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Grafenberg: Mit Bildern die Gemeinschaft festigen

Grafenberg : Mit Bildern die Gemeinschaft festigen

Wolfgang Brüggmann bringt durch Malerei verschiedene Gruppen innerhalb der Gemeinde St. Ursula zusammen.

Zu sehen, wie seine Teilnehmer sich in ihren Bildern verlieren, alles um sich herum vergessen und die Zeit einfach nur genießen, ist für Künstler Wolfgang Brüggmann das schönste an seiner Arbeit. Der 64-Jährige engagiert sich ehrenamtlich in der katholischen Gemeinde St. Ursula.

Gerade hat er mit Teilnehmern aus dem Umfeld der Graf-Recke-Stiftung und der Gemeinde die Ausstellung "Arbeiten aus dem Atelier" konzipiert, die zurzeit im Pfarrsaal an der Margaretenstraße zu sehen ist. Vom Linolschnitt über Radierung bis hin zu bildhauerischer Arbeit ist alles dabei.

"Bei mir können Menschen, die ansonsten fremdbestimmt sind, frei arbeiten", erklärt Brüggmann sein Konzept. Ihm ist es wichtig, dass das Miteinander, Inklusion genannt, gut funktioniert. Denn seine "Klienten", wie er die Teilnehmer aus dem Umfeld der Graf-Recke-Stiftung nennt, haben mit ganz unterschiedlichen psychischen Problemen zu kämpfen. "Bei mir in der Gruppe können sie sich frei bewegen und sich in verschiedenen künstlerischen Techniken ausprobieren." Brüggmann bietet Hilfestellung bei der Bildhauerei, dem Zeichen, dem Malen mit Acrylfarben bis hin zu Radierungen mit Kaltnadel und Linoldruck an. Besonders stolz ist er auf eine Teilnehmerin, die bis Ende Januar eine Einzeldarstellung ihrer Bilder im Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ) hatte.

Seit rund vier Jahren engagiert sich Brüggmann, die Gemeindemitglieder mit seinen "Klienten" zusammenzubringen. Ein Künstler-Kollege erzählte ihm von solch einem Projekt, bei dem Künstler und die psychisch Kranken ein großes Bild mit einem Herz in der Mitte gemeinsam entworfen haben. Dieses hing mehr als vier Wochen in St. Ursula. "Das hat mich beeindruckt, nicht nur weil ich mich selbst am besten über die Kunst ausdrücken kann, sondern weil das Inklusion im besten Sinne war."

Von diesem Moment an ließ ihn der Gedanke, gemeinsam etwas zu schaffen, nicht mehr los. "Gerade Kinder und psychisch kranke Menschen sind frei in ihren Gedanken, wenn erst einmal ihr Vertrauen gewonnen hat", sagt der gebürtige Düsseldorfer. "Was dann am Ende herauskommt, sich in den Bildern offenbart, fasziniert mich." Sich selbst sieht der 64-Jährige aber in keinem besonderen Licht. "Wer ehrenamtlich arbeitet, macht es auch für sich selbst. Das, was ich gebe, kommt auch zurück", sagt er voller Bescheidenheit.

Mitmachen kann bei Wolfgang Brüggmann jeder, der sich über bildende Kunst ausdrücken und von anderen etwas lernen möchte. "Ohne Respekt vor dem Anders-Sein und Anders-Arbeiten der anderen Teilnehmer geht es aber nicht", betont er.

Für die Zukunft hat er sich einiges vorgenommen. So möchte er Zeichenkurse auch für Senioren anbieten. Außerdem versucht er die Bilder der Ausstellung als Dauerleihgabe in anderen Gemeinden unterzubringen. "Es wäre toll, wenn eine solche Zusammenarbeit gelingen würde."

(RP/ila)