Gastronomie in Lohausen : Ein Bürgermeister mit eigener Kneipe

Bezirksbürgermeister Stefan Golißa ist im Stadtteil Lohausen tief verwurzelt. Dass die Traditionskneipe „Zum armen Mann“ geschlossen werden sollte, wollte er nicht einfach hinnehmen.

Langeweile oder zu viel Freizeit dürften kaum die Beweggründe gewesen sein, dass Stefan Golißa nun auch die Geschäftsführung einer Kneipe übernimmt. Denn der 40-Jährige ist nicht nur Vater von zwei kleinen Kindern, sondern führt auch einen Dachdeckerbetrieb mit 24 Mitarbeitern. Zudem ist der Lohauser seit vier Jahren Bezirksbürgermeister für den Stadtbezirk 5, investiert im Schnitt 15 bis 20 Stunden in der Woche in dieses Ehrenamt.

„Ich habe den Niedergang der Kneipe ,Zum armen Mann’ verfolgt, und das hat mir einfach weh getan. Schließlich habe ich viel schöne Zeit, meine halbe Jugend dort verbracht“, sagt Golißa. Denn die Eckkneipe an der Alten Flughafenstraße ist das Stammlokal des Tambourcorps Rheinklänge, dem Golißa seit vielen Jahren angehört. Bereits vor eineinhalb Jahren hat er deshalb Kontakt mit dem Verpächter des Gebäudes aufgenommen. Als Ende Mai endgültig der Betrieb im „Zum armen Mann“ eingestellt wurde, war für Golißa klar, dass er die Kneipe erhalten wollte und hat diese Pläne jetzt schnell umgesetzt. „Das geht aber nur, weil ich in meinem Betrieb zwei tolle Meister habe, die das Tagesgeschäft übernehmen und ich mich inzwischen in die politischen Themen des Düsseldorfer Nordens eingearbeitet habe und die Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltungsstelle sehr gut klappt.“

Seit drei Wochen wird in dem Backsteingebäude nun renoviert. „Ich habe zum Glück gute Freunde, die mir dabei helfen.“ Aber auch die Familie packt mit an. „Meine Mutter putzt seit Tagen, und meine Frau Jessica ist laufend vor Ort und packt mit an oder versorgt uns mit kühlen Getränken und Eis.“ Die Sanitäranlagen wurden vollständig erneuert, die Wände abgeschliffen und gestrichen, neue Küchengeräte installiert und neue Außenmöbel bestellt. Dabei gab es auch manch böse Überraschung. „Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass der Lärm aus dem Gastraum zu extrem in den oberen Stockwerk zu hören war und mussten eine Schallschutzdecke einziehen.“ Denn im Obergeschoss befinden sich noch vier Gästezimmer, die ab Oktober vermietet werden sollen.

Jetzt wird aber erst einmal morgen die Kneipe neu eröffnet. Dort wird künftig der Dachdeckermeister aber nicht selber hinter der Theke stehen. „Ich habe glücklicherweise einen in der Gastronomie sehr erfahrenen Mitarbeiter gefunden, der den Betrieb leiten wird. Ich bin der Geschäftsführer und übernehme das Controlling.“ Entstehen soll ein Treffpunkt im Dorf, ein Ort, an dem die Menschen miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsam etwas trinken und auch zusammen Fußball schauen. Ein entsprechendes Abo hat Golißa bereits geschaltet. Zu den vielfältigen Getränken werden so genannte Bier begleitende Speisen serviert, also zum Beispiel Frikadellen, Schnitzel, Pfefferbeißer und Mettbrötchen. Diese werden von der Metzgerin Judith Förster geliefert. „Ein Restaurant wollen wir nicht sein, davon gibt es genug in der Umgebung“, sagt Golißa.

Aber ein Frühstücksbuffet soll es sonntags geben. „Weil ich persönlich gerne am Wochenende auswärts frühstücken gehe.“ Dazu hat Golißa in der nächsten Zeit reichlich Gelegenheit, denn für ihn geht es jetzt erst einmal in den Urlaub. „Den habe ich dringend nötig, und außerdem habe ich das der Familie versprochen. Das war der Deal!“