Niederkassel : Abschied von St. Anna

Die katholische Kirchengemeinde lädt für heute zur letzten Messfeier in der zum Abbruch freigegebenen Kirche ein.

Heute um 18 Uhr können alle, die sich nur schwer damit abfinden, dass die St. Annakirche entweiht und dann abgebrochen wird, einen letzten Gottesdienst in der Niederkasseler Kirche mitfeiern. Prediger ist Stadtdechant Ulrich Hennes.

 Die Kirche besteht aus verwinkelten Baukörpern. Über dem Eingang gibt es eine Betonplastik von Rudolf Peer mit dem Bildnis der "Anna Selbdritt".
Die Kirche besteht aus verwinkelten Baukörpern. Über dem Eingang gibt es eine Betonplastik von Rudolf Peer mit dem Bildnis der "Anna Selbdritt". Foto: Krebs Andreas

"Wir wollen den Menschen, die um den Verlust ihrer Kirche trauern, die Möglichkeit geben, Abschied zu nehmen", erklärt Pfarrer Michael Dederichs das letzte Angebot. "Bei aller Trauer, die ich gut nachvollziehen kann, sollten wir aber in die Zukunft blicken, denn ich bin überzeugt, dass es etwas Neues und Schönes geben wird." Doch wie das 7000 Quadratmeter große kirchliche Grundstück künftig genutzt wird, weiß noch niemand so genau. Konkrete Pläne gibt es nicht. Denn zunächst werden die interessierten Investoren ausgewählt, die sich beworben haben. Schalten und Walten, wie sie wollen, können sie nicht. Vielmehr müssen sie Vorgaben beachten. Sie werden verpflichtet, soziales altersgerechtes Wohnen, eine dreigruppige Kita und als Ersatz für die Kirche eine St. Anna-Kapelle in die Neubaupläne einzubeziehen. "Die Kirche bleibt im Dorf", betont der Pfarrer. Darüber hinaus soll im Zentrum des Quartiers eine kleine Fläche als Mittelpunkt (Dorfplatz) freigehalten werden. "Uns ist wichtig, dass das Grundstück im Besitz der Kirche bleibt, lediglich in Erbpacht abgegeben wird."

 Sigrid Kopfermann entwarf die Fenster, die erhalten werden sollen.
Sigrid Kopfermann entwarf die Fenster, die erhalten werden sollen. Foto: Krebs Andreas
  • Als Vorsitzende der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine
    Schützen in Düsseldorf : „Niemand will zum Hotspot werden“
  • Für das Wegekreuz gab es einen
    Geschichte in Düsseldorf : Neuer Standort für das Niederkasseler Wegekreuz
  • Eine Abellio-S-Bahn (Symbolbild).
    Weniger Züge, mehr Busse : Am Montag startet der Abellio-Notfahrplan in NRW
  • Das Kunstwerk, an dem sich auch
    Videocall mit Astronaut Maurer : Leverkusener Schüler telefonieren ins All
  • In NRW gilt ab sofort eine
    Coronaschutzverordnung überarbeitet : Neue Corona-Quarantäneregelungen in NRW in Kraft

Die Ausstattung der Kirche bleibt erhalten. Dederichs: "Was nicht in die neue Kapelle passt, wird auf andere Kirchen verteilt." Die Bänke zum Beispiel bekämen die Kopten für die Bunkerkirche. "Noch in diesem Jahr soll deren Innenraum, der koptischen Kirche entsprechend umgebaut werden." Bis 2020 könne auch die katholische Kirchengemeinde die Bunkerkirche mitnutzen.

 Die kostbaren Figuren werden anderen Kirchen übergeben.
Die kostbaren Figuren werden anderen Kirchen übergeben. Foto: Krebs Andreas

Die von der Künstlerin Sigrid Kopfermann (1923-2011) entworfenen asymmetrisch angeordneten Glasfenster sollen ebenfalls erhalten und im Neubaukonzept berücksichtigt werden. 1975 wurden sie in die Kirche eingebaut. Die Entwürfe hatte Sigrid Kopfermann ohne Honorar zur Verfügung gestellt. "Die Fenster könnten in die künftige Kapelle oder auch in die neue Kita eingebaut werden", sagt Pfarrer Dederichs. Auch die Niederkasseler Musikschule, die seit vielen Jahren ihr Domizil in einem Pavillon auf dem Kirchengrundstück hat, könnte im Neubaukonzept berücksichtigt werden. "Niemandem ist gekündigt worden", betont der Pfarrer. "Bis zum Abriss der Kirche bleibe alles wie gewohnt, auch die Kleiderkammer für Flüchtlinge. Ersatz für den Wegfall des Gemeindesaales, der nur noch von den Senioren genutzt wird, soll ebenfalls geschaffen werden. "Die Kita soll einen Mehrzweckraum bekommen, den die Gemeindegruppen nutzen können."

Die vom Kölner Architekten Nikolaus Rosiny entworfene und 1968 geweihte St. Annakirche hatte von Anfang an Mängel. Wurde sie für vier Millionen Mark gebaut, so mussten 14 Jahre später noch einmal zwei Millionen Mark investiert werden. Nach dem Tod von Pfarrer Norbert Blumberg (1934-2002) wurde die Gemeinde mit St. Antonius zusammengelegt.

(RP)