenfest nicht entgehen und wird sich unter seine Reiterkollegen, deren zweiter Rittmeister er ist, mischen. „Auf einem Leih-Pferd“, sagt er, denn „seine Adele“ bleibe im Stall. „Sie geht nicht vorneweg, fühlt sich nur in der Gruppe wohl, sagt er mit einem Schmunzeln und fügt hinzu: „Sie ist halt ein Mädchen.“ Die Rücksichtnahme auf die Eigenheiten der Vierbeiner zeigt, dass im Niederkasseler Reiterverein die Pferde „unser Liebstes sind“. So hat Herrmanns, der insgesamt vier eigene Pferde besaß, wovon sich Leo auf dem Gnadenhof befindet, den Umgang mit Pferden auch von der Pike auf gelernt und zwar bei Heinrich Glöckner aus dem Ulanen-Regiment. „Im Garten bei Schmittmanns wurden wir militärisch gedrillt“, sagt Herrmanns, der zugibt, mindestens zehnmal vom Pferd gefallen zu sein. „Sie nehmen plötzlich die Köpfe zwischen die Beine und schon rutscht der Reiter aus dem Sattel.

Angesprochen auf die Diskussion über Pferde in Festzügen sagt er: „Für die Parade auf der Straße werden die Pferde so ausgesucht, dass sie Menschenmassen und laute Musik ertragen können.“ Reiter müssen allerdings die Pferde gut am Zügel haben, sie dürfen nicht latschen. Außerdem müsse man wissen, dass Pferde nur ungern über Metallplatten und Kopfsteinpflaster laufen. „Das ist wie Schmierseife für sie.“

Eigentlich ist Heinz Herrmanns froh, nicht mehr die Organisation eines Schützenfestes auf die eigenen Schultern nehmen zu müssen. Denn: „Es ist alles viel schwieriger geworden.“ Viele Genehmigungen, Aufgaben eines Oberst, müssen eingeholt werden. Vor allem die Sicherheit steht im Vordergrund. „Wir haben noch Glück, denn unser Kirmesplatz liegt einigermaßen geschützt unterhalb des Niederkasseler Deiches“, sagt Marc Klement, zweiter Schützenchef. „Deshalb müssen wir keine Betonklötze auf die Straßen setzen.“

Damals, als Herrmanns und seine Mitstreiter ihre aktive Zeit hatten, war alles einfacher und fast müheloser. „Niederkassel war noch nicht so zugebaut. Wir haben zum Beispiel unser Ringstechen am Seestern, dort, wo sich heute die Tankstellen befinden, abhalten können, der Kirmesplatz sei nur wenig entfernt an der Lütticher Straße gewesen, (Naumann-Haus). Genehmigungen? Fehlanzeige. „Wir haben nur Halteverbotsschilder aufgebaut und wenn Autos im Wege standen, holten wir den Trecker und schleppten sie einfach weg - basta.“ Heute seien die Rheinwiesen tabu, aber damals hatten die Schützen ihre eigenen Felder dort, eine Genehmigung war nicht nötig. „So konnten wir unsere Kirmes auf dem Deich aufbauen, bis wir unterhalb einen Teil des heutigen Kirmesplatzes kaufen und dort sesshaft werden konnten.“

Obwohl Herrmanns auf die 70 zugeht, bleibt er der Reiterei treu. Nicht nur, weil er zweiter Rittmeister des Niederkasseler Reitervereins und Mitglied bei der Reitervereinigung Düsseldorf SRV ist, sondern, weil das ein schöner Sport sei. „Immer wenn ich durchs Gelände reite, ist das wie Urlaub für mich.“

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