Lörick/Stadtmitte: Sänger interpretieren Pop und Jazz

Lörick/Stadtmitte : Sänger interpretieren Pop und Jazz

Der 2010 in Lörick gegründete Gospelchor "Coloured Voices" tritt morgen in der Philippus- und am Samstag in der Johanneskirche auf.

Sie ist immer auf Männersuche. Das gibt Felicia Friedrich, Gesangspädagogin und Chorleiterin des Löricker Gospelchors "Coloured Voices", heiter zu und betont: "Jeder ist ein Sänger. Wir nehmen alles, egal ob Tenor, Bariton oder Bass." Der Aufruf wundert nicht, denn gerade mal sechs Männer gehören zum insgesamt 35-köpfigen Ensemble. Sind Männer gefragt, so haben sangesfreudige Frauen im Moment wenig Aussicht auf einen Platz in der Gruppe. "Es gibt eine Warteliste", bestätigt Felicia Friedrich.

Trotz Männermangel funktioniert die Chorgemeinschaft gut, die ein Produkt der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel ist. Dafür sprechen zehn Auftritte pro Jahr, zwei große Konzerte in der Philippuskirche oder der ökumenische "Evensong" der liturgischen Nacht in Lörick, aber auch ein Auftritt in der zum Mitsingen ansteckenden Enge des Jazzlokals "Destille" in der Altstadt. Nicht zu vergessen die musikalische Gestaltung der acht Gottesdienste pro Jahr - das Kerngeschäft des Chores. Viele Musikfreunde konnten sich bisher von dem kontinuierlich wachsenden Niveau der Vokalisten überzeugen.

Der erfolgreiche Weg begann 2010, als Andreas Spira die Idee umsetzte, ein Angebot für jüngere Frauen und Männer zu schaffen, die gerne singen. Von Anfang an war Chorleiterin Felicia Friedrich dabei. "Wir sind mit wenigen Leuten gestartet", sagt sie und verschweigt nicht, dass sie stolz auf "ihre" Sängerschar ist, die es schafft, mit ihren Stimmen die große Auferstehungskirche zu füllen und jeden Mittwoch, nach der Tagesarbeit, im Philippussaal von 20 bis 21 Uhr intensiv zu proben.

"Coloured Voices" ist aber nicht nur ein religiös orientierter Chor. "Wir tragen keine Kutten und klatschen auch nicht in die Hände", sagt Felicia Friedrich. "Unsere Auftrittskleidung ist bunt, unser Repertoire, zu dem auch Pop und Jazz gehören, vielfarbig." Dafür steht ebenso der Spaß am Chormix, an jazzigen Harmonien, an Swing- oder Pop-Grooves. Am Wochenende wird "Coloured Voices" einmal mehr ein Beispiel dafür geben. Am Samstag in der Löricker Philippuskirche und am Sonntag in der Johanneskirche. Präsentiert wird unter anderem die "Gospelmesse" und das "Magnifikat" von Robert Ray. Die Besucher erwartet eine "farbige" Mischung unterschiedlicher Jazz- und Pop-Arrangements (s. Info-Kasten).

Was aber hält die Truppe zusammen, die sich nach getaner Arbeit regelmäßig im Saal der Philippuskirche trifft, um gemeinsam den einheitlichen Chorgesang zu üben? Eine Antwort darauf hat der selbstständige Architekt und Sänger Thies Kreitz. "2014 habe ich den Chor erstmals gehört und war sofort beeindruckt. Da singen 30 Leute, und ihre Stimmen verschmelzen zu einem Klang." Gestresst sei er zur ersten Probe gegangen und habe sie danach entspannt verlassen. Der Chor bestehe zwar aus Laien, die ein Hobby ausübten, aber hoch ambitioniert seien, ergänzt Kreitz, der seine Teilnahme nicht als reine Freizeitgestaltung sieht. "Für mich ist es Erfüllung nach einem arbeitsreichen Tag." Vor allem schätze er die professionelle und engagierte Anleitung der Chorchefin. Felicia Friedrich ist froh, dass der Chor im Saal der Heimatgemeinde Philippuskirche proben kann. "Trotz der Sparmaßnamen, die die evangelische Kirchengemeinde Oberkassel umzusetzen hat, ist es ein Privileg, dass neben dem traditionellen Kirchenmusiker eine Gospelchorleiterin honoriert wird."

(RP)
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