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Peter Frymuth aus Düsseldorf-Lohausen: So erlebt er den Lockdown

Lockdown in Düsseldorf : „Ich finde mal Zeit, ein Buch zu lesen“

Peter Frymuth hat im Lockdown genug zu tun – als Chef der Bezirksverwaltungsstelle und Fußballfunktionär. Homeoffice ist nicht sein Ding, Frymuth bevorzugt seinen Arbeitsplatz im Eller Rathaus.

Ein paar hundert Zuschauer waren beim Pokalendspiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen in diesem Jahr in Berlin zugelassen, Fans beider Mannschaften und Delegierte. Als DFB-Vertreter war ich auch dort, und ich muss sagen, es war deprimierend und gespenstisch. Fußball ohne Zuschauer, daran kann ich mich nicht gewöhnen. Wer das tut, der hat sich die falsche Sportart ausgesucht. Das gilt nicht nur für das Stadion, sondern das ganze Drumherum, die Atmosphäre in den Städten, wenn sich die Anhänger der Teams friedlich begegnen.

 Die Vereine leben von der Stimmung, das geht bis weit runter in die Ligen. Dort sind die Plätze seit Wochen leergefegt, so wie alle Anlagen im Amateurbereich. Wenn ich rausschaue und diesen wunderbaren blauen Himmel sehe, dann nimmt mich dies schon mit. Gerade für die Kinder tut es mir leid. Immer wieder stellen Trainer und Übungsleiter die Frage, warum Kinder morgens gemeinsam in der Klasse sitzen können, nachmittags in der OGS sind, danach aber nicht Fußballspielen dürfen. Da finde ich nur schwer eine Antwort drauf, zumal die Trainer und Übungsleiter ehrenamtlich arbeiten, sie jetzt eigentlich mehr Freizeit hätten, sich aber Gedanken um die Kinder machen. Weil Sport ja auch einen ganz wichtigen medizinischen Aspekt hat, Bewegung ist gut, hält fit und gesund. Auf der anderen Seite tragen ganz viele Teile unserer Gesellschaft gerade dazu bei, dass die Infektionszahlen sinken.

 Die Politik hat sich die Entscheidung sicher nicht leichtgemacht, so wie sie es sich auch nicht leichtgemacht hat, dass Profisport mit Hygienekonzepten – allerdings vor leeren Rängen – stattfinden kann. Dass Spiele durchgeführt werden dürfen, das haben am Ende Fachleute entschieden, Mediziner und Gesundheitsämter, das macht es vielleicht auch nachvollziehbarer für Außenstehende.

 Zwischen dem ersten und zweiten Lockdown ist die Arbeit für mich nicht weniger geworden. Im Oktober war ich viel unterwegs auf NRWs Fußballplätzen, und ich bin beeindruckt, wie die Vereine die ganzen Vorgaben zu den Corona-Schutzmaßnahmen umgesetzt haben. Jede Sportanlage ist anders, die Clubs haben Listen, auf denen sich die Besucher eintragen, sie haben Laufwege für Spieler und Zuschauer verändert, Zuschauer- und Spielerbänke voneinander getrennt, Umkleiden dichtgemacht oder Apps installiert, mit denen sie die Besucherzahlen überblicken. Gerade im Kinder- und Jugendbereich sind die Betreuer sehr verantwortungsvoll mit dem Thema Corona-Schutz umgegangen.

 Corona-Schutzmaßnahmen und mehr Organisation machen momentan auch einen großen Teil meines Berufs aus. Ich arbeite nicht im Homeoffice, und ich glaube nicht, dass ich ein Homeoffice-Typ bin. Im Rathaus Eller können wir aber auch sehr gut die Hygiene-Bestimmungen einhalten, und ich glaube, das Rathaus sollte auch besetzt sein. Die Politik erwartet von der Verwaltung, dass sie trotz Lockdown funktioniert, wir mussten nicht nur eine konstituierende Sitzung vorbereiten, sondern auch die Anfragen der Politiker und Bürger beantworten. Wir versuchen, alles schon im Vorfeld zu bearbeiten und zur Verfügung zu stellen, die Kollegen aus den Fachämtern sind dazu angehalten, ihre Vorträge kurz zu halten, damit wir schnell durch die Sitzungen kommen.

 Arbeit bleibt also genug, nur der persönliche Kontakt, der fällt weg. Vieles läuft über Videokonferenzen. Ganz gleich, ob Verwaltung oder Verband. Das schafft ein paar Ressourcen, gerade an den Wochenenden, an denen ich sonst oft zu Vereinen fahre, um mich mit Verantwortlichen an der Basis auszutauschen über Probleme und Sorgen. Ich bin jetzt mehr zu Hause und finde sogar mal Zeit, ein Buch zu lesen. Und bald ist das Buch von Campino dran, „Hope Street: Wie ich einmal englischer Meister wurde“.

Nicole Kampe fasste die Gedanken zusammen.