Düsseldorf Niederkassel : Drei Hähne sind zwei zu viel

Damit die Welt in einem Privatgarten wieder in Ordnung ist, müssen zwei Jung-Hähne schnell neue Besitzer finden.

Gemessenen Schrittes stolziert Hahn Donald über Wiese und Terrasse in einem Niederkasseler Privatgarten. Er ist traumhaft schön, sein Gefieder schillert in allen Farben, vom Hahnenkamm bis zu den prächtigen Schwanzfedern. Und wenn er erst kräht, dann weiß jeder, wer hier das Sagen hat. Trotzdem versuchen die weiße Luise und die braune Thelma als erste am Futternapf zu sein, werden dann aber vom Chef im Hühnerstall in die Schranken verwiesen. Er hat seine Hennen im Griff. Einzig das putzige Zwerghuhn darf neben dem prächtig Gefiederten von den Körnern naschen. Ist der Alte satt, dann kommen die anderen zum Zuge.

Eigentlich alles normal, wären da nicht die beiden Hähne, Max und Moritz, im Teenageralter. Denn die schicken sich an, dem Obergockel die Führung streitig zu machen. „Das ist mein Problem“, sagt Birgit Stenger, Hüterin der Hühnerschar. „Deshalb können die beiden Hähne auch nicht bleiben“, bedauert sie und hofft, dass sich jemand findet, der sie haben will.

„Ich würde sie gern verschenken und habe schon überall nachgefragt.“ Aber weder der Abenteuerspielplatz, dort werden keine Hühner gehalten, noch der Bio-Hof Am Deich, dort gibt es bereits einen Hahn, können sie mir abnehmen. Trotzdem hoffe sie noch auf Tierfreunde, die ihren Hähnen ein neues Zuhause geben können. Die Zeit drängt. Denn sobald die beiden Junghähne erwachsen sind, gibt’s Krieg im Hühnerstall, streiten sich drei Hähne um die Gunst von drei Hennen. Und: Im Suppentopf sollten sie auf keinen Fall landen.

„Ich wollte eine dritte Henne“, erklärt Birgit Stenger, die als Vegetarierin auf appetitliche Eier aus dem eigenen Hühnerstall Wert legt. Sie sei auch ganz zuversichtlich gewesen, als sie im heißen Sommer 2018 aus dem Urlaub kam und dann ein Gelege mit 20 Eiern vorfand. „Vier Küken sind geschlüpft, eins ist gestorben, drei sind groß geworden.“ Erst sechs Monate später habe sie erkannt, dass sie sich nicht nur eine Henne, sondern auch zwei Hähne eingehandelt hatte. Ihre Freude trübte sich, denn als Tierliebhaberin wusste sie, was auf sie zukommen würde. Servieren die Hennen ihr jeden Tag das Frühstücksei, so betrachtet sie die Entwicklung der beiden Hähne mit Sorge. „Ich kann sie leider nicht behalten.“

Gockel Donald, stolzer Vater der beiden Hähne, hat Bleiberecht, obwohl sein stimmgewaltiges Kikeriki, das regelmäßig um 6 Uhr zum ersten Mal erschallt, der Nachbarschaft das Ende der Nacht signalisiert. „Er ist ein alter Herr, ich gebe ihn nicht weg“, versichert Birgit Stenger, die froh ist, dass sich bis jetzt niemand über den „lebendigen Wecker“ beschwert hat.

Und weil das so bleiben soll, müssen die Junghähne, bevor sie erwachsen sind, den Hühnerstall verlassen. Noch aber herrscht Friede unter dem gesamten Federvieh. Nach der Fütterung, am liebsten direkt aus der Hand von Birgit Stenger, nach Picken, Scharren und Sandbad zur Gefiederpflege, hocken alle einträchtig und eng aneinander gekuschelt unter einer Bank im Garten. Bei der Kälte haben weder Hühner noch Hähne Lust, Ausflüge in die Umgebung zu machen. „Eine Henne hatte sich dabei verirrt und nicht mehr zurückgefunden.“ Eine andere sei im Gartenteich ertrunken, bedauert Birgit Stenger, die neben „Igel-Hotels“ unter Büschen und Blumenübeln“ auch eine Schildkrötenzucht im Gartenteich betreibt.

Ein ganz privates Idyll, das in einer Großstadt wohl eher nicht vermutet wird. Und doch müssen die Hähne Max und Moritz alsbald neue Besitzer finden.

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