Karneval : In Eller dominieren die Fußgruppen

Familiärer Veedelszoch lockt in Eller und Lierenfeld tausende Jecke auf die Straße.

Wenigstens ein Mal im Jahr, da kann, darf, ja da soll man so richtig aus sich rausgehen dürfen. In Eller ist das zweifelsohne so, wenn der Veedelszoch ansteht. Da liegen sich Nachbarn freudetrunken schunkelnd in den Armen, die sich sonst allenfalls kurz grüßen. Da wird die eigene Garage, wenn sie denn am Zugweg liegt, ausgeräumt und zur Mini-Kneipe umgerüstet. Und da hat auch der seriöseste Geschäftsmann plötzlich keine Probleme damit, im Tütü und mit Perücke über die Straße zu tänzeln.

Nachdem die Narren zuvor auf dem Gertrudisplatz beim Biwak schon kräftig vorgefeiert haben, versammeln sich alle ab 12 Uhr an der Schlesischen Straße, um sich für den Zoch durch Eller und Lierenfeld vorzubereiten. Ein Polizist lässt noch schnell ein Auto abschleppen, während sich zwei Kollegen im Schweidnitzer Eck ein Käffchen gönnen. Das Geschäft in der Konditorei Glomm läuft heute bestens, mit leerem Magen zieht es sich schlecht. Mehrere Hauseingänge werden zur Partyzone erklärt, bei einem Fässchen Bier bleibt es heute nicht. Der Privat-Pkw eines der Organisatoren ist mit Kamelle und Bonbons randvoll bis unters Dach gestopft, die müssen jetzt noch verteilt werden.

Dann geht es endlich los. Die Roten Teufel aus Eller und Lierenfeld verbreiten kein Schrecken, sondern nur Frohsinn. Die Knastbrüder aus Oberbilk haben sich heute selbst Freigang erteilt. Natürlich zieht der TSV Eller mit. Die Gurkenländer mit Prinz Olli veräppeln auf Karikaturen Merkel, Putin und Trump. Die Mirjam Kirchengemeinde tuckert mit einem kleinen Zug durch Eller. Es sind auffallend viele Zwerge, die mitlaufen, wobei Laufen ein gutes Stichwort ist. Klar gibt es auch Wagen, aber im Veedelszoch in Eller dominieren vor allem die Fußgruppen, fast 30 sind es, die von diversen Musikgruppen unterstützt werden. Kermit und Miss Piggy feiern knutschend Wiedervereinigung. Und die Jrön-Wisse Jonges schwitzen im Bärenkostüm und können sich nicht so recht entscheiden, ob sie Karnevalslieder oder nicht doch lieber Fortuna-Schlachtrufe singen sollen. „Lach mit, mach mit“, heißt das Motto in Eller jedenfalls in diesem Jahr, und dem will sich keiner verschließen.

In Eller ist die Teilnahme am Zoch kostenlos, jeder kann mitmachen, deswegen ist alles auch so familiär. Arbeit fällt natürlich trotzdem jede Menge an, die wird von den emsigen Mitgliedern des Vereins Veedeslzoch Eller geschultert.

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