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Pempelfort: Maler kritisiert Umgang mit Tieren

Pempelfort : Maler kritisiert Umgang mit Tieren

Der Künstler Michael Richter hat die Schildkröte zum Symbol für den fragwürdigen Umgang des Menschen mit dem Tier gemacht. In der HWL Galerie zeigt Richter zurzeit seine Bilder.

Obwohl sich eine Schildkröte nur wenig als Kuscheltier eignet, ist sie Liebling vieler Kinder. In zahlreichen Spielzimmern leben die gepanzerten Reptilien in Terrarien zwischen Bauklötzen, Modellautobahnen und Plüschtieren. Auch Michael Richter bekam als Kind eine Schildkröte geschenkt und ist seitdem Liebhaber dieser Tiere. Jedoch ist die Schildkröte für den in Bilk lebenden Maler mehr als ein Haustier. Für Richter symbolisiert die Schildkröte die Krönung der Schöpfung ebenso wie den fragwürdigen menschlichen Machtanspruch ihr gegenüber. Michael Richter widmet der Schildkröte, die zu der am meisten vom Aussterben bedrohte Wirbeltierart gehört, nun eine Ausstellung. Unter dem Titel "Die Krönung der Schöpfung steht am Ende der Nahrungskette" zeigt Richter seine Bilder in der HWL Galerie.

Kompliziert zu entschlüsseln sind die Motive nicht. Michael Richter präsentiert auf den Leinwänden seine Meinung deutlich. Das Titelbild etwa zeigt eine Schildkröte auf einem Teller liegend. Davor sitzt ein Mädchen wie bei einem Tischgebet. "Früher", so sagt Richter, "war in Deutschland die Schildkröte eine Fastenspeise – diese Zeiten sind aber lange vorbei." Auch geht die Zeit zur Neige, in der die europäische Sumpfschildkröte in deutschen Gewässern ihre Runden schwamm. Die Art gilt als bedroht und kommt in Mitteleuropa nur noch selten vor. Ein weiteres Bild Richters heißt "Und die elfte Plage war der Mensch". Auf dem Großformat ist eine ganze Population kleiner Panzertiere zu sehen. Sie kriechen von links nach rechts – ganz so, als eilten sie freudig erregt zum Meer, nachdem sie gerade aus ihren im Sand liegenden Eiern geschlüpft sind. Die düstere Zukunft der Schildkröten jedoch symbolisiert Richter mit der Farbgebung: Je näher sich eine der gemalten Jungtiere dem rechten Bildrand nähert, desto mehr verblasst ihre Farbe. Das Werk "Die Krönung der Schöpfung", das der Ausstellung den Titel gibt, zeigt den Rachen einer riesigen Schildkröte, dem ein winziger Mensch gegenübersteht – kurz davor, selbst verschlungen zu werden. "Dieses Bild soll eine Warnung sein", sagt Galerist Klaus Peter Pfeifer und erklärt: "Wenn der Mensch weiterhin mit seinen Ressourcen so schlecht umgeht, könnten sie bald erschöpfen. Dann hat der Mensch sich selbst sein Ende gesetzt."

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Der 36-jährige Michael Richter erlernte in einem Pempelforter Betrieb das Handwerk des Vergolders. Diese Fertigkeit ist in einigen seiner Werke zu sehen. Das vierteilige Bild "Die Vulnerabilität von 250 Jahren Evolution" etwa hat vergoldete Hintergründe und zeigt Embryonen in vier Stadien ihrer Entwicklung. "Richter möchte die Verletzlichkeit des Lebens festhalten – das Leben, das ein Werk für sich ist", sagt Pfeifer. Aber so viel Aufwand, das Leben und dessen fatale Ausbeutung zu zeigen, braucht es gar nicht. Überraschend wirkungsvoll ist Richters Idee, der Ausstellung einen fragwürdigen Scherzartikel hinzuzufügen: An einem Nagel hängt eine durchsichtige Plastikkugel, in der eine tote Schildkröte hin und her schwappt. "Es scheint mir unerträglich arrogant und überheblich, sich so über die Würde des Lebens hinweg zu setzten", sagt Richter.

(lod)