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Lörick: Löricker Jonges feiern 70-jähriges Bestehen

Lörick : Löricker Jonges feiern 70-jähriges Bestehen

Vom 3. bis 6. August feiern die Löricker Schützen ihr Fest auf dem Parkplatz des Freibads Lörick. Zu Gast: die Unkeler Ratsherren.

Alles begann wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Stadt befand sich im Wiederaufbau und an Unterhaltung wurde kaum gedacht. „Lörick war zu der Zeit noch ein richtiges Dorf und kurz nach dem Krieg war hier gar nichts los“, erinnert sich Heinz Deuster, Gründungsmitglied der Schützenkompanie Löricker Jonges. So kam es bei der Löricker Jugend schnell zu Langeweile, da viele nicht wussten, was sie mit sich anfangen sollten. Die Schützenvereine begannen gerade, sich neu zu organisieren. Denn seit 1938 hatte es kein öffentliches Schützenfest mehr gegeben. Und so kamen einige junge Männer, alle zwischen 16 und 20 Jahre alt, auf die Idee eine eigene Kompanie zu gründen. 1948 war es dann so weit. Rund 15 Jungen riefen die Löricker Jonges ins Leben.

„Wir wurden schon vorher im Dorf von allen die Löricker Jungs genannt, da fand Hubert Hermes, dass der Name perfekt für uns sei“, erzählt Deuster, der 5-fache Kompaniekönig. Drei der Gründungsmitglieder sind heute noch aktiv, Bruno Pommerening (90), Heinz Deuster (87) und Arnold Grotjans (85). Willi Tups wurde zum ersten Hauptmann gewählt. Und der erste Regimentskönig der Löricker nach dem Krieg hieß Peter Wellmanns, der aus der neuen Truppe stammte.

Schnell wuchs sie auf 25 Mitglieder an, mehr sollten es auch nicht sein. Einige ältere Jonges kamen aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Für neu zugezogene Mitglieder aus Ostdeutschland gab es ein eigenes Ritual. „Die wurden erst mal in Mönchenwerth, wo unsere Stammkneipe war, im Rhein von uns getauft“, erzählt der 87-Jährige lachend. „Wir hatten schon eine tolle Truppe als wir jung waren.“

Nach dem Krieg lief alles noch sehr einfach ab. Das erste Schießen fand mit einer Armbrust statt. Da die Jungen noch keine Uniform hatten, einigten sie sich auf eine weiße Hose mit weißem Hemd. 1950 stattete die Kompanie sich nicht nur mit den ersten Röcken aus, sie feierte auch ihre Fahnenweihe. Die Jonges engagierten sich in all den Jahren stark in der Löricker Gemeinschaft. Sie organisierten vielzählige Veranstaltungen und der Chor „Löricker Sangesfreude“ entstand aus ihren Reihen. Sie hatten ein eigenes Tambourkorps, „Cäcilia Rotauge“, und organisierten anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens das erste Löricker Dorffest. Es erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Die Kompanie hatte aber nicht nur gute Zeiten. 1976 war ein einschneidendes Jahr für die Löricker Jonges. Auf einem Schlag verließen alle Jungschützen die Kompanie, um eine eigene zu gründen – die „Fidelen Löricker“. Damit fehlte plötzlich den Jonges der Nachwuchs – und das hat sich bis heute nicht geändert. Zwar gibt es immer wieder Neuzugänge, in diesem Jahr sind es zwei, aber das Durchschnittsalter bleibt hoch. Von 19 aktiven Mitgliedern, sind elf über 80 Jahre alt. „Mit 60 sind sie bei uns noch Jungschütze“, scherzt Hauptmann Reiner Baumann. Aber die Kompanie ist gewitzt. „Wir holen uns schon mal Leasing-Schützen“, sagt der Hauptmann. Das können Gastschützen aus anderen Kompanien sein, Ehrenmitglieder oder auch einfach mal ein Nachbar, dem man das Schützenwesen schmackhaft machen will. Damit sich die Gäste wie richtige Jonges fühlen, wird ihnen auch die komplette Uniform zur Verfügung gestellt. Sorgen, dass es die Kompanie irgendwann nicht mehr geben wird, macht sich Baumann nicht. Er sieht positiv in die Zukunft.

Groß feiern werden die Löricker Jonges ihr Jubiläum nicht. Die Kompanie spendiert aber am Samstagabend einen Teil des Unterhaltungsprogramms und hat dafür die „Unkeler Ratsherren“ eingeladen. „Vielleicht haben ja auch unsere Damen noch was für uns geplant“, mutmaßt Deuster. „Die lassen sich bestimmt etwas einfallen. Ohne unsere Damen könnten wir den Schützenverein sowieso vergessen“, setzt Baumann hinzu. „Sie sind immer sehr aktiv und sorgen sich um alles rund um die Kompanie.“ Den Ehrgeiz, im Jubiläumsjahr noch mal die Platte zu putzen, haben die Jonges allerdings nicht. „Mit rund 80 Jahren den Vogel von der Stange zu holen, wäre ja noch in Ordnung. Aber alles, was darauf folgt, wäre dann doch viel zu anstrengend für uns“, erklärt Deuster. Viele Mitglieder könnten mittlerweile auch nicht mehr richtig laufen und seien deshalb bei der großen Parade auf die Kutsche angewiesen.

Mit Sicherheit wird aber am Donnerstag, wenn sich alle traditionell zum Schmücken beim Hauptmann einfinden, das ein oder andere Glas auf das 70-Jährige erhoben werden. „Der Donnerstag ist sowieso immer der schönste Tag beim Schützenfest“, findet Deuster. „Da kommen die Familien zusammen, es wird gegrillt und ausgiebig gefeiert.“