Bilk : Lustiges rund um den Kirchturm

Beim letzten Treffen der Bilker Heimatfreunde in diesem Jahr erzählte Pfarrer Martin Kammer von der Friedens-Kirchengemeinde unter dem Titel "Topstorys einer Kirchengemeinde" von der Geschichte seiner Gemeinde. Die Zuhörer konnten über manche Anekdote lachen.

Die Evangelische Friedens-Kirchengemeinde kann auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Martin Kammer ist schon seit 1987 Pfarrer im zweiten Bezirk der Gemeinde und hat selbst so einiges in dieser Zeit erlebt. Beim letzten Treffen der Bilker Heimatfreunde in diesem Jahr im Unterbilker "Fuchs im Hofmann´s" mit traditioneller Weckmann-Verlosung erzählte Kammer die "Topstorys aus seiner Kirchengemeinde". Dabei berichtete er nicht nur von seinen eigenen Erlebnissen, sondern auch von Geschehnissen lange vor seiner Zeit als Pfarrer. "Manche der Geschichten sind heiter, manche sind nicht so schön", sagte er.

Künstler malte Friedenskirche aus

Weil die Zahl der Gemeindemitglieder im Zuge der Industrialisierung immer mehr anstieg, entschied das Presbyterium, eine neue Kirche zu bauen: Am 14. August 1896 wurde der Grundstein der Friedenskirche gelegt, die am 11. Mai 1907 feierlich im Beisein des Kronprinzen an die Gemeinde übergeben wurde. Der Künstler Eduard Gebhardt machte die Kirche mit seinen Wandbildern zu einem beliebten Touristenziel. Von 1899 bis 1907 pinselte er Bibelszenen in Zusammenarbeit mit seinen Schülern, die teils mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen sind, an die Wände der Kirche. "Hier sehen die Taufe von Johannes", sagte Kammer und zeigte dabei eine Aufnahme des Wandbildes. "Die Taufe findet auf dem Bild im Grafenberger Wald statt. Und sehen Sie hier den Mann, der kein Bußgewand trägt? Das ist Bismarck", erklärt er den überraschten und lachenden Zuhörern. Die alte Friedenskirche wurde mit allen bis auf ein Wandbild im Zweiten Weltkrieg beim Pfingstangriff am 11. und 12. Juni 1943 zerstört. Auch von den Trümmern der Kirche zeigte Kammer den Bilker Heimatfreunden Aufnahmen. Zügig nach dem Krieg wurde die Friedenskirche mit einigen Baumängeln wieder aufgebaut. Zu den Mängeln gehörte auch der sparsame Gebrauch von Zement in den Fugen der Kirche. Vor wenigen Jahren musste der Kirchturm deshalb saniert werden. Dafür wurde ein Gerüst an den Turm gebaut.

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"Sie glauben nicht, wie aufmerksam die Bewohner der Kirchfeldstraße sind. Ich wurde nachts bestimmt sechs oder siebenmal angerufen: Da ist wieder jemand, der sich umbringen möchte." Dank des Gerüsts hatte die Kirche nach der Zerstörung der Wandbilder dann ein neues beliebtes Ausflugsziel. "Eines Nachts sind sogenannte Free Climber auf das Gerüst geklettert. Ein Neuseeländer und ein Student. Die haben da oben eine Flasche Wein getrunken und ein bisschen gekifft", sagte Kammer. Auch Kammer selbst zog es in einer Nacht auf das Gerüst – in Begleitung des Polizeidirektors. Unbemerkt blieb das nicht: Streifenbeamte ertappte die beiden Männer dabei. "Der Polizeidirektor hat die Beamten dann wieder nach Hause geschickt", sagte Kammer und lachte.

(RP)