Mörsenbroich : Durchfahrt soll offen bleiben

Der "Pollerstreit" zwischen Anwohnern von Ludwig-Beck-Straße und Zur Weide steht nach fast zwei Jahren vor einer Entscheidung.

Es begann im Frühjahr 2016 mit einem Aufschrei der Entrüstung der Anwohner der Straße Zur Weide im Neubaugebiet Reitzenstein: Um Schleichverkehre zwischen Lenau- und Heinrichstraße zu verhindern, wollte die Verwaltung die Durchfahrt an der Kreuzung Ludwig-Beck-Straße/Zur alten Kaserne abpollern. Was auf den ersten Blick sinnvoll erschien, hatte jedoch einen Haken: Eine Umfahrung über die als Schleife geführte, enge Straße Zur Weide wäre nach wie vor möglich gewesen - die Anwohner gingen auf die Barrikaden und prangerten eine Fehlplanung an. Den Bewohnern der Ludwig-Beck-Straße hatte die Stadt aber weit im Vorfeld (2009) versprochen, die Durchfahrt zu schließen, wurde ihnen von der Stadt doch eine zusätzliche Verkehrsmenge von 630 Autos pro Tag prognostiziert. Beide "Lager" standen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber, Oberbürgermeister Thomas Geisel schaltete sich ein. Der Leiter des Amts für Verkehrsmanagement, Ingo Pähler, versprach, für die Sitzung der Bezirksvertretung 6 am 14. März einen Lösungsvorschlag zu präsentieren, der auf den Erkennnissen einer durchgeführten Verkehrszählung beruht.

Die liegt inzwischen ebenso vor wie der Vorschlag der Verwaltung: Die Durchfahrt soll offen bleiben. Die mittleren Pfosten werden demnach nicht wie ursprünglich vorgesehen gesetzt, wenn die Bezirksvertretung in der kommenden Woche dem Beschlussvorschlag denn folgt. Denn wie von den Anwohnern befürchtet nahm der Verkehr nach dem Einbau der Poller in der Wohnstraße Zur Weide "erheblich" zu. Im Herbst vergangenen Jahres wurde dann die angekündigte Verkehrszählung anhand von Videoauswertungen durchgeführt - und zwar außerhalb der Ferien zwischen Dienstag und Donnerstag. In der Ludwig-Beck-Straße wurden demnach 1900 Autos pro Tag gezählt, die dem Gelände des Neubaugebiets zuzurechnen waren, der Anteil des Durchgangsverkehrs war dagegen mit 3,4 Prozent gering.

An den beiden Ausfahrten zur Lenaustraße wurden insgesamt etwa 3100 Fahrten pro Tag gezählt - was bedeutet, dass etwas mehr als ein Drittel (38 Prozent) des Gebietsverkehrs über die Ludwig-Beck-Straße führt und knapp zwei Drittel (62 Prozent) über die Lenaustraße. "Die tatsächliche Verkehrsbelastung der Ludwig-Beck-Straße liegt in der Verkehrsspitze deutlich unterhalb von 400 Fahrzeugen die Stunde und bewegt sich damit im üblichen Rahmen einer Wohnstraße", hat das Amt für Verkehrsmanagement errechnet, zumal kein nennenswerter Durchgangsverkehr festzustellen sei.

Die Auswertung der Verkehrszählung belegt daher nach Ansicht der Verwaltung, dass der Charakter der Ludwig-Beck-Straße auch bei einem Verzicht auf die Pfosten gewahrt bleibe. "In der Abwägung aller Vor- und Nachteile empfiehlt die Verwaltung, die mittleren Absperrpfosten in der Straße Zur alten Kaserne dauerhaft nicht zu setzen", lautet das Fazit. Auf der Straße Zur alten Kaserne wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit zudem auf 30 Kilometer pro Stunde festgesetzt und die Straße mit dem Schild "Anlieger frei" für den Durchgangsverkehr offiziell gesperrt.

(arc)