Düsseldorf-Niederkassel: Schwuler König verändert die Schützen 

Schützen in Düsseldorf : Schwuler König verändert die Schützen

Für Christoph Faßbender steht der Höhepunkt seiner Regentschaft an: das Schützenfest in Niederkassel. Dem Verein ist es wichtig, die Tradition zu wahren, er weiß aber auch, dass man mit der Zeit gehen muss. Und da kam ein Vorprescher wie Faßbender gerade richtig.

Brauchtum bewahren, mit der Zeit gehen und attraktiv bleiben – das ist ein Leitsatz, den sich der St.-Sebastianus-Schützenverein Düsseldorf-Niederkassel 1890 auf die Fahne geschrieben hat. Um dieser Devise gerecht zu werden, gibt es neben der Pflege des Brauchtums und der 129-jährigen Tradition auch Veränderungen. „Das ist gut so, denn Stillstand wäre Rückschritt“, findet Schützenchef Thomas Damm. Und so dürfen sich die Besucher des Schützenfestes – 10. bis 13. August – nicht nur auf ein generationenübergreifendes Programm freuen, sondern auch gespannt sein auf einige Neuerungen des Festplatzes.

„Wir rücken mit dem im Inneren neu aufgeteilten Festzelt ein wenig Richtung Theodor-Heuss-Brücke und gewinnen so eine Terrasse mit Aussicht auf die Rheinauen“, erzählt Damm. Den viel zitierten „frischen Wind“ aber hat vor allem der amtierende Regimentskönig in den Traditionsverein gebracht. Christoph Faßbender, Chriss genannt, ist 46 Jahre jung und kommt eigentlich aus Oberbilk. Viele Jahre hatte Faßbender aber gute Kontakte nach Niederkassel, und so entschloss er sich vor drei Jahren, in Niederkassel anzuheuern. „Gewissermaßen von der ‚schäl Sick‘ – aus linksrheinischer Sicht,“ sagt der König. Die Königin – Cordula Schäfer aus Eller – hat er sich „geliehen“: „Cordi und ich passen gut zusammen“, findet Faßbender.

Seine Position nutzt das Regimentskönigspaar, um im Ablauf Veränderungen vorzunehmen: „Da gab es die eine oder andere Diskussion. Ich presche gern nach vorn. Aber das hat dem engen Zusammenhalt innerhalb des Vereins keinen Abbruch getan.“ Und deshalb wird der Regimentskönig auf seinen Wunsch die rund 25 Kilo schwere Kette mit den Königssilbern nach dem Umzug bis ins Zelt hineintragen: „So kann ich sie den ehemaligen Regimentskönigen zeigen.“ Das Königssilber hat er – wie üblich – selbst gestaltet. Darauf ist in Anspielung auf seinen Beruf ein „Königskuckuck“ zu sehen: „Ich bin Gerichtsvollzieher.“ Aber das Silber gibt noch mehr Aufschluss über seine Persönlichkeit: „Die gerade, klare, nicht abgerundete Form zeigt, dass ich geradeheraus bin, aber deshalb auch Ecken und Kanten habe.“ Der Sticker der LGBT-Schützen (siehe Infokasten) ist ebenfalls mit seinem Input entstanden: „Wir wollen Flagge zeigen und ermuntern, zur sexuellen Orientierung zu stehen.“ So wie Faßbender selbst, der kein Geheimnis um seine Homosexualität macht. Wichtig sind dem Niederkasseler König außerdem soziales Engagement und die Gemeinschaft: „Wir halten linksrheinisch zusammen. Und um vielen Menschen Freude zu vermitteln, habe ich mit dem Vorstand verschiedene soziale Einrichtungen und Seniorenheime besucht.“

So kann das Fest am Samstag, 14 Uhr, harmonisch beginnen. Im Festprogramm mit den Ehrungen, 18 Uhr, plus Großer Zapfenstreich, den Festzügen am Sonntag, 15.30 Uhr, und Dienstag, 18 Uhr, sowie dem Ball der Kompaniekönige und dem Krönungsball – es spielen die „Audiohelden“ – gibt es ebenfalls eine Veränderung. Der Jungschützenabend mit „De Bajaasch“ wurde von Montag auf Samstag verlegt. „Wir wollen den Jungschützen anderer Regimenter die Möglichkeit geben, länger mit unseren Jungschützen zu feiern“, sagt Marc Klement, ebenfalls Schützenchef. Die Schützen-Fans fiebern der „kleinen Dorfkirmes“ entgegen, die auch bekannt ist als „coolster Club der Welt“ – bei freiem Eintritt im Festzelt an allen Tagen. Und für Oberst Ralf Hermanns ist es ein ganz besonderes Fest: Er kommandiert seine letzte Parade.

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