Düsseldorf: Geisel jetzt Ehrenknecht der Tonnengarde

Düsseldorf : Geisel jetzt Ehrenknecht der Tonnengarde

Beim Schwänzkes-Essen der Tonnengarde wurde der Oberbürgermeister gestern in den erlauchten Kreis aufgenommen.

Die Tonnengarde rief - und alles, was Rang und Namen hat, kam gestern zum "Schwänzkes-Essen" ins Fachwerkhäuschen Alt-Niederkassels. Eine Männergesellschaft, die nicht nur zum Essen zusammengekommen war, sondern um den ersten Bürger der Stadt in die erlauchte Riege der Ehrenknechte aufzunehmen.

Nach der Ordensverleihung durch das Tonnenbauernpaar Britta und Thomas übernahm Wolfgang Eiker, Ehrenknecht des vergangenen Jahres, das Mikrofon und hielt eine kurzweilige Laudatio auf seinen Nachfolger Thomas Geisel. Keineswegs "leise und salopp, mit Trän drop und geflüstertem Helau", wie er mahnte, sondern begleitet von furiosen Beifallsstürmen der Herrenrunde. Die Befürchtung, dass "uns sonst die Bude zugemacht wird", war allerdings nicht ganz unbegründet.

Denn als Geisel, ausgestattet mit Mütze, Schal, Krawatte und Ehrenurkunde, zu seiner Dankesrede anhob und allen versicherte, dass er sich in Niederkassel pudelwohl fühle, erschienen just zwei Ordnungshüter und befahlen: "Aus, Aus, Aus, Musik aus und hören Sie auf zu reden." Geisel wurden Handschellen angelegt, er wurde in "Geiselhaft" genommen. Ärgerlich stellten die "Beamten" fest, "dass wir nun schon zum zweiten Mal zur Tonnengarde gerufen werden", wobei sie sich auf das plötzliche Ende der Bahnhofssitzung bezogen, die wegen Lärmbelästigung abgebrochen worden war. Ein Scherz, das war allen sofort klar, denn in die Rollen der Ordnungshüter waren der bekannte Dorfschänkewirt Stephan Deckers und Tonnengardist Dirk Mecklenbrauck geschlüpft. Klar, dass die Begeisterung grenzenlos war und auch Düsseldorfs Polizeichef Norbert Wesseler sowie Jürgen Bielor, Polizeidirektor der Inspektion Mitte, sichtlich amüsiert waren. Geisel revanchierte sich für den Spaß, in- dem er an die Tonnengarde appellierte, den "Spaßbremsen zu widerstehen. Wir leben in Düsseldorf und nicht in Posemuckel und sollten Frohsinn zulassen."

Nach dem fröhlichen Festakt ging es zunächst nur um Suppe und den Verzehr von 120 "Schweine-Schwänzkes". Damit wurde ein fast uralter Brauch lebendig, den einst Peter Steinhauer, ehemaliger Präsident der Tonnengarde, und Metzgermeister Paul Geertz begründet hatten. Die beiden wollten die Familie Hüttemann besuchen und hatten die Blumen für die Hausfrau vergessen.

Geerts half mit Schweineschwänzen aus, die er zufällig in einer Bütt im Auto hatte. Gertrud Hüttemann kochte eine Suppe daraus, die den beiden so gut schmeckte, dass sie fortan einmal im Jahr mit Schweineschwänzen in Hüttemanns Küche auftauchten. Immer mehr Tonnengardisten gesellten sich dazu, und so wurde das Schwänzkes-Essen zum schmackhaften Brauch. Heute ist es nicht mehr bei Hüttemanns, sondern im Fachwerkhäuschen Am alten Kornhaus - und verbunden mit der Aufnahme eines Ehrenknechtes und als Dank an die Sponsoren.

Auf diese Weise gestärkt, empfingen die Gäste das Prinzenpaar, Christian und Claudia, das sich wieder einmal "wie zu Hause" fühlte. Den Schlusspunkt setzte der Ruhrpott-Comedian Markus Krebs.

(RP)