Kittelbacher Blumenkinder feiern ein doppeltes Jubiläum

Karneval : Wie aus Blumenfreunden Karnevalisten wurden

Mit dem 40-jährigen Bestehen und 3x11 Jahren Präsidentschaft von Theo Krause feiert die KG Kittelbacher Blumenkinder ein doppeltes Jubiläum.

Wache Augen und zwei keck nach oben gezwirbelte Schnurrbartspitzen signalisieren deutlich, dass Theo Krause reichlich über Humor verfügt. In diesem Jahr feiert er ein jeckes Jubiläum, denn 3x11 Jahre steht er als Präsident der Karnevalsgesellschaft Kittelbacher Blumenkinder vor, die ihrerseits 40 Jahre besteht, was zwar nach karnevalistischer Rechnung kein klassisches Jubiläum darstellt, aber dennoch gefeiert wird.

Angefangen hat die jecke Historie, als sich 1979 die Gartenfreunde des Kleingartenvereins Am Kittelbach zu einer Karnevalsgruppe zusammenfanden und dann 1980 erstmals am Mörsenbroicher Veedelszug teilnahmen. Ihre Sonnenblumenkostümierung errang auf Anhieb den ersten Preis und berechtigte die Blumenkinder, sich beim großen Rosenmontagszug einzureihen. Danach wurde zunehmend diskutiert, ob die sommer-orientierten Gartenfreunde nicht zusätzlich auch einen Verein für das Winterbrauchtum gründen wollten. Für viele war das eine Überdosis „Verein“, die andere Hälfte wählte 1984 einen schnieken weißen Smoking und eine grün-weiße Mütze als Uniform und Theo Krause zum Präsidenten. Im gleichen Jahr wurde unter der Regie von Günter Schmitz der erste große Wagen für den Rosenmontagszug gebaut. Schmitz ist noch heute als Wagenbaumeister aktiv.

„Die ersten Sitzungen fanden noch bei uns im Gartenlokal statt, und die Schwestern Oxenfort oder Hans Heinrichs, eine musikalische Karnevals-Institution, waren damals unsere Stargäste“, erinnert sich Krause. Aus den eigenen Reihen kamen „Die emanzipierten Frauen“, eine lustige Travestie-Gruppe, ab 1994 verfügten die Blumenkinder sogar einige Jahre über eine eigene Tanzgarde.

Außerhalb der Session organisiert die Karnevalsgesellschaft regelmäßig Ausflüge, die in heimische Regionen, aber auch schon mal ins Ausland führen, und an denen dann nahezu alle Mitglieder teilnehmen. Die Entwicklung brachte es aber auch mit sich, dass die Blumenkinder immer wieder einen neuen Standort suchen mussten, teils weil Pächter pleite gemacht hatten, teils weil die Kosten die Möglichkeiten eines kleinen Vereins überstiegen.

Seit 2000 feiern die jecken Hippies im gediegenen Rahmen des Rheingoldsaals der Rheinterrasse. „Aber mittlerweile tun sich auch die Fortuna und die DEG als Veranstalter von Karnevals-Events hervor, was natürlich eine Konkurrenz darstellt und der Kuchen wird nicht größer“, konstatiert Krause nüchtern. Der 73-jährige Jeck hat schon mal überlegt, sein Amt abzugeben, fürchtet aber um den Fortbestand der Kittelbacher Blumenkinder als Verein. „Wenn ich zum Jubiläum einen Wunsch frei hätte, so würde ich mir für die Zukunft mehr geeigneten Nachwuchs wünschen“, sagt der Präsident, „aber Karneval ist eine ernste Sache“, wobei ein Blitzen in den Augen verrät, dass er aber noch immer sehr viel Spaß an der jecken Sache hat.

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