Düsseldorf Niederkassel : Schüler erinnert sich an Jo Strahn

1946 gründete der Maler in Niederkassel eine Kunstschule, an der über 30 Jahre viele erfolgreiche Künstler studierten. Sein früherer Schüler Axel Olejnik und Strahns Tochter erzählen von ihren Erinnerungen.

Die Erinnerungen an den bekannten Tier- und Landschaftsmaler Jo Strahn sind vielfach. So wurde in seiner 1946 gegründeten „Kunstschule Düsseldorf-Niederkassel“ die Technik des Malens und Zeichnens manchem bekannten Künstler vermittelt, etwa Sigrid Wachenfeld, Alfred Schmela oder Hans Saletin. Der Ruf der staatlich anerkannten Kunstschule Strahn mit bis zu 30 Studierenden pro Semester ging 30 Jahre lang weit über die Grenzen der Region hinaus. Ein Schüler von damals berichtete unserer Redaktion über seine Erinnerungen.

„Wir wurden gefördert und gefordert“, sagt Axel Olejnik. Der Meerbuscher Künstler hat noch seinen Original-Ausweis für das Wintersemester 1963/64, auf dem ihm bescheinigt wird, „ordentlicher Studierender der Schule für Malerei und Graphik“ zu sein. Wofür ein Honorar von 360 DM fällig wird. „Für mich war das der ausschlaggebende Test, ob es für einen künstlerischen Beruf reicht“, erzählt Olejnik, der in der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Professor Sackenheim geführt wird. In Niederkassel – die Kunstschule befand sich damals in den bauernhof-ähnlichen Gemäuern einer ehemaligen Krautfabrik an Alt Niederkassel 72 – ging er mittags oft ins Café Nussbaum, wo die Pächter Toni und Emil Freitag auch schon mal einen Henkelmann warm machten oder für die Studenten Kaffee kochten.

Jo Strahn – 1904 als Peter Josef Strahn in Düren geboren – musste für die von ihm gegründete Kunstschule nach kurzer Zeit ein neues Zuhause finden. „Es kamen immer mehr Schüler, und der Bauernhof platzte aus allen Nähten“, erinnert sich seine heute 82-jährige Tochter Ruth Strahn-Merten. Der Vater, er hatte 1926 sein Studium an der Kunstakademie beendet und kam mit einer Verletzung aus dem Krieg zurück, kaufte das Haus Alt Niederkassel 8 und renovierte es. „Es gab nicht mal einen Wasseranschluss. Aber 1957 war alles fertig, und wir zogen ein“, erzählt Ruth Strahn-Merten.

Die komplette Familie war in den Kunstschulablauf integriert, manchmal musste die Tochter Modell sitzen. „Manche Studenten blieben auch zum Essen.“ Um das Handwerk rund um die Kunst ebenfalls zu vermitteln, standen drei Druckmaschinen bereit, und das Fotografieren und Entwickeln gehörte ebenfalls zum Lehrplan: „Dort, wo heute das Bad ist, war eine Dunkelkammer.“

Malen konnte die Tochter nach eigenem Bekunden nicht, bekam aber in der Schule immer ein ‚sehr gut‘: „Die Lehrerin wusste, dass mein Vater Künstler ist.“ Er besaß auch einen großen Konzertflügel, der stets mit umziehen musste: „Mein Vater spielte täglich mindestens eine Stunde.“ Gregor Merten, einer der drei Enkelsöhne, hat das große künstlerische Talent geerbt. Er studierte beim Großvater und hat sich mit dem Kunstprojekt „Engel der Kulturen“ aktuell einen Namen gemacht. Auch Enkel Stefan, Physiotherapeut in Niederkassel, erinnert sich gern: „Die Atmosphäre in der Kunstschule war etwas Besonderes, Faszinierendes. Den Geruch des Pfeifentabaks meines Opas habe ich heute noch in der Nase.“

Aber auch dessen Kunst ist sehr präsent. Ruth Strahn-Merten und ihr Mann Heinz leben in der ehemaligen Kunstschule. Die Räumlichkeiten sind mit vielen Bildern bestückt. Und auch im Brauhaus Meuser hängen Ölarbeiten, die das Können von Jo Strahn als Maler von Natur- und Tiermotiven unterstreichen. Strahn selbst aber mochte es nicht, nur auf diese Sujets begrenzt zu werden. Er liebte die künstlerische Vielseitigkeit, und er beweist mit einem ebenfalls bei Meuser hängenden Porträt des Niederkasseler Originals Peter Vossen zum 80. Geburtstag 1969, wie facettenreich sein Kunstschaffen war.

1977 schloss er die Schule, um sich seinen persönlichen künstlerischen Ambitionen zu widmen. Jo Strahn starb schließlich 1997 in Niederkassel.

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