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Derendorf: Nach hundert Jahren ein neues Domizil

Derendorf : Nach hundert Jahren ein neues Domizil

Das Mutter-Kind-Wohnen des SKFM zog vom Gertrudisheim an der Ulmenstraße in einen Neubau an der Metzer Straße.

Am Wochenende hieß es packen: Nach mehr als hundert Jahren endete die Geschichte des Gertrudisheims an der Ulmenstraße. Das katholische Haus wurde 1913 als Heimstatt für junge Mütter und ihre Kinder gegründet.

Die traditionsreiche Einrichtung zieht an die Metzer Straße, wo der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) die Bereiche Kinder- und Jugendbetreuung sowie Beratung und Begleitung junger Familien zusammenfasst. Dort werden künftig die erweiterte Kita, die Schwangerschaftsberatungsstelle "Esperanza", der Kindertagespflegedienst und eben die Mutter-Kind-Appartements unter einem Dach vereint sein.

Sieben Appartements wird es dort geben, in denen die jungen Mütter — die jüngste ist derzeit 17 Jahre alt — auf jeweils 50 Quadratmetern möglichst eigenverantwortlich leben werden. Der alte Backsteinbau an der Ulmenstraße wird verkauft und abgerissen. Er macht Platz für die neue Wohnbebauung auf dem Gelände der ehemaligen JVA Ulmer Höh'. Dort besitzt der SKFM ebenfalls Gelände, das gemeinsam mit der Einrichtung in die Neuplanung einbezogen ist.

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Weitere Grundstücke dort gehören der Awista sowie dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes. "Wir werden an einen Investor verkaufen, Angebote liegen bereits vor", sagt SKFM- Geschäftsführer Heinz-Werner Schnittker. Der SKFM wird auch selbst neu bauen: Auf einem angrenzenden Randgrundstück, auf dem sich derzeit Verwaltungsbauten des SKFM befinden, sollen auf rund 2500 Quadratmetern "bezahlbare Wohnungen" entstehen, so Schnittker. Zum Hintergrund: Wie viel bezahlbarer Wohnraum an der Ulmer Höh' entstehen soll, ist derzeit umstritten.

Überhaupt keinen Wohnraum hatten in der Regel jene jungen Frauen, die in den zurückliegenden hundert Jahren im Gertrudisheim Aufnahme gefunden haben. Zumeist waren es obdachlose junge Mädchen, schwanger oder mit Kind, aber ohne Mann und meist auch arbeitslos. Für sie gab es früher kein soziales Netz — außer eben Einrichtungen wie das Gertrudisheim, das anfangs vom Orden der Cellulitinnen geführt wurde.

Noch in den 20er Jahren wurde das Haus bezeichnenderweise als "Zufluchtsstätte" bezeichnet. Doch von Anfang an gab es auch bereits Wirtschaftsbetriebe wie Wäscherei und Näherei, wo die jungen Frauen arbeiten konnten. Wie alle freien, konfessionell ausgerichteten Träger wurde die Einrichtung von den Nazis behindert. Nur der Einsatz mutiger Helfer verhinderte den Abtransport von Bewohnerinnen, insbesondere behinderter Frauen, ins KZ.

Seit Mitte der 70er Jahre steht die Hinführung der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben im Vordergrund. Väter und Partner werden dabei eingebunden. "Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Nicole Uhlig, Gruppenleiterin der Mutter-und Kind-WG. Derzeit werden sechs Mütter mit insgesamt zehn Kindern betreut.

Die jungen Frauen kommen in der Regel aus problembelasteten Familien mit Missbrauchs- und Verwahrlosungsfällen. Da gehört zum Weg in ein selbstbestimmtes Leben auch der Besuch der Drogen-und der Suchtberatung sowie psychische Hilfe. "Sie lassen sich nicht immer helfen",, sagt Uhlig. "Aber wir bieten ihnen die Hand."

(RP/EW)