Niederkassel: Baustellen im Lothar-Viertel sorgen für Ärger

Niederkassel: Baustellen im Lothar-Viertel sorgen für Ärger

Ein Ende ist wohl nicht abzusehen. Unaufhaltsam verändert sich das Lothar-Viertel. Alte Häuser verschwinden und werden allermeist durch gleichförmige neue Gebäude im Schuhkarton-Stil ersetzt, wie eine Anwohnerin bemerkte.

Seit geraumer Zeit sorgt die Baustelle für einen Neubau an der Weezer Straße, die eine Sackgasse mit Wendehammer ist, besonders für Ärger. Der mächtige Rohbau reicht bis an die Grenze des Nachbargrundstücks. "Unsere Hecke wurde auf ganzer Linie abgerissen und einer Vollbetonierung geopfert", empört sich Birgit Stenger. "Unsere Süd-Terrasse liegt nun im Schatten." Täglich werde die schmale Straße zugeparkt. "Die Awista erreicht uns nicht, die Mülltonnen können nicht geleert werden", stellt sie erbost fest. Der Wendeplatz sei von den Autos der Bauarbeiter zugeparkt.

Die Niederkasselerin bezeichnet das neue Gebäude als "Bunker". "Der Neubau überschreitet unsere Dachhöhe um fast zwei Meter." An den Seiten werden zwecks Begrünung keine drei Meter Abstand gehalten. "Hier wird Wohnraum vernichtet", schimpft Birgit Stenger "Vorher war es ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung, nun ist es ein Einfamilienhaus mit Schwimmbad." Es würden nur zwei Personen einziehen.

Die Niederkasselerin, die im Lothar-Viertel aufgewachsen ist, appelliert an die Stadt, eine sinnvolle, ökologisch rücksichtsvolle Bauweise zu verfolgen und statt Beton eher eine Entsiegelung des Bodens anzustreben. Sie kann, wie auch andere Bewohner des Viertels, nicht verstehen, warum der Neubau in dieser Ausführung genehmigt wurde. Das alte Einfamilienhaus hätte nicht abgerissen werden sollen. "Zwei Gutachter haben es als erhaltenswert eingestuft", so die Anwohnerin. Die Käufer des Hauses hätten 2,3 Millionen Euros bezahlt. Birgit Stenger hofft auf einen Rückbau des Neubaus. So, wie es einst an der Ecke Lothar-, Linnicher Straße geschehen ist. Dort war ein überdimensionierter Rohbau stillgelegt worden, weil die Nachbarschaft dagegen geklagt hatte. Jahrelang tat sich nichts. Viel später wurde dann in kleinerem Maßstab weitergebaut.

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Auch an der Ecke Lothar-, Euskirchener Straße wurden zwei ältere Häuser abgebrochen - beide gerade mal einen Steinwurf weit voneinander entfernt. Ein Neubau ist fast fertig, auf dem gegenüberliegenden Grundstück sollen gleich zwei Stadthäuser entstehen. Die Bauarbeiten für ein Fertighaus haben begonnen und die Euskirchener Straße mit einem Autokran gänzlich blockiert. Riesige Lkw transportieren Betonteile, Wände, Böden und Treppen für das Fertighaus zur Baustelle. Eine alteingesessene Bewohnerin ist überzeugt, dass hier jeder Bauherr machen könne, was er wolle ohne Rücksicht auf die Anwohner und die Verkehrsführung.

Die hohe Auslastung der Parzellen und die fortschreitende Versiegelung des Bodens im Lothar-Viertel ist sicher auch eine Folge der hohen Grundstückspreise. Das Dilemma: Es gibt allermeist alte Bebauungspläne und dann bestenfalls nur für einige Straßen. Die Bezirksvertretung 4 hatte sich einst einen B-Plan für das gesamte Gebiet gewünscht - bisher ohne Erfolg.

(RP)