Ludenberg : Privatklinik in der Rolandsburg

Aus dem ehemaligen Hotel ist die Fachklinik Via Mentis für psychosomatische Medizin mit 46 Betten geworden. Die ärztlichen Leiter waren den Krankenhaus-Alltag leid und wollen sich mehr Zeit für die Patienten nehmen.

Es sind die Krankheiten des neues Jahrtausends: Burnout und Depression, Adipositas und Bulimie, Phobien und Panikattacken. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bilden ein noch recht junges, gerade einmal 25 Jahre bestehendes Fachgebiet. "So lange ist es noch nicht her, da hätte man Patienten mit entsprechenden Symptomen wohl in eine Psychiatrie eingewiesen", sagt Udo Simson, einer der beiden ärztlichen Leiter der Via Mentis, der Fachklinik, die sich auf eben dieses medizinische Terrain konzentriert.

Dafür wurde die Rolandsburg, das ehemalige Hotel an der Rennbahnstraße, kernsaniert und innerhalb von einem Jahr komplett umgebaut. Rund elf Millionen Euro hätten der Kauf und der Umbau gekostet, sagt Geschäftsführer Friedhelm Sicking. Seit Januar werden Patienten aufgenommen. Über 46 Betten verfügt das Haus, das sowohl für die stationäre Behandlung als auch für Tagesklinik-Patienten ausgerichtet ist.

Der Standort im Stadtteil Ludenberg sei ideal, sagt Simson. "Für so ein Vorhaben muss man entweder neu bauen oder wird allenfalls im Gewerbegebiet fündig. Wir haben gezielt nach einem zum Verkauf stehenden Hotel Ausschau gehalten. Die Rolandsburg war schon deswegen optimal, weil sie idyllisch mitten im Wald liegt, so ideal für Bewegungsangebote von Nordic Walking bis Wandern ist und auch sonst einen hohen Erholungsfaktor bietet. Und trotzdem ist das Haus nicht am Ende der Welt, sondern fast schon zentral gelegen." Viele der Räume hätten im Zuge des Umbaus einen neuen Zuschnitt erhalten, um dort beispielsweise Gruppentherapien oder auch Kunst- und Musiktherapie zu ermöglichen. Im Wesentlichen komme die Hotelstruktur dem beabsichtigten Standard, den Patienten Einzelzimmer anbieten zu wollen, aber natürlich entgegen. Noch ist nicht alles fertig, gerade im Untergeschoss muss bei Schwimmbad, Sauna oder im Fitnessbereich noch Hand angelegt werden, "aber wir sind schon angekommen", betont Sicking.

Das Behandlungsspektrum der Klinik ist in gewisser Hinsicht ein Spiegelbild der schnelllebigen Gesellschaft und umfasst neben den eingangs erwähnten Erkrankungen auch somatoforme Störungen. "Es fühlt sich an, als ob die Schmerzen körperlicher Natur sind, sie sind aber seelisch bedingt", erläutert Simson und nennt als Beispiel Reizdarm oder Reizmagen. Auch starke Ängste nach einem Herzinfarkt würden zunehmen. "Man hört in sich hinein, nimmt jeden Herzschlag wahr, als könnte es der letzte sein", erklärt der Facharzt für psychosomatische Medizin. Neben Burnout oder anderen Erschöpfungssyndromen könnten auch fehlende Anerkennung oder ungerechtfertigte Kritik am Arbeitsplatz negativ auf die Psyche Einfluss nehmen, so dass der Betroffene krank wird.

Zwischen einer und acht Wochen bleiben die Patienten zumeist in der Klinik. Rund 30 Personen arbeiten aktuell in der Rolandsburg in Ludenberg, mittelfristig sollen es einmal doppelt so viel werden. Mit der Gründung der Klinikgesellschaft Rolandsburg GmbH als Rechtsträgerin der Klinik Via Mentis sind die beiden ärztlichen Leiter nach eigener Aussage zwar sicherlich auch ein finanzielles Risiko eingegangen, vom Erfolg sind sie aber fest überzeugt. "Wir wollen hier alles etwas anders machen, uns mehr Zeit nehmen für die Patienten, in Einzelgespräche investieren", sagt Walter Schurig.

Der normale Klinikalltag habe sie gelehrt, dass genau das mit der momentanen Krankenhausfinanzierung nicht vereinbar sei. "Wir wollen bessere Rahmenbedingungen, eine bessere Qualität bieten - und uns auch selbst mal eine Mittagspause gönnen", erklärt Walter Schurig.

(RP)