Radweg von Meerbusch nach Düsseldorf endet im Nichts am Böhler Areal

Lörick : Radweg Böhlerstraße endet im Nichts

Die Stadt Meerbusch hat einen Radweg hinter dem Areal Böhler als Verbindung nach Düsseldorf gebaut. Da die Landeshauptstadt den Weg aber nicht fortsetzt, entstehen oft gefährliche Situationen.

1190 Meter lang, 650.000 Euro Kosten, Zuschuss vom Land in einer Höhe von einer halben Million Euro: Das sind die Eckdaten für den Ausbau des Radwegs zwischen Meerbusch und Düsseldorf entlang des Areal Böhler. Aber: Allein die Stadt Meerbusch erfüllt zurzeit ihre Seite einer Vereinbarung, bei der Stadt Düsseldorf steht diese Verbindung unter „ferner liefen”. Dabei waren sich beide Städte bei Ausbau und Finanzierung der benachbarten neuen Böhlerstraße noch einig.

Der neue Radweg beginnt am Landsknecht/Poststraße in Büderich und führt bis zum Areal Böhler an die Hansaallee heran. Dann aber landen die Radfahrer im Nirgendwo. Zumindest nicht auf einem weiteren Düsseldorfer Radweg, sondern an einer belebten und unübersichtlichen Kreuzung. Denn genau am Ende des 1190 Meter langen Radwegs befindet sich die viel befahrene Einfahrt zum Areal Böhler.

Düsseldorf hat zwar auch ein Radwegekonzept, hat aber andere Prioritäten. „Der Bereich Hansaallee zwischen Böhlerstraße und Schiessstraße ist Bestandteil des Konzeptes für das Radwegehauptnetz in der Landeshauptstadt. Er stellt momentan aber leider noch eine Lücke im Netz dar. Die Planung und Realisierung der Einzelprojekte muss schrittweise und auf Basis einer entsprechenden Priorisierung erfolgen. Zunächst werden die 17 Projekte des Radwegehauptnetzes umgesetzt, die der Rat der Stadt Düsseldorf am 13. Dezember 2018 beschlossen hat. Danach werden die weiteren Projekte umgesetzt.“ Das ist die offizielle Antwort aus dem Rathaus von Düsseldorf, die Stadt-Sprecher Volker Paulat im Namen des Verkehrsmanagements auf Anfrage unserer Redaktion schreibt. Heißt im Klartext: Die Verlängerung des Meerbuscher Radweges steht frühestens auf Platz 18 des Düsseldorfer Radwegekonzepts.

Das will die linksrheinische Bezirksvertretung aber nicht einfach so hinnehmen. Die Grünen haben deshalb einen Antrag gestellt, welcher der Fachgruppe Radverkehr vorgelegt werden soll. „Als die Prioritäten festgesetzt wurden, stand noch nicht fest, wann Meerbusch bauen wird. Jetzt hat sich die Situation verändert und die Pläne müssen neu bewertet werden“, sagt Tobias Kühbacher (SPD), Mitglied der Bezirksvertretung und der Fachgruppe. Dass dann ein zeitnaher Ausbau kommt, hält der Politiker dennoch für eher unwahrscheinlich.

Das ärgert und besorgt einen Mann ganz besonders: Patric Gellenbeck, Standortleiter des Areal Böhler, sieht jeden Tag, welche Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer an der Einfahrt zu seinem Gelände bestehen. Denn die Radfahrer, die aus Meerbusch kommen, müssen sich durch die zahlreichen Pkw, aber vor allem Lkw schlängeln, die die Hansaallee oder die Böhlerstraße befahren. Die einen in die Richtung, die anderen in die – hinzu kommt der Anlieferverkehr fürs Areal, der sich an der Engstelle schon mal extrem knubbelt. Dass dort ein Radfahrer in einen Unfall verwickelt wird, sei sicher nur eine Frage der Zeit, so Gellenbeck. Jetzt will die Stadt ein kleines Stück Fläche von ihm – genau dort, wo die Fahnenmasten stehen –, um einen Fahrradständer aufzustellen. Das hält Gellenbeck für nicht sinnvoll, weil es die Situation noch mehr verschärft. Denn dort sollen die Fahrradfahrer ihr Rad abstellen, die zur Bahnhaltestelle gehen wollen. „Auch die müssen dann über die Straße und mitten durch den Verkehr.“ Gellenbecks Lösungsvorschlag: Er wäre zu Gesprächen bereit, ein Teil des gegenüberliegenden Grundstücks abzugeben, damit die jetzt noch gefährliche und unübersichtliche Kurve vergrößert werden kann.

Er sieht ein weiteres Problem: Denn Gellenbeck hält es für ebenso wenig sinnvoll, die Radfahrer gemeinsam mit den Autofahrern auf eine Fahrspur zu lenken. Denn das Stück Hansaallee vom Areal längs des Kinos bis hoch zur Schiessstraße wird zur Hälfte von parkenden Autos belegt. Das weiß auch Rolf Tups, linksrheinischer Bezirksbürgermeister: „Uns erreichen immer wieder viele Beschwerden über dieses wilde Parken.“ Auch längs der Bahnstrecke würden die Wagen abgestellt. Dort bestehe überall Halteverbot. Tups weiß auch, dass das komplette Gebiet vor und hinter dem Areal Böhler inklusive Neubauwohngebiet „vierzig549“ sowie der geplanten und irgendwann realisierten U81 in den nächsten Jahren intensiv umstrukturiert wird. Das heißt: Dann kommen dort sowieso noch einige Baustellen hin, die die Fahrradfahrer an der klaren Durchfahrt hindern würden.

Beim Rechtsabbiegen Richtung neue Böhlerstraße wird es eng. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Stephan Benninghoven, Wirtschaftsförderer der Stadt Meerbusch, vereinbart jedenfalls zurzeit einen Termin zwischen beiden Städten, um über die Verkehrsproblematik an der Stadtgrenze zu sprechen. Denn ohne einen Anschluss auf Düsseldorfer Gebiet bleibt das teure Bauwerk auf Meerbuscher Seite ein Provisorium.

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