Lörick: Anwohner klagen über Gülle in Lörick

Lörick : Anwohner klagen über Gülle in Lörick

Einmal im Jahr seien die Felder früher gedüngt worden, inzwischen würde auf den Rheinwiesen vier Mal so oft Gülle aufgebracht. Die Landwirtschaftskammer verweist auf die Sperrfrist, die Landwirten auferlegt wurde.

Ihr ganzes Leben ist Wilma Wellmans schon in Lörick zu Hause, nur ein paar Meter liegen zwischen ihrer Wohnung und dem Rhein. Viel Grün hat Wellmans um sich - Felder, Wiesen, frische Luft. "Ich bin ein Landkind", sagt die 54-Jährige, die oft mit ihrem Hund Buddy draußen unterwegs ist. Sogar der Gestank von Gülle gehört für sie dazu, das hat Wellmans nie gestört. "Früher wurde allerdings nur einmal im Jahr gedüngt", sagt sie. "Heute sind es sicher vier Mal." Mit Sorge blickt sie inzwischen auf das Bienensterben, "und früher waren hier überall Wildblumen", sagt Wellmans. Blumen blühen heute kaum noch um sie herum.

Vor zwei Jahren schrieb Wilma Wellmans an das Umweltamt in Meerbusch, wollte wissen, wer für die Ausbringung der Gülle verantwortlich ist. Sie erkundigte sich über die Kontrollen, "als Antwort habe ich lange Gesetzestexte bekommen", sagt die Lörickerin. Damit konnte Wilma Wellmans nichts anfangen, kontaktierte schließlich den von der Stadt Meerbusch genannten Ansprechpartner bei der Landwirtschaftskammer. "In den vergangenen Tagen wurden erneut große Mengen von Gülle auf den Rheinwiesen bei Düsseldorf aufgebracht."

Im Vergleich zu früheren Jahren hätten diese jedoch "stellenweise die Konsistenz eines klebrigen, pechartigen Ölteppichs", schrieb Wellmans damals. Außerdem wunderte sie sich über die Tankwagen, die größtenteils niederländische Kennzeichen trugen. "Das hat mit unseren Landwirten doch nichts mehr zu tun."

Aus der Landwirtschaftskammer bekam Wellmans die Antwort, dass die Konsistenz und Beschaffenheit von Gülle je nach Herkunft und Tierart unterschiedlich sein kann und dass Kontrollen im Rahmen der Düngeverordnung stichprobenartig stattfänden. So richtig nachvollziehen konnte Wellmans die Angaben zwar nicht, aber sie gab sich erstmal zufrieden damit.

"Aber nicht nur mir ist aufgefallen, dass es mehr geworden ist", sagt die Lörickerin. Mit vielen Hundebesitzern habe sie sich schon ausgetauscht, in diesem Frühjahr wieder. "Die Hunde dürfen hinter dem Deich laufen", sagt Wilma Wellmans. Und manche von ihnen würden sich liebend gerne wälzen im Dünger, "das ist eine riesen Sauerei", weiß die 54-Jährige, die sich fragt, was genau auf die Wiesen gekippt wird, "auch dort, wo kein Mais angebaut wird".

Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer, verweist auf die Sperrfrist, die Landwirten auferlegt wurde. "Die Zeit, in der Gülle ausgebracht werden darf, ist geringer geworden", sagt Rüb. "Und demnächst soll diese Sperrfrist sogar ausgedehnt werden." Gülle sei ein preiswerter Dünger, der vor allem Landwirten dient, die keine Tiere mehr halten. Die organische Substanz im Dünger habe eine positive Auswirkung auf den Boden und den Humusgehalt. Dass viele Gülle-Fahrzeuge niederländische Kennzeichen haben, liegt daran, dass die Holländer viel mehr Viehzucht betreiben.

Wer unrechtmäßig seine Felder düngt, dem drohen empfindliche Strafen. "Das spricht sich rum, in Düsseldorf könnte niemand heimlich düngen", erklärt der Sprecher der Landwirtschaftskammer. Aus 1300 eingeleiteten Verfahren in 2016 seien 694 Ordnungswidrigkeiten hervorgegangen und 580 Bußgeldbescheide. 470.000 Euro Strafe mussten die Landwirte in Deutschland im vergangenen Jahr zahlen, weil sie sich nicht an die Vorschriften gehalten haben, zum Beispiel in einem Zeitraum von vier Stunden nach Ausbringung die Gülle in den Boden einzuarbeiten. Zehn Prozent der Betriebe seien im vergangenen Jahr untersucht worden, "wir haben unser Personal aufgestockt", sagt Rüb. Auf 23.000 Euro habe sich das höchste Bußgeld in 2016 belaufen, "2015 lag das bei 54.000 Euro".

Wer das Gefühl hat, ein Landwirt in der Umgebung würde zu viel düngen, der kann eine offizielle Beschwerde bei der Landwirtschaftskammer einreichen. "Anonyme Anzeigen aber beantworten wir nicht", sagt Bernhard Rüb.

(RP)
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