Mobile Redaktion : Mörsenbroich soll sich weiterentwickeln

Die neue Fachhochschule, die Gartenstadt Reitzenstein und das Areal am Vogelsanger Weg sollen den Stadtteil aufwerten. Funktioniert das? Am Samstag kommt die Mobile Redaktion der Rheinischen Post nach Mörsenbroich.

Mörsenbroich ist der Stadtteil von Düsseldorf, der in Nordrhein-Westfalen am bekanntesten sein dürfte. Das liegt allerdings nicht an besonders ungewöhnlichen Sehenswürdigkeiten, sondern am „Mörsenbroicher Ei“. Die verkehrsreichste Kreuzung der Stadt taucht regelmäßig als Staupunkt in den Verkehrsnachrichten auf. Doch trotz seines Namens gehört tatsächlich nur die Hälfte des Mörsenbroicher Eis zum Stadtteil. Die andere Hälfte und damit auch das weithin sichtbare Arag-Hochhaus, das häufig als Wahrzeichen von ­Mörsenbroich bezeichnet wird, liegt auf Düsseltaler Gebiet. Und damit zeigt sich das Dilemma des Stadtteils: Seine Grenzen sind nicht klar erkennbar, ein markantes Merkmal oder ein Ortsmittelpunkt fehlen.

Zudem ist Mörsenbroich geprägt von Kontrasten, ergibt sich kein homogenes Erscheinungsbild. Teile des Stadtteils schnitten bei einer Sozialraumstudie der Stadt schlecht ab, in anderen Teilen stehen prächtige Bungalows. Neben großen Wohnquartieren mit Mehrfamilienhäusern entlang der breiten  Durchgangsstraßen gibt es auch viele ruhige Siedlungen mit großzügigen Grünflächen. Westlich des nördlichen Zubringers liegt zudem eine der größten Kleingartensiedlungen der Stadt und die gesamte St.-Franziskus-Straße entlang zieht sich eine schöne Grünanlage. Dort hat sich zumindest für Familien mit dem Spielplatz am Heideweg ein beliebter Treffpunkt entwickelt.

Für einen zentralen öffentlichen Platz, wo sich alle Bürger treffen und verweilen können, und der dem Stadtteil auch ein Profil verleihen könnte, kämpft seit Jahrzehnten hingegen der Mörsenbroicher Bürgerverein vergeblich. Die Hoffnung des Bürgervereins auf eine Verjüngung des Stadtteils und auf neue Mitstreiter, die sich für diesen engagieren, durch die vielen neuen Bewohner des Neubaugebietes Gartenstadt Reitzenstein haben sich bislang nicht erfüllt. Das Wohngebiet ist zu sehr in sich geschlossen, viele der Bewohner orientieren sich zu anderen Stadtteilen wie Grafenberg und Düsseltal hin. „Die Gartenstadt gehört zwar zu ­Mörsenbroich, gefühlt ist das Quartier aber weit weg, und wir wissen auch nicht, wie wir Kontakt zu den Bewohnern herstellen können“, sagt Wilfried Kullmann, Vorsitzender des Bürgervereins.

„Auch bei uns haben sich merkwürdigerweise bislang nur wenige neue Mitglieder aus der Gartenstadt angemeldet. Das liegt möglicherweise daran, dass dort viele Familien mit sehr kleinen Kindern leben. Vielleicht kommt ja noch später von dort ein Mitgliederzuwachs“, hofft Manfred Novacek, Vorsitzender des Sportvereins Agon 08.

Auch eine positive Ausstrahlung von der neuen Fachhochschule, die im angrenzenden Stadtteil Derendorf eröffnet wurde, ist bislang nicht spürbar. So ist auf der Münsterstraße noch kein Strukturwandel feststellbar. Dort haben auch nicht wie erhofft neue Läden oder Studentenkneipen eröffnet.

Das Neubaugebiet Gartenstadt Reitzenstein ragt weit in den Stadtteil hinein. Die Mörsenbroicher würden sich einen größeren Austausch mit den Bewohnern wünschen. Foto: Endermann, Andreas (end)

Eine positive Wirkung erwartet  Ratsherr Pavle Madzirov (CDU) nun in den nächsten Jahren von der Entwicklung des Gebietes rund um den Vogelsanger Weg. Dort wird zurzeit der Bebauungsplan, der bisher nur Gewerbe zugelassen hat, umgeändert, um dort auch Wohnungsbau und Einzelhandel zu ermöglichen. Damit soll der gesamte Bereich aufgewertet werden, der teilweise seit vielen Jahren brachliegt. „Das ist auf alle Fälle ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dort kann nun das lang ersehnte Zentrum, das Herz von Mörsenbroich, entstehen. die Politik hat dafür die Weichen gestellt, nun sind die Grundstückseigentümer in der Verantwortung“, sagt Madzirov.

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