Serie Belastete Straßennamen : Preußischer Militäradel im Straßenbild

Alfred Graf von Schlieffen entwarf unter anderem die Strategie für einen Zweifrontenkrieg mit Frankreich und Russland. Experten haben den Generalfeldmarschall auf die Liste jener Personen gesetzt, dessen Namen nicht im Düsseldorfer Straßenbild gewürdigt werden sollten.

Der preußische Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen dürfte wahrscheinlich relativ wenigen Bürgern ein Begriff sein. Aus dem Geschichtsunterricht bekannt ist vielleicht eher der Schlieffenplan, seine Strategie im Falle eines Zweifrontenkrieges, die in abgewandelter Form im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Den Namen des preußischen Militärs trägt außerdem eine Straße im Stadtteil Mörsenbroich – noch, denn die für die Prüfung der Straßennamen zuständige Expertenkomission ist zu dem Ergebnis gekommen, dass auch Schlieffen aufgrund seines Militarismus und seiner Rolle im Völkermord an den Herero in Afrika nicht im Straßenbild vertreten sein sollte.

Alfred Graf von Schlieffen kann noch heute als Beispiel für den preußischen Militäradel angesehen werden. 1833 in Berlin als Sohn eines Majors geboren, studierte er zunächst Jura, bevor er in den Militärdienst eintrat. Dort arbeitete er sich rasch in höhere Ränge hinauf. 1905 war er direkter Vorgesetzter des Generals Lothar von Throtha. Dessen Plan, die in den afrikanischen Kolonien aufständischen Volksgruppen der Herero komplett auszulöschen, kommentierte Schlieffen mit den Worten „Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“ Er trat beim Kaiser für Throthas Pläne ein und war so mitschuldig am ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts und am Tod von vielen Tausend Menschen.

Historische Bekanntheit erlangte Alfred von Schlieffen auch durch den militärischen Plan, den er 1905 vor dem Hintergrund eines drohenden Zweifrontenkrieges mit Russland und Frankreich vorlegte. Nach Schlieffens Vorstellung sollte Frankreich mit einem schnellen Vorstoß durch die neutralen Benelux-Staaten eingekesselt und zügig besiegt werden, damit sich die preußischen Truppen an der Ostfront gegen Russland konzentrieren konnten. Dieser Plan wurde später im Ersten Weltkrieg von Schlieffens Nachfolger, Helmuth von Moltke, umgesetzt. Dieser änderte jedoch einige Faktoren, sodass heute umstritten ist, wieweit die tatsächlich umgesetzte Strategie noch als Schlieffens Idee bezeichnet werden kann. Der Begriff Schlieffenplan ist jedoch bis heute in der Geschichtsforschung verankert. Allerdings scheiterte der Plan im Ersten Weltkrieg: Der geplante Vorstoß wurde aufgehalten, die Benelux-Staaten verweigerten den Truppen den Durchmarsch. Aufgrund dieser Verletzung des Völkerrechts trat auch Großbritannien in den Krieg ein. Die Initiative stoppte bald und es entwickelte sich ein langer, blutiger Stellungskrieg, während zugleich im Osten Sowjetrussland bekämpft werden musste.

Ob Schlieffens militärischer Plan von Anfang an zum Scheitern verurteilt war oder sich die späteren Veränderungen durch Moltke als strategischer Fehler erwiesen haben, ist heute nicht mehr festzustellen. Dies ist auch nicht das entscheidende Kriterium der historischen Bewertung: Für die Expertenkomission ist schlicht eine Person ungeeignet, die, wie Schlieffen, ein Paradebeispiel des preußischen Militarismus ist. Dass er zudem wichtige Entscheidungen zu Verbrechen in den Kolonien getroffen hat, macht seinen Namen als Straßennamen in Düsseldorf endgültig unhaltbar.