Golzheim: Mit Engagement zu guter Nachbarschaft

Golzheim : Mit Engagement zu guter Nachbarschaft

Die Nachbarschafts-Werkstatt in Golzheim hat sechs Gründungsmitglieder und derzeit mehr als 70 Anwohner. Zusammen möchten die Bürger durch verschiedene Projekte für mehr Gemeinschaft im Stadtteil sorgen.

Mit ihrem Stadtteil können die Anwohner in Golzheim eigentlich sehr zufrieden sein: gepflegte Wohnhäuser, grüne, üppige Parkanlagen, die Nähe zum Rhein und eine lange Tradition. In so einer Idylle sind es jedoch die kleinen Probleme, die irgendwann auffallen, besonders denen, die schon länger dort leben. "Wir wohnen an einem sehr schönen Fleckchen", sagt Anwohnerin Karin Nell. "Aber eine wirkliche Gemeinschaft gab es hier bis vor kurzem nicht. Zwar sind wir alle Nachbarn, aber es herrschte jahrelang immer eine gewisse Anonymität unter den Menschen. Das wollten wir ändern." Zusammen mit fünf anderen Bürgern gründete sie daher die "Nachbarschafts-Werkstatt", eine Initiative für ein besseres Zusammenleben aller Golzheimer.

Noch ist es ein sehr junges Projekt. Vor ungefähr drei Monaten organisierte die Initiative unter dem Motto "Nachbarschaft wagen" ihr erstes öffentliches Treffen — mit großem Erfolg. Mehr als 70 Anwohner kamen zu der Versammlung in den Räumen der Tersteegen-Kirchengemeinde. Dort tauschten sie sich untereinander aus, lernten sich kennen und formulierten ihre Wünsche und Vorstellungen für die Zukunft des Stadtteils mit Hilfe eines Fragebogens. Dabei kamen viele Ideen zusammen: ein Treffpunkt für die Bürger in Form eines Nachbarschaftscafés, gemeinsame Museumsbesuche, ein Lauftreff für sportlich interessierte Anwohner oder ein Wochenmarkt. "Diese Dinge müssen nicht unbedingt viel Geld kosten", sagt Gründungsmitglied Günter Friedeler. "Man kann auch auf andere Weise für mehr Lebensqualität und ein Zusammenrücken in der Nachbarschaft sorgen. Die Hauptsache ist, dass wir die ersten Schritte wagen." Einige Vorhaben wurden schon tatkräftig umgesetzt. Mittlerweile gibt es das gemeinsame Joggen und auch einen Häkelkursus für die Damen. Ein weiteres ehrgeiziges Projekt — der Kochkurs nur für Männer — ist auch schon in Planung.

Die Initiative will kontinuierlich weiter wachsen. "Dafür braucht es viel Zeit und vor allem Fingerspitzengefühl", sagt Karin Nell. "Wir präsentieren uns im Ort mit einfachen Mitteln, beispielsweise durch einen ganz simplen Schaukasten." Außerdem veranstalten die Nachbarn jeden Monat ein gemütliches Picknick, meistens im Nordpark, ihrem großen "Vorgarten". Der Großteil der Gruppe besteht aus Senioren, aber auch jüngere Anwohner sind stets willkommen. "Es wäre schön, wenn wir eine bunt gemischte, generationenübergreifende Gruppe wären", meint Jutta Heenen. Sie selbst wohnt seit vier Jahren in einem Zehn-Parteien-Haus und hat dort bereits ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut. "Besonders die älteren Menschen dürfen mit ihren täglichen Problemen nicht alleine gelassen werden", meint sie. "Außerdem sind sie durch ihre lange Lebenserfahrung sehr wertvoll für uns alle.

Nicht nur die persönlichen Wünsche werden in der Nachbarschafts-Werkstatt thematisiert, sondern auch langfristige Veränderungen im Stadtteil, beispielsweise die Verkehrsanbindung Golzheims oder mangelnde Einkaufsmöglichkeiten. "Wenn wir alle Bedürfnisse zusammengetragen haben", so Friedeler, "werden wir uns auch bei der Bezirksvertretung vorstellen und die Anliegen vorbringen." Bis dahin werden die Nachbarn weiter fleißig für ein besseres Zusammenleben arbeiten. Das nächste Projekt: ein "Kreativtreffen", bei dem die Bürger unter Anleitung einer Künstlerin Parkbänke bauen wollen.

(mro)
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