Integration durch Kunst in Düsseldorf Düsseldorfer Künstlerin malt mit ukrainischen Flüchtlingen

Düsseldorf · Die aus Russland stammende Elena Wohlreich bietet Malkurse für Geflüchtete an und verbindet so kreatives Schaffen mit Integrationsarbeit.

Elena Wohlreich in ihrem Atelier in Lohausen.

Elena Wohlreich in ihrem Atelier in Lohausen.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Wir treffen uns im Atelier von Elena Wohlreich in Lohausen. Die Wände sind voll mit ihren Bildern, besonders Aquarelle mit Pflanzen in leuchtenden Farben, die Räume sind hell und in der Mitte steht ein großer Tisch, an den wir uns setzen und an dem sonst viele ihrer Workshops stattfinden. Eins dieser Projekte ist der „Kreativpoint“, welches gemeinsam mit dem Verein Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf entstanden ist. Im Rahmen des „Kreativpoints“ können ukrainische Flüchtlinge zweimal monatlich bei ihr im Atelier gemeinsam malen und sich austauschen. Elena Wohlreichs Muttersprache Russisch ist hierbei eine große Hilfe. „Diese Menschen haben alle Sorgen im Rucksack“, erzählt sie. Über die Kunst und den Begegnungsraum möchte sie die Menschen unterstützen auf andere Gedanken zu kommen.

Die Künstlerin zog 1993 nach Düsseldorf, nachdem sie die Stadt, bei ihrem ersten Besuch vier Jahre früher, ins Herz geschlossen hatte. Zuvor hatte sie in St. Petersburg Architektur studiert und dort als Architektin gearbeitet. Auch in der „wunderschönen Stadt“ Düsseldorf war sie zunächst als Architektin tätig, fertigte vor allem Architekturgrafiken für Immobilienfirmen an und wurde Mitglied der Architektenkammer NRW.

Zeitgleich wand sie sich mehr und mehr der Malerei zu, gleichwohl dankbar dafür, nicht den Zwang zu haben damit Geld verdienen zu müssen, erzählt sie. In den darauffolgenden Jahren machte sie Ausbildungen unter anderem in den Bereichen transpersonale Psychologie und Gedächtnistraining. Ihre vielseitigen Kenntnisse nutzt Elena Wohlreich seit 2012 in ihren Workshops und Kursen und kann so kreatives Schaffen mit Bildungs- und Integrationsarbeit verknüpfen.

Immer wieder kommen wir darauf zu sprechen, welche Aufgaben Kunst für Elena Wohlreich in der Gesellschaft übernimmt. Es ginge bei Kunst nicht nur darum sich selbst auszudrücken, sondern auch darum Flexibilität im Geist und Körper zu fördern. Diese sei sehr wichtig, um sich erfolgreich in einem neuen Umfeld zu integrieren. Außerdem ermögliche Kunst es Menschen, Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können und so Offenheit für beispielsweise andere Kulturen zu lernen, erklärt Wohlreich, die neben der Malerei auch fotografiert. Sie sieht Kunst als „Werkzeug zur geistigen Weiterentwicklung, welches einem hilft innere Schwellen zu überwinden“. Dies sei auch einer der Gründe, warum sie vorwiegend mit Erwachsenen arbeitet. „Viele Erwachsene sind im Geiste viel eingeschränkter als Kinder.“ Sie würden mehr in festgefahrenen Mustern denken und müssten „in Bewegung gebracht werden“, sagt die Künstlerin.

Im Rahmen der Initiative „Kultur hilft Kultur“ vom Kulturrat NRW hat Wohlreich die Finanzierung für ein weiteres Projekt zur Verfügung gestellt bekommen. Hierfür hat sie sich mit der aus der Ukraine geflüchteten Künstlerin Irina Ganaza zusammengetan. Gemeinsam entwickeln sie zurzeit eine Ausstellung zum Thema Räumlichkeit, in der die Werke von Menschen, die ebenfalls aus der Ukraine geflüchtet sind, ausgestellt werden sollen.

Info Elena Wohlreich bietet unter anderem auch Malworkshops über die Volkshochschule an. Für eine Teilnahme am „Kreativpoint“ können sich aus der Ukraine geflüchtete Menschen über Whatsapp bei ihr melden (+49 159 01226257).

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