Mörsenbroich : Petticoats und Grammophon

Das Team des Treffs am Turm lud am Wochenende zusammen mit Volkmar Hess zu einem Boogie-Woogie-Event in der Thomaskirche in Mörsenbroich. Tanzbegeisterte verschiedener Clubs ließen die 1950er Jahre wieder aufleben.

Es ist wie eine Zeitreise in die 1950er Jahre: Die meisten Frauen tragen weiße, schwarze, rote oder gelbe Petticoats mit farbigen, gestreiften oder gepunkteten Tellerröcken darüber, bei einigen Männern zieren markante Haartollen den Kopf. Eine Band spielt live Songs aus längst vergangenen Rock'n'Roll-Zeiten. Ganz im Zeichen des Boogie Woogies, Swings und Twists stand am vergangenen Wochenende die Thomaskirche an der Eugen-Richter-Straße in Mörsenbroich.

Die vielen tanzbegeisterten Fans hatten ausreichend Platz, um ihre flotten Schritte und kreativen Figuren zu präsentieren. "Wir haben die Kirchenbestuhlung entfernt, so stehen insgesamt 600 Quadratmeter als Tanzfläche zur Verfügung. Das ist schon was Besonderes", sagt Anita Becker vom Treff am Turm. Zusammen mit weiteren aktiven Ehrenamtlern von der Thomaskirche war der Treff am Turm nun zum insgesamt achten Mal Gastgeber des Boogie Woogie-Abends.

Das nostalgische Tanzangebot, das bisher jeweils regelmäßig zwischen 100 bis 150 Besucher nutzten, wurde auch jetzt wieder rege wahrgenommen: Mitglieder der Vereine wie Boogie Woogie Mafia aus Rath, Tigerfeed aus Erkelenz, Rock'n'Roll Club Number One aus Krefeld, Boogie Friends aus Solingen sowie weitere Clubs zeigten ihr tänzerisches Können und ließen die 1950er Jahre wieder aufleben.

"Boogie Woogie ist ein Lebensgefühl, man muss die Musik, den Tanzstil und diese Zeit natürlich mögen", sagt Thomas Braatz, Mitglied des Rather Vereins Boogie Woogie Mafia. Der Ludenberger hat vor nicht ganz drei Jahren mit dem Boogie Woogie angefangen. "Mit meiner jetzigen Partnerin tanze ich nun schon seit eineinhalb Jahren, wir tanzen auch in Seniorenheimen." Boogie Woogie mache einfach Spaß, sei ein kreativer Tanz, denn man könne immer improvisieren. "Man flirtet quasi mit seinen Füßen, etwas schauspielern muss man auch", sagt Braatz mit einem Schmunzeln. Dem kann seine Tanzpartnerin Ulrike Pettauer nur zustimmen: "Es ist ein Tanz der schnellen Füße, jeder, der Spaß daran hat, kann Boogie Woogie lernen. Die Freude am Tanzen, an der Bewegung steht im Vordergrund." Die Ratingerin tanzt inzwischen schon viele Jahre Boogie Woogie. Aber auch die 1950er Jahre an sich und gerade die Kleidung gefielen ihr natürlich. "Den Tellerrock, den ich trage, habe ich selbstgeschneidert. Ich besitze mehrere Tellerröcke und Petticoats. Wichtig ist auch, dass man flache Schuhe trägt. Auf speziellen Trödelmärkten und Oldtimer-Treffen wird man fündig", erzählt Ulrike Pettauer.

Wenn die Viersener Rock'n'Roll-Band Blue Moon nicht spielte, legte Hauptorganisator Volkmar Hess aus Dormagen auf seinem nostalgischen Grammophon und seinen zwei alten Schallplattenspielern Klassiker von Bill Haley und Co. auf. "Ich habe über 30.000 Platten aus dieser Zeit, die zusammen etwa zehn Tonnen wiegen", sagt der sympathische Hess, der ebenfalls im 1950er Jahre-Look mit großen Hut gekleidet ist. Der Dormagener hat sichtlich Freude daran, seine Oldie-Passion mit vielen anderen an diesem Abend ausleben zu können.

Und auch Jennifer Korte aus Hassels ist die Begeisterung anzusehen. "Ich bin zum ersten Mal hier und bin beeindruckt von den Menschen und den tollen Kleidern, der Mode aus dieser Zeit", sagt sie. Da kein Freund und keine Freundin Zeit haben, kommt Jennifer Korte alleine. Das macht ihr aber nichts. "Ich wurde schon aufgefordert und habe bereits getanzt", erzählt Korte, die sich vor diesem Abend sogar schon bei der Volkshochschule für einen Einsteigerkurs angemeldet hat. Zwar habe sie schon viele andere Tanzstile wie Jive, Square Dance oder Walzer und sogar Ballett getanzt, aber noch nie vorher Boogie Woogie. "Und es ist eine tolle Gelegenheit, mein Kleid, ein Erbstück und Original aus den 1950ern, zu zeigen", sagt Jennifer Korte und lacht - dann wird sie auch schon wieder zum Tanz aufgefordert.

(RP)
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