Mörsenbroich : Jazz, Poesie und Tischtennis

Jeden Montag lädt das Junge Schauspiel Düsseldorfer Neu- und Altbürger zum "Café Eden" ein - dort können die Besucher gemeinsam spielen und lernen, essen und miteinander reden.

Auf dem Platz vor dem Eingang rennen einige Kinder einem roten Schaumstoffball hinterher. Drinnen, im Foyer, spielt ein Jugendlicher Billard gegen sich selbst. An einem großen Tisch sitzen Kinder und löffeln Suppe. Die ist gratis, genau wie der Tee, der hier gerne sehr süß getrunken wird. Aus einem Nebenraum ist das Klacken eines Tischtennisballs zu hören, aus einem anderen die Stimmen junger Männer, die unter Anleitung eines Schauspielers Sprechübungen machen: "Oooooooh!"

Viele der Anwesenden haben braune Augen und schwarze Haare. Ob es sich um Flüchtlinge oder um Nachbarn aus dem von zahlreichen Zuwanderern bewohnten Viertel in Rath handelt, vermag Günter Kömmet nicht zu sagen, es ist ihm auch egal: "Wir wollten nie ein Flüchtlingsprojekt sein. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen." Kömmet ist Theaterpädagoge und Koordinator von "Café Eden", einer wöchentlichen Veranstaltung, die seit September 2016 im Jungen Schauspiel stattfindet. Noch lautet der Untertitel "Refugees are welcome here!" aber den wolle man bald streichen: "Schließlich geht es mittlerweile nicht mehr um Willkommenskultur, sondern um gelebte Integration."

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Das Programm von Café Eden bestehe im Wesentlichen aus drei Säulen, erklärt Kömmet: "Information und Diskussion, Spiel und Begegnung sowie Kunst und Kultur." So gibt es unter anderem Beratungen für Arbeitssuchende, Gesprächsrunden zu Themen wie Reichtum und Menschenwürde, Bastelstunden, einen Sport-Action-Bus, Konzerte und Theaterstücke. Zwei wiederkehrende Programmpunkte, die Kömmet hervorhebt, sind die Offene Bühne "Open Stage" und das Bürgerdinner: "Bei der Open Stage hatten wir unter anderem Lesungen von iranischen und libyschen Autoren, ein A-capella-Ensemble, eine Flamenco-Tanzgruppe und ein Sockentheater. Beim Bürgerdinner serviert das Rote Kreuz ein Drei-Gänge-Menü, und geladene Redner halten Impulsvorträge, über die dann beim gemeinsamen Essen gesprochen werden kann."

Eigentlich sei das Programm von "Café Eden" darauf ausgelegt, alle Altersgruppen anzusprechen, allerdings sei es nicht leicht, die Jugendlichen zu erreichen: "Die wollen sich sowohl von den Kindern als auch von den Erwachsenen abgrenzen." Über die Gründe dafür, warum das weibliche Geschlecht ebenfalls etwas unterrepräsentiert ist, möchte Kömmet nicht spekulieren: "Es könnten jedenfalls gerne mehr Frauen kommen."

Rami Lazkani kommt fast jede Woche. Die Geselligkeit erinnere ihn an die Kaffeehauskultur in seiner alten Heimat Syrien: "Und mir gefallen der Jazz, die Poesie und das Tischtennis." Lazkani erreichte Deutschland im September 2015, rund eineinhalb Jahre wohnte er in einer Flüchtlingsunterkunft, bevor er eine Wohnung in Gerresheim bezog. Der 42-Jährige hat in Syrien als Mathematiklehrer gearbeitet, in Düsseldorf hat er eine Anstellung als Briefträger gefunden: "Ist ein guter Job, macht Spaß." Trotzdem würde er irgendwann gerne seinen Master in Mathematik machen. Darüber hinaus hofft er, bleiben zu dürfen; in Deutschland der Demokratie und Freiheit wegen, und in Düsseldorf, weil es weder zu klein noch zu groß sei.

(bjn)