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Corona Düsseldorf: Ein Clown hilft bei der Kinder-Impfung

Pandemie in Düsseldorf : Ein Clown hilft bei der Kinder-Impfung

In einem Supermarkt auf dem Gelände der alten Reitzenstein-Kaserne wurden am Wochenende rund 200 Kinder gegen Corona geimpft. Ein Klinikclown nahm ihnen die Angst vor der Nadel.

Anton war schon etwas nervös. „Ich habe mich gefühlt wie vor eine Klassenarbeit“, sagt der Elfjährige. „Aber danach war ich froh, dass ich es gemacht habe.“ Anton hat sich gerade im Rewe-Supermarkt an der alten Reitzenstein-Kaserne seine Corona-Erstimpfung geben lassen. „Angst vor Nebenwirkungen haben wir nicht“, sagt Mutter Patricia Bäcker. „Man denkt darüber nach, aber die Angst vor der Infektion ist größer.“

Kinderarzt Johannes Pigulla versucht, Ängste zu nehmen. „Die Erfahrung zeigt jedenfalls bei den Zwölf- bis 18-Jährigen, dass es kaum Nebenwirkungen gibt“, sagt Pigulla. „Bei vierstelligen Impfzahlen kommt es zwar immer mal wieder zu leichten Armschmerzen rund um die Einstichstelle, aber ganz selten mal zu Fieber. Kinder vertragen eine Corona-Impfung grundsätzlich besser als Ältere.“

Die Bäckers hatten genauso wie 200 weitere Familien mit Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren die Impf-Sonderaktion von Pigulla genutzt, um sich von einem der drei Ärzten und Ärztinnen immunisieren zu lassen. „Eigentlich hatten wir damit gerechnet, die Kinder erst im Januar impfen zu können. Aber im November hat es sich abgezeichnet, dass das früher möglich sein wird. Also habe ich das Team aktiviert und es läuft“, sagt Pigulla. Und weil sie gerade mal dort waren, setzte das Ärzteteam auch noch gleich 50 Booster-Impfungen bei Erwachsenen.

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Pigulla konnte auf „seine Impfstruktur“ zurückgreifen, zu der auch Supermarktleiter Yassine Fakhouri gehört,der im Lager des Supermarkts bereits Impfaktionen für Erwachsene durchgeführt hatte. Wieder kamen 18 Helfer aus seiner Praxis, dem Freundes- und Nachbarschaftskreis, wieder stellte Fakhouri den Lagerraum, in dem noch die drei abgetrennten Impfkabinen standen, zur Verfügung – und die Tische kamen erneut von einem Gastwirt.

Diesmal allerdings stand mittendrin eine bunt gekleidete und geschminkte Person. Krankenhausclown „Clownie“ alias Anke Plaßmann lenkte die Kinder mit aus Luftballonen geformten Tieren vom Impfgeschehen ab. Ihre Standardfrage „Willst du auch ein Luftballontier?“ wurde meist mit großen Augen und wortlosem Nicken beantwortet. Und als die „Kinder dann eine „Krake“, einen „Dackel“ oder ein „Eichhörnchen“ in Empfang nahmen, wurden die Augen meist noch größer.

„Wenn man Kinder impft, handelt es sich psychologisch um eine andere Situation als bei Erwachsenen“, sagt Pigulla. „Manchmal muss man die Kinder einfangen, beruhigen oder Angst reduzieren. Deshalb haben wir zur Ablenkung einen Krankenhausclown besorgt.“ Zudem standen in seinem Team auch vier Medizinische Fachangestellte aus seiner Praxis, die über jede Menge „Kindererfahrung“ verfügen. So lief es im Rewe-Lagerraum wie am Schnürchen, auch weil im Vorfeld Termine im Dreiminuten-Rhythmus vergeben worden waren – und weil es jede Menge Gummibärchen für die kleinen Patienten gab.

Die Bäckers hatten einen Termin um 14 Uhr bekommen. „Uns war von vornherein klar, dass Anton geimpft wird. Es ist wichtig, dass mein Sohn geschützt ist“, sagt Patricia Bäcker. „Und damit schützt er ja nicht nur sich, sondern auch andere.“ Und auch Anton war sofort bereit, den Pieks in den Arm zu ertragen. „Er hat bei der Mutter einer meiner Bekannten mitbekommen, was Corona bedeuten kann“, erzählt die Mutter. „Davor hat er Respekt, vielleicht sogar Angst entwickelt.“ Und ganz nebenbei entspannt es Antons schulische Situation. „Man muss sich dreimal in der Woche in der Schule testen lassen. Davon habe ich oft Nasenbluten bekommen“, sagt Anton. „Als Geimpfter muss ich mich dann nur noch einmal pro Woche testen lassen.“

Den gesamten Erlös der Impfaktion – die Ärzte erhalten ja für jede Impfung eine Vergütung – spenden Pigulla und Team an die Unicef-Impfaktion Covax. Dazu kommen noch die Gelder, die in den aufgestellten Unicef-Sammelbüchsen eingenommen wurden.

Covax sammelt Geld und kauft davon Corona-Impfstoffe für die ärmsten Länder der Welt, damit sich auch dort die Menschen gegen das Virus impfen lassen können. Auch den Industrieländern muss nämlich daran gelegen sein, dass möglichst viele Menschen auf der Welt gegen Corona geimpft sind: Nur so kommt man aus einer weltweiten Pandemie heraus.