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Düsseldorf-Lörick: Bücherei schließt nach 40 Jahren

Lesen in Düsseldorf : Pfarrbücherei schließt nach 40 Jahren

Weil der Raum zu versteckt liegt und die Ausleihen zurückgegangen sind, machen die Lörickerinnen Schluss.

Durch den Haupteingang geht es vorbei an einem leeren Empfang, weiter durch eine Glastür, die Treppen runter, dann links, einmal quer durch die Cafeteria, in der Senioren gerade Lieder singen. Irgendwo versteckt ist dort eine Tür, die zur kleinen Pfarrbücherei Maria Hilfe in Lörick führt. Barbara Dianati stolpert fast rein, ein bisschen abgehetzt sieht sie aus. Sie schließt die Tür schnell hinter sich, weil es so laut ist da draußen. Sie spaziert durch die zwei Gänge, schaut sich um in den Regalen, greift nach einigen Büchern und gibt die alten bei Maria Becker ab. Barbara Dianati hat seit 17 Jahren eine Ausleihkarte, einmal im Monat holt sie sich Nachschub. Mit dem Rad braucht sie zwei Minuten von zu Hause – ein Luxus, den die Lörickerin bald nicht mehr haben wird. Denn die Pfarrbücherei wird nach mehr als 40 Jahren schließen, die letzten Bücher können am 29. Februar ausgeliehen werden. „Am 1. April ist dann endgültig Schluss hier“, sagt Maria Becker, die 35 Jahre lang ehrenamtlich in der Bücherei gearbeitet hat.

Schweren Herzens haben Becker und ihre Mitstreiterinnen Ursula Stender und Maria Jung, die die Bücherei leitet, sich zu diesem Schritt entschieden. „Weil wir uns hier einfach nicht mehr präsentieren können“, sagt Stender. Nicht immer lag der Raum mit den Büchern, Spielen, CDs und DVDs so ungünstig. Angefangen hatte alles Ende der 70er Jahre im katholischen Kindergarten um die Ecke. 3000 Ausleihen gab es im Jahr, viele Familien und Kinder aus dem Stadtteil haben das Angebot genutzt. Als vor 14 Jahren die Kita umgebaut wurde, „mussten wir raus“, erzählt Becker. Man bot ihnen einen Kellerraum im Caritas-Haus an der Niederdonkerstraße an, „mit der Option, dass wir die Cafeteria nutzen können“, sagt Maria Becker, die schon kurz nach dem Umzug merkte, dass die Ausleihe rückläufig war. Weniger Ausleihen bedeuteten weniger Geld vom Bistum. Das wiederum hatte die Folge, dass das Bücherei-Team nicht mehr so viele neue Bücher anschaffen konnte. Und weil die Cafeteria inzwischen so oft anderweitig besetzt ist zu den Öffnungszeiten der Bücherei, gibt es einfach keinen Platz mehr, wo sich vor allem Kinder gemütlich hinhocken und ein bisschen schmökern können.

Der Kontakt zu den Kindern ist den Ehrenamtlerinnen aber immer wichtig gewesen – gemeinsam mit den Jungen und Mädchen aus dem Stadtteil lesen und sie für Bücher begeistern. „Die Jugend haben wir schon vor einer Weile verloren“, sagt Maria Becker, doch die Jüngeren seien noch gekommen. Viel hatten sich die Frauen einfallen lassen, machten unter anderem mit bei der Aktion Bibfit – ein gemeinsames Projekt von den katholischen öffentlichen Büchereien und Kitas, um Kindern den Umgang mit Büchern und Bibliotheken vertraut zu machen. Und das alles kostenlos. Keine Mitgliederbeiträge, keine Ausleihgebühren – alles von acht Ehrenamtlerinnen organisiert und begleitet. „Das ist aber auch viel Arbeit“, sagt Leiterin Maria Jung, weil Bestellungen und Finanzen gemacht werden müssen, und der richtige Lesestoff ausgewählt werden muss.

Und der war immer gut, findet Barbara Dianati. Eine große Auswahl, „und ich war oft die erste, die ein Buch ausgeliehen hat. Das hat man in der Stadtbücherei nicht“, sagt sie. Demnächst muss Barbara Dianati nach Heerdt, dort liegt die nächste Pfarrbücherei. Einen Ausweis hat sie sich schon machen lassen, aber für Dianati wird es nicht mehr dasselbe sein. Ein paar Tage bleiben Maria Jung, Maria Becker und Ursula Stender noch, bis sie das letzte Buch verleihen. Viel ist nicht mehr im Bestand, einige Bücher, Spiele, CDS und Filme haben sie schon gegen einen kleinen Obolus abgegeben.

Öffnungszeiten Wer Interesse an einem Buch oder Spiel hat, der kann in der Bücherei vorbeischauen: sonntags, 10.30 bis 12 Uhr und mittwochs 15.30 bis 18 Uhr, Niederdonkerstraße 2a